Süddeutsche Zeitung - 15.10.2019

(Chris Devlin) #1
von christian bellmann

München– DieChefs deutscher Lebens-


versicherer haben ein neues Lieblings-


wort.BerichtensieüberihrGeschäft,spre-


chensiegernvon„kapitalschonendenNeu-


verträgen“. Kapitalschonend, das bezieht


sichnichtetwaaufdasGeld,dasderKunde


einzahlt und das natürlich bitte auch scho-


nend behandelt werden sollte. Nein, sie


meinen Verträge, bei denen nicht sie, die


Versicherer, ganz oder teilweise das Risiko


eines schlecht verlaufenden Kapitalmark-


tes tragen, sondern die Kunden. Das


schont das Kapital der Versicherer.


Das ist bei der klassischen Kapital-

lebensversicherung anders (siehe rechts).


Die ist teuer und unflexibel, aber in einem


Punkt bietet sie Sicherheit: Der Kunde


kannsichdarauf verlassen,dassdieGesell-


schaft die garantierten Zinsen gutschreibt.


Aktuell sind das bei Neuverträgen 0,9 Pro-


zent. Das gilt zwar nur für den Sparanteil


derBeiträge,alsodie85Prozentbis95Pro-


zent,dienach Abzug derKosten übrig blei-


ben.UndesgiltauchnurfürKunden,dieih-


ren Vertrag durchhalten. Aber immerhin:


Das Risiko, diesen Zins auch am Kapital-


markt zu verdienen, trägt der Versicherer.


UndermussdafürkräftigKapitalunter-

legen, verlangt die Finanzaufsicht Bafin.


DeshalbderTrendhinzu„kapitalschonen-


den“ Angeboten, vor allem fondsgebunde-


ne Rentenversicherungen. Den Kunden


wirddasmitdengroßenChancenamKapi-


talmarkt verkauft.


Dabei handelt es sich meistens um eine

Fondsanlage im steuerlich vorteilhaften,


aber teuren Versicherungsmantel. Die


Sparanteile des Beitrags fließen nicht wie


beiderKapitallebensversicherung insiche-
reAnlagenwieAnleihen, sonderninInvest-
mentfonds. Grundsätzlich gilt: Bei guter
Fondsentwicklung profitiert der Sparer
von hohen Gewinnen. Läuft es schlecht,
trägt er die Verluste. „Wir raten von Fonds-
policen ab, da sie eine ungünstige Kosten-
struktur aufweisen“, sagt Christian Bier-
noth, Versicherungsexperte bei der Ver-
braucherzentrale Hamburg. „Selbst wenn
sichdieFondsanlageüberdurchschnittlich
entwickelt, ist die Rendite in der Regel ge-
ringer als bei einem Direktinvestment.“
Biernoth rechnet vor: Fließen 30 Jahre
lang monatlich 100 Euro direkt in einen
Fonds, werden aus 36000 Euro bei einer
Wertentwicklung von sechs Prozent pro
Jahr knapp 100000 Euro. Mit einer Fonds-
police, bei der nach Kosten drei Prozent
Jahresrendite übrig bleiben, erreicht der
Kunde nur rund 58000 Euro. „Auch die
Steuerersparnisse können diesen Effekt
nichtausgleichen“, sagtBiernoth.AlsAlter-
nativeempfiehlterdiegünstigerenbörsen-
gehandelten Indexfonds (ETF).
Ein Grund für die schwachen Erträge:
Der Kunde zahlt nicht nur die Vertriebs-
und Verwaltungskosten des Versicherers,
sondernauch des Fondsanbieters.In man-
chen Fällen zahlen Fondsgesellschaften
mit dem Geld des Kunden eine Provision
an den Versicherer, die dort nicht unbe-
dingt den Kunden zugutekommt.
Christian Gülich vom Bund der Versi-
chertenschließtsichderKritikan.„Fonds-
policen können sich allenfalls dann loh-
nen, wenn die vom Versicherer angebote-
neFondsauswahlhochwertigundderKun-
de sich sicher ist, die Beiträge langfristig
aufbringen zu können.“
Dennoch spielen Fondspolicen im Neu-
geschäft inzwischen eine wichtige Rolle.
„Das Geschäft wächst“, berichtet Jacques
Wasserfall, Vorstand Lebensversicherun-
gen beim Versicherer Zurich. „Fondspoli-
cen sind für diejenigen Kunden eine gute

Wahl, die selbst keine Profis beim Kauf-
und Verkauf von Fondsanteilen sind.“
UmdieSicherheitzuerhöhen,bietenvie-
le Versicherer an, einen Anteil des einge-
zahlten Gelds zu garantieren. „Der Kunde
erkauft sich das aber teuer, weil das zulas-
ten der Rendite geht“, sagt Verbraucher-
schützer Biernoth. Je mehr Garantie der
Kunde wünscht, desto weniger Geld steht
für die potenziell rentablere Fondsanlage
zur Verfügung, weil der Versicherer den
Großteil in sichere, aber renditeschwache
Anlagen investieren odereine Garantie auf
dem Kapitalmarkt kaufen muss.
Dennoch wollenvieleKundensicherstel-
len, dass sie die eingezahlten Beiträge zu-
rückerhalten. Verträge ohne jegliche Ga-
rantien sind nach Angaben der Zurich in
derUnterzahl.„IndenmeistenFällenwäh-
len Kunden immer noch Garantien“, be-
richtet Zurich-ManagerWasserfall.„Inder
aktuellenNiedrigzinsphasesinddieerwar-
teten Renditen sowieso niedrig, sodass
sichderRenditeverzichtimmerstärkerbe-
merkbar macht.“

Das zeigen auch Zahlen der Allianz. Bei
den „kapitalmarktnahen Produkten“ des
Versicherungskonzerns können sich die
Kunden für eine vollständige Beitragsga-
rantieodereinen Verzichtdarauf entschei-
den – oderfür eine Abstufung dazwischen,
beispielsweise 60 oder 80 Prozent. Drei
Viertel der Allianz-Kunden entscheiden
sich für einen vollständigen Beitragser-
halt. Nur 21 Prozent sind bereit, ihr Geld
ausschließlich in Fonds zu stecken.
Für mehr Planbarkeit bieten viele Versi-
cherer ein Ablaufmanagement an: Sie
schichten dasGuthabenmitnäher rücken-
dem Vertragsende schrittweise in sichere-

re Anlagen um, damit böse Überraschun-
genkurzvorRentenbeginnvermiedenwer-
den.„AußerdemhabendieKundenbeivie-
len Verträgen die Möglichkeit, nur einen
Teil des Guthabens zu entnehmen und den
Vertrag weiterlaufen zu lassen“, sagt Marc
Glissmann, Geschäftsführer des Instituts
für Finanzmarkt-Analyse, das vor allem
für Versicherer tätig ist. Können Kunden
dasVertragsendeverlegen,wirddieRenta-
bilität der Police weniger abhängig davon,
wie hoch das Fondsguthaben zum ur-
sprünglich geplanten Stichtag ist.
DieEmpfehlungderVerbraucherschüt-
zer, lieber auf direkte Anlagen in ETF zu
setzen,hältGlissmannfürzukurzgesprun-
gen.„FastalleneuenFondspolicenberück-
sichtigen ETF“, sagt er. „Vor dem Hinter-
grund des gestiegenen Kostenbewusst-
seins bei Kunden, Verbraucherschützern
und Politikern ist den Gesellschaften be-
wusst,dass sie möglichstgünstigeProduk-
teanbietenmüssen.“DassETFalsDirektin-
vestmentgrundsätzlichdeutlichpreiswer-
ter sind als im Versicherungsmantel, sei
heute nicht mehr unbedingt der Fall.
Glissmann sieht einen weiteren Vorteil
gegenüber herkömmlichen Fondsanlagen.
„Fondswechsel während der Laufzeit sind
in der Regel kostenfrei möglich“, sagt er.
Außerdem fallen bei einem Fondswechsel
nicht sofort Steuern an, das Guthaben
kann in voller Höhe neu angelegt werden.
Allerdings: Nur die wenigsten Kunden
wechseln die Fonds.
Glissmann sieht Verbesserungen.
„Fondspolicen sind in den letzten Jahren
attraktiver und gegenüber Fonds-Direkt-
anlagen konkurrenzfähiger geworden.“ So
gelte in vielen Fällen: Je neuer das Produkt
ist, desto geringer sind die Kosten.

Am Donnerstag, 17. Oktober, Teil 4:
Wer von der Riester-Rente noch profitieren kann.
Alle Beiträge der Serie finden Sie unter:
SZ.de/sorgenfrei

Köln– Die klassische Lebensversicherung
wird oft totgesagt – aber in den Versiche-
rungsordnern und Schreibtischschubla-
denvonMillionenDeutschenistsiesehrle-
bendig. Von den bestehenden 87 Millionen
Lebens-undPensionsversicherungensind
46 Millionen „klassische“ Verträge, dazu
kommenetwaelfMillionenPolicen,beide-
nen ein Teil der Prämie nach dem klassi-
schen System verwaltet wird.
Jahrzehntelang waren die klassischen
Verträge das wichtigste Sparinstrument
nachdemSparbuch.Niedrige Beiträge,ent-
sprechend kleine Auszahlung, Steuervor-
teile, Mindestlaufzeit zwölf Jahre. Inzwi-
schen gilt der Steuervorteil nur noch für
die Hälfte der Erträge. Die durchschnittli-
che versicherte Summe pro Vertrag be-
trägt22000Euro.VielehabenmehrerePo-
licen – eine hat die Kollegin verkauft, die
nebenberuflich für einen Finanzvertrieb
arbeitet, die andere der Kumpel im Sport-
verein, der im Hauptberuf Vertreter ist.
Bei klassischen Verträgen garantieren
die Versicherer die Verzinsung für die ge-
samte Vertragslaufzeit. Aktuell dürfen sie
für Neuverträge höchstens 0,9 Prozent zu-
sagen, das legt die Bundesregierung fest.
InderSpitzewarenes indenNeunzigerjah-
ren vier Prozent. Allerdings: Im Durch-
schnitt werden nur rund 90 Prozent des
Kundengelds verzinst – der Rest geht für
Vertriebs- und Verwaltungskosten drauf.
Wer einen alten Vertrag mit vier Pro-
zent, 3,25 Prozent oder 1,75 Prozent hat,
sollteihn biszurAuszahlungoderzumRen-
tenbeginndurchhalten,ratenVerbraucher-
schützer. Anders ist das bei Verträgen, die
er oder sie in den vergangenen zwei Jahren
mit 0,9 Prozent oder ohne Garantie abge-
schlossen hat. Da lohnt sich die Prüfung
mithilfe eines unabhängigen Beraters
(nicht eines Vertreters oder Maklers), ob es
bessere Vorsorgemöglichkeiten gibt.
Wer eine Police hat, muss sich auf
schlechte Nachrichten gefasst machen.
Die Überschussbeteiligungen werden
2020 wieder sinken, erwarten Experten.
„Wir rechnen damit, dass sie für 2020 wie-
der nach unten geht“, sagt Lars Heermann
von der Ratingagentur Assekurata.

Schon in den vergangenen Jahren fielen
die Gutschriften Jahr für Jahr niedriger
aus. Für 2019 gab es erstmals etwas besse-
re Nachrichten: Die Talfahrt schien ge-
stoppt zu sein, ein Großteil der Anbieter
hielt die Werte stabil. Über alle Produkt-
und Tarifgenerationen beträgt die laufen-
de Verzinsung laut Assekurata 2019 im
Durchschnitt 2,84 Prozent. Wer eine höhe-
re Garantie hat, bekommt die. Aber nach

der jüngsten Zinsentscheidung der Euro-
päischen Zentralbank hat sich die Lage für
die Lebensversicherer noch einmal ver-
schärft.ImNovembergebendieerstenAn-
bieter die Verzinsung für 2020 bekannt.
Für die Versicherer war die klassische
Police jahrzehntelang der Renner – auch
weil sie sich von den Kunden über die ho-
hen Provisionen ihre Vertriebe bezahlen
lassen konnten. Und die Garantiezinsen
waren damalseinwichtigesInstrument im
Wettbewerb mit Banken und Fondsgesell-
schaften.

Heute hat die Branche Probleme, diese
einst vollmundig gegebenen Zusagen („ja-
panischeZinsverhältnissesindinDeutsch-
land unmöglich“) einzulösen. Es fällt ihr
schwer, am Kapitalmarkt die nötigen Ren-
diten zu erzielen. Außerdem binden die
klassischen Policen sehr viel Kapital.
Manche Konzerne verkaufen ihre Be-
stände einfach an Finanzinvestoren. Der
größte Dealwarbisherder2018 vollzogene
Verkauf der Generali Lebensversicherung
mit etwa vier Millionen Verträgen an eine
Gesellschaft, die dem Londoner Investor
Cinven und der Hannover Rück gehört.
Im Neugeschäft setzen die Gesellschaf-
ten inzwischen meist auf Lebensversiche-
rungen ohne feste Zinsgarantie. Fällt die
Garantie weg oder ist reduziert, sinkt auch
der Kapitalbedarf für den Versicherer –
weil der Kunde jetzt selbst den größten
Teil des Risikos trägt. Angesichts der Zins-
situation sollten Kunden sich fragen, ob
sie wirklich eine feste Garantie über einen
Zeitraumvon30Jahrenbrauchen,rätHeer-
mannvonAssekurata.„EswirdimmerLeu-
te geben, die sich für die Garantien ent-
scheiden, aber man sollte sich die Frage
schon stellen.“
Achtung: Bietet ein Versicherer an, den
alten „langweiligen“ Vertrag mit Zinsga-
rantie gegen eine wundervolle, sexy Police
mit „viel Potenzial nach oben wegen des
Aktienmarktes“ zu tauschen, hat er vor al-
lem seine eigenen Interessen im Auge –
nicht die seiner Kunden.
Im Klassik-NeugeschäftderVersicherer
spielenEinmalbeiträgeeineimmerwichti-
gere Rolle: Kunden sparen nicht regelmä-
ßig, sondern zahlen einmal eine Summe
ein – entweder, um damit eine bald begin-
nende Privatrente zu finanzieren, oder um
sich die Summe nach einigen Jahren gut
verzinst wieder auszahlen zu lassen. 2018
zahlten Kunden auf diese Weise 27,5 Milli-
arden Euro als Einmalbeitrag ein. Proble-
matischwirddasdann,wenndiebestehen-
den Kunden diese Neukunden beim Zins
subventionieren. h. fr omme, p. hagen

Cecilia Malmström, 51,EU-Handelskom-


missarin, bemüht sich wenige Tage vor


dem geplanten Inkrafttreten von neuen


US-Strafzöllen auf Waren aus Europa ein


letztes Mal darum, die Sonderabgaben


doch noch abzuwenden. In einem Brief an


den US-Handelsbeauftragten Robert


Lighthizer signalisierte die Schwedin


(FOTO: DPA)den Willen der EU, den für die


Zollpläne ursächlichen Streit um Sanktio-


nen für Flugzeughersteller fair zu lösen.


„Wir sind bereit, sowohl für den Fall Air-


bus als auch für den Fall Boeing eine Eini-


gung zu verhandeln“, schrieb Malmström.


Zugleich stellte sie klar, dass die EU mit


Gegenmaßnahmen antworten werde,


sollten die USA die Zölle verhängen. Die


USA wollen wegen rechtswidriger EU-Sub-


ventionen für den Flugzeugbauer Airbus


ab diesem Freitag Strafzölle auf Importe


aus Europa verhängen. Bei der Einfuhr


von Käse, Schinken, Olivenöl und Wein


soll zum Beispiel eine zusätzliche Abgabe


von 25 Prozent erhoben werden.


Grundlage für die Vergeltungsmaßnah-

men ist ein Urteil der Welthandelsorgani-


sation (WTO) aus dem Jahr 2018, mit dem


der Streit um Subventionen für den euro-


päischen Flugzeughersteller Airbus nach


fast 15 Jahren zugunsten der USA zu Ende


gegangen war. Die EU wiederum hatte in


einem ähnlichen Verfahren um Subventio-
nen für den US-Luftfahrtkonzern Boeing
recht bekommen. Dadurch wären die
Europäer vermutlich von Anfang des
kommenden Jahres an in der Lage, Straf-
zölle auf US-Importe einzuführen. Für die
ab Freitag geplanten Strafzölle von zehn
Prozent auf europäische Flugzeugimporte
haben die USA am Montag grünes Licht
vom Streitbeilegungsgremium der WTO
bekommen. Das dürfte auch deutsche
Unternehmen hart treffen. cbn

Renald Metoja, der vorläufige Insolvenz-
verwalter von PIM Gold, hat 500 Kilo-
gramm Gold erfasst, nach der Insolvenz
des mutmaßlich betrügerischen Gold-
händlers. Bei der Suche nach Vermögens-
werten habe sich Metoja(FOTO: OH)einen
Überblick über sichergestellte Gold- und
weitere Edelmetallbestände in Depots
und einem Ausstellungsraum der Firma
verschafft. Nach ersten Schätzungen hand-
le es sich um rund 500 Kilogramm, teilte
der vorläufige Insolvenzverwalter mit.
Darunter seien Goldbarren sowie Münzen
und Schmuck, teils auch aus anderen
Edelmetallen. Echtheit, Werte und Men-
gen würden von einem Gutachter geprüft.
Metoja hat auch mit der Auswertung der
Buchhaltung von PIM Gold begonnen.
Man durchforste sämtliche Unterlagen,
um Zahlungsströme nachzuvollziehen.
Die Buchhaltung sei aber nicht auf dem
aktuellen Stand und für 2018 und 2019
lückenhaft. Parallel würden elektronische
Daten gesichert, etwa Festplatten, Server
und E-Mails. „Das ist eine Fleißarbeit, die
voraussichtlich Wochen in Anspruch neh-
men wird.“ Gegen Verantwortliche der
PIM Gold aus Heusenstamm in Hessen
laufen Ermittlungen der Staatsanwalt-
schaft Darmstadt. Anfang September
wurden Geschäftsräume durchsucht,

Gold beschlagnahmt und eine Person
festgenommen, unter anderem wegen des
Vorwurfs des gewerbsmäßigen Betrugs.
In der Folge meldete die Firma Insolvenz
an. Es könnten mindestens 10000 Anle-
ger betroffen sein, hauptsächlich Kleinin-
vestoren. Metoja rechnet mit einer Eröff-
nung des Insolvenzverfahrens im Dezem-
ber. Erst danach könnten Gläubiger ihre
Ansprüche anmelden. Bis zur Auszahlung
einer möglichen Quote dürften „einige
Jahre“ vergehen. dpa

Die Kosten sind sicher


StattLebensversicherungen mit Zinsgarantien verkaufen immer mehr Anbieter am liebsten


fondsgebundene Policen – doch das kann für die Kunden teuer und riskant werden


Wieder nach unten


Die Verzinsung der klassischen Verträge wird 2020 sinken


Martin Koers, Geschäftsführer des Auto-
mobilverbands VDA, äußert sich natürlich
mit einer Motorsportmetapher, wie es mit
der Automobilmesse IAA weitergehen
könnte. „Frankfurt ist weiterhin im Ren-
nen, doch wir prüfen auch andere attrakti-
ve Optionen und sind mit mehreren Städ-
ten im Gespräch“, sagte Koers(FOTO: OH)
nach einem Treffen mit dem Frankfurter
Oberbürgermeister Peter Feldmann sowie
den Geschäftsführern der Messe und der
IHK. Der VDA hatte wegen sinkender
Aussteller- und Besucherzahlen schon vor
der diesjährigen IAA angekündigt, das
Messekonzept grundlegend zu überarbei-
ten und dann auch zu entscheiden, wo die
Veranstaltung künftig stattfinden soll.
Der Vertrag von VDA und Frankfurter
Messe läuft in diesem Jahr aus. Die IAA
müsse sich verändern, sagte Koers: „Heu-
te beschränken wir uns auf das Messege-
lände, morgen wollen
wir neue Mobilität
auch außerhalb der
Messegrenzen in die
Stadt zum Bürger
tragen“. Die Entschei-
dung hänge auch
davon ab, ob die Stadt
diesen Ansatz unter-
stütze. reuter s

Sven Rebehn, der Bundesgeschäftsführer
des Deutschen Richterbunds (DRB), be-
merkt eine deutlich gestiegene Zahl der
Fluggast-Klagen. Bereits bis Ende August
hätten diejenigen Amtsgerichte, die für
die 15 größten deutschen Flughäfen zu-
ständig sind, mehr als 50000 Neuzugän-
ge an sogenannten Reisevertragssachen
verzeichnet, wie der DRB mit Bezug auf
eine Umfrage bei den Amtsgerichten be-
stätigte. Dies sei getrieben durch Entschä-
digungsklagen von Kunden wegen verspä-
teter oder ausgefallener Flüge. Für das
Gesamtjahr 2019 rechnen die 15 befragten
Amtsgerichte demnach sogar mit rund
90000 Fällen. Im Vergleich zum Vorjahr
dürfte sich die Zahl damit etwa verdop-
peln, sagte Rebehn(FOTO: OH). „Die Verfah-
renswelle dürfte noch wachsen, weil
Rechtsdienstleister über Portale im Inter-
net derzeit massiv um neue Mandate
betroffener Flugkun-
den werben.“ Am meis-
ten Verfahren gibt es
in Düsseldorf mit
etwa 20000 erwarte-
ten Fällen für 2019,
gefolgt von Frankfurt
mit 15000 und Köln
mit mehr als 10000
Verfahren. dpa

Schon in den vergangenen


Jahren fielen die Gutschriften


Jahr für Jahr niedriger aus


Die meisten Kunden pochen auf


die volle Garantie ihrer Beiträge –
dabei gibt es bessere Lösungen

Bei manchen Angeboten


denken Versicherer vor allem


an ihre eigenen Interessen


16 HF3 (^) WIRTSCHAFT Dienstag, 15.Oktober 2019, Nr. 238 DEFGH
Teil 3 der Serie zur AltersvorsorgeWasLebensversicherungen noch bringen
Die Renditen gehen nach unten
Wie sich die Niedrigzinsen auf Kapitallebensversicherungen auswirken; Angaben in Prozent
Ablauf
zum...
... 31.10.2010... 31.10.2011... 31.10.2012... 31.10.2013... 31.10.2014...
1.10.
... 31.10.2016... 31.10.2017... 31.10.
SZ-Grafik: Mainka
;Q
uelle: Assekurata
,auf Basis der Mittelwerte deutscher Lebensversicherer
3,75 3,48 3,45 3,24 2,80 2,63 2,62 2,25 1,
Musterfall: Kapitallebensversicherung für einen Mann, Angestellter, Nichtraucher, Eintrittsalter 30 Jahre. Er zahlt jährlich im Voraus auf einen Schlag 1200 Euro ein und hat einen Todesfallschutz
von 100 Prozent. Die Vertragslaufzeit ist 12 Jahre. Lesebeispiel: Hat ein 30jähirger Angestellte den Vertrag 1998 unterschrieben, wird der Vertrag2010 ausgezahlt. Die Rendite auf seine eingezahlten
Beiträge beträgt dann im Durchschnitt 3,75 Prozent pro Jahr. Hätte ein 30jähriger Mann erst 2006 die Lebensversicherung abgeschlossen, müsste er sich mit 1,97 Prozent Rendite zufriedengeben.
SORGENFREI
VORSORGEN
Ein letzter Versuch Vorfahren in Frankfurt Klick zur Fluggast-Klage 500 Kilogramm Gold und ein paar Festplatten
PERSONALIEN
ILLUSTRATION: STEFAN DIMITROV

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