Handelsblatt - 06.11.2019

(Axel Boer) #1
Passagiere am
Frankfurter
Hauptbahnhof:
Nur im Fernver-
kehr laufen die
Geschäfte gut.

dpa

Nicht im Plan
Ergebnisse per Ende September 2019 in Mio. Euro

HANDELSBLATT *Fernverkehr, Regio, Cargo, Infrastruktur • Quelle: Unternehmen

Fernverkehr Regio Cargo Systemverbund
Bahn*

Ebit Abweichung
zum Vorjahr

Abweichung
zum Plan

383

+24 +


  • -66 -
    -117 -




263





669

Düsseldorf

F

ür den Bahn-Vorstand um CEO Richard
Lutz könnte die Aufsichtsratssitzung an
diesem Donnerstag angenehm verlau-
fen – wenn er lediglich die Ergebnisse
des Fernverkehrs präsentieren dürfte:
mehr Fahrgäste, mehr Umsatz, ein besseres Ergeb-
nis. Noch hat zwar jeder vierte ICE und Intercity
Verspätung, aber immerhin liegt die Quote der
pünktlichen Züge per Ende September mit 76,
Prozent im Plan. Lutz hatte schließlich die viel zu
ehrgeizigen Ziele aus früheren Zeiten schon vor
Monaten vorsichtshalber abgemeldet.
Doch die 20 Aufsichtsräte des staatseigenen Un-
ternehmens wollen auch die restlichen Zahlen des
Zwischenberichts sehen. Und die zeichnen kein so
angenehmes Bild. Dieser interne Bericht liegt dem
Handelsblatt vor. Danach stehen vor den Kennzif-
fern weitgehend Minuszeichen. Vor allem aber
fährt die Bahn ihren eigenen Planungen hinterher.
Ob der Staatskonzern das noch zur Halbjahres -
bilanz bekräftigte Ziel erreichen wird, „mindes-
tens“ 1,9 Milliarden Euro Gewinn (Ebit) in diesem
Jahr zu machen, steht in den Sternen.
Nach den ersten drei Quartalen liegt laut Zwi-
schenbericht das Ebit im sogenannten „Systemver-
bund Bahn“, das sind Personen- und Güterverkehr
sowie Infrastruktur, nur bei 669 Millionen Euro
und damit fast 30 Prozent unter dem Vorjahr. We-
gen massiv steigender Kosten hatte der Bahn-Vor-
stand bereits sinkende Gewinne erwartet. Aber
jetzt liegt das Ebit sogar noch um 11,4 Prozent nied-
riger als die schon reduzierte Vorhersage. Auch das
Ergebnis der noch nicht eingerechneten Bahn-
Tochter Schenker wird die Jahresprognose für den
Konzern kaum retten können. Der Schenker-Ge-
winn ist Ende September ebenfalls leicht unter
Plan.
Der größte Problemfall ist aber die Güterver-
kehrstochter DB Cargo. Im Inland hat Cargo weiter
an Fracht verloren. Der Gesamtumsatz fällt laut

dem Bericht um 27 Prozent hinter den Umsatz des
vergleichbaren Vorjahreszeitraums zurück. Was
aber viel schlimmer ist: Der Umsatz lag bis Ende
September um 172 Prozent unter den Planungen.
Dabei sollte DB Cargo nach den Jahren des Nie-
dergangs 2019 endlich wieder zulegen und sich aus
den roten Zahlen herausarbeiten. Ein neu einge-
führtes Produktionssteuerungssystem sollte die
lang erhoffte Wende bringen. Seit vier Jahren
schreibt Cargo Verlust, 2018 waren es 190 Millio-
nen Euro. Hoffnungen auf eine radikale Wende
sind Makulatur. Der Verlust von 231 Millionen Euro
im bisherigen Jahresverlauf dürfte wohl kaum auf-
zuholen sein. Dazu kommt nun auch noch die
schwächelnde Konjunktur in wichtigen Branchen
wie der Automobil- und der Stahlindustrie.
Jetzt drohen der Bahn möglicherweise Abschrei-
bungen in dreistelliger Millionenhöhe. Schon ein-
mal, im Geschäftsjahr 2015, hatte Cargo mit 1,3 Mil-
liarden Euro Wertberichtigungen den Bahn-Kon-
zern tief in die Verlustzone gedrückt.
Die Katastrophe bahnt sich schon seit Monaten
an. Wohl auch deshalb ist eine alte Idee zum Um-
bau des Konzernvorstands wieder aktuell gewor-

Bahn unter Plan


Berateraffäre, die ungeschickte Berufung der neuen


Cargo-Vorständin, ein Ultimatum des Ministers – die Konzernspitze


steht unter Druck. Und jetzt liegt auch noch ein Zwischenbericht


vor, der das geplante Jahresergebnis infrage stellt.


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MITTWOCH, 6. NOVEMBER 2019, NR. 214
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