Handelsblatt - 16.10.2019

(Nancy Kaufman) #1
Indonesien hat eine sehr aktive Anti-
korruptionsbehörde. Ich glaube,
dass auch eine solche Behörde einen
Aufseher braucht. Auch das Parla-
ment und der Präsident unterstehen
gegenseitiger Kontrolle.

Konflikte hatte Ihre Regierung
auch mit der EU wegen Import-
beschränkungen für Palmöl. Wie
sehr behindert das die Partner-
schaft?
Palmöl ist für Indonesien sehr wich-
tig. 16 Millionen Menschen leben da-
von. Es gibt aber kaum noch Möglich-
keiten für uns, Europas Entscheidung
zu ändern. Wir wollen damit nun ver-
stärkt Biotreibstoffe herstellen.

Zuletzt kam die Drohung aus Ja-
karta, als Reaktion auf die EU-Be-
schlüsse Airbus zu boykottieren.
Steht das noch im Raum?
Uns geht es um gegenseitigen Res-
pekt. Wenn wir von Europa nicht
respektiert werden, dann sehen wir
uns nach anderen Lieferanten um.

Die Fragen stellte Mathias Peer.


abkommen mit der EU wird uns helfen.
Präsident Joko Widodo glaubt, dass wir
die Verhandlungen in den kommenden
zwei Jahren abschließen können.

Zu den Hürden, die Investoren in
Indonesien beklagen, gehört auch
das strikte Arbeitsrecht.
Beschäftigungschancen zu schaffen
hat für uns oberste Priorität. Die digi-
tale Wirtschaft braucht andere Regeln
als die klassischen Fabrikjobs der Ver-
gangenheit. Für indonesische Start-
ups ist es im Moment noch einfacher,
nach Indien outzusourcen, als Stellen
in der Heimat zu schaffen. Wir wissen,
dass sich das ändern muss und dass
dafür neue Regeln nötig sind.

Hat Präsident Widodo noch
genug Unterstützung für Re-
formen? Bei den Studenten-
protesten schlägt ihm viel
Widerstand entgegen.
Bei den Protesten geht
es um eine Reform des
Strafrechts, das noch
aus der Kolonialzeit
stammt. Die neuen

Regeln betreffen viele Menschen und
sensible Wertefragen. Ich glaube, der
Präsident hat die richtige Entscheidung
getroffen, die Neuregelung erst einmal
zu verschieben. Es gab aber auch viele
Missverständnisse mit Blick auf die Re-
form.

Vorgesehen war unter anderem,
außerehelichen Sex unter Strafe zu
stellen. Verschreckt das westliche
Investoren?
Man braucht Zeugen für eine Anzeige.
Und eine solche Anzeige kann nur die
Ehefrau oder der Sohn machen. Wenn
man keine Frau und keinen Sohn hat,
passiert also nichts.

Ist das wirklich beruhigend?
Es gibt kein Problem. Man
kann eine Freundin haben.
Auch einen Freund zu haben
ist in Ordnung.

Die Demonstranten werfen
der Regierung auch vor,
Korruptionswächtern
die Unabhängigkeit zu
nehmen.

A


irlangga Hartarto war jahrzehn-
telang selbst Unternehmer. Nun
ist der 57-Jährige in Indonesiens
Kabinett dafür zuständig, die Wirtschaft
des Landes anzuschieben.

Herr Minister, Geschäfte in Indone-
sien gelten bei ausländischen Unter-
nehmern als sehr schwierig. Wann ist
Besserung in Sicht?
Die Regierung hat bereits mehrere De-
regulierungsmaßnahmen beschlossen.
Wir vereinfachen auch die Lizenzie-
rungsverfahren und haben Förderun-
gen für Unternehmen beschlossen, die
Forschung und Entwicklung in Indone-
sien ansiedeln. Außerdem werden ab
2021 die Unternehmensteuern von 25
auf 20 Prozent sinken. Es gibt also viele
Anreize, hierher zu kommen.

Im Wettbewerb um Fabriken, die
wegen des Handelskonflikts aus Chi-
na abwandern, haben auch Länder
wie Indien ihre Steuern gesenkt.
Ja, es gibt gerade ein Wettrennen um aus-
ländische Direktinvestitionen. Indonesien
ist hier in Südostasien aber gut aufge-
Bloombergstellt. Auch ein geplantes Partnerschafts-

Airlangga Hartarto


„Wir wollen von Europa respektiert werden“


Indonesiens Industrieminister spricht über die umstrittene Strafrechtsreform, über Angebote an ausländische Investoren


und über Boykottdrohungen gegen die Europäische Union im Palmöl-Streit.


 
  




 
 



    

  





   


         



           


    
   



        



           


    
     


Wirtschaft & Politik
MITTWOCH, 16. OKTOBER 2019, NR. 199


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