Neue Zürcher Zeitung - 18.10.2019

(Barry) #1

Freitag, 18. Oktober 2019 ZUSCHRIFTEN


Vor- und Nachteile


von Elektroautos


Am 12. Oktober 20 19 schreibt Michael
Rasch in der NZZ: «Alle finden Elek-
tro-Autos toll – aber kaum jemand kauft
sich eines.» Ich möchte zu den dort ge-
nannten Gründen weitere anfügen. Ihr
grössterVorteil, und den kann niemand
wegdiskutieren, ist die starkeAbnahme
der CO 2 -Konzentration an verkehrs-
reichen Plätzen in der Innenstadt.Da-
vonkönnen viele Menschen profitieren,
und sie wissen es zu schätzen. Nun ist
das nur die eine Seite der Medaille. Für
Elektroautos, wie übrigens auch für die
mitWasserstoffangetriebenenAutos,
muss die elektrische Energie zuerst ein-
mal produziert werden.Natürlich steht
in Deutschland viel sauberer Strom aus
Solarzellen und besonders ausWind-
kraftwerken zurVerfügung. Je nach
Wetterlage muss der Stromversorger je-
doch auf Atomkraftwerkeoder gar auf
Kohlekraftwerke zurückgreifen.Dies
hat sich herumgesprochen und dürfte
neben dem hohen Preis ein Grund dafür
sein, dass kaum jemand sich ein Elektro-
auto kauft.
KasparF. Wyss, Küsnacht


In der Arbeit


findenwir dieWelt


Der Gastkommentar von Hart-
mutRosa (NZZ 16 9. 19) ist hervor-
ragend. Es gelingtihm, dasWesent-
liche über die Arbeit auszusagen, näm-
lich, sie verändere dieWelt so,dass
der Mensch lebenkönne.Der Begriff
Arbeit gilt sowohl nach den Klassikern,
insbesondereAdam Smith undDavid
Ricardo, als auch nach Karl Marx im
Sinne der Arbeitswertlehre als den
Wert von Gütern und Dienstleistungen
bestimmend.
Silvio Bianchi,Basel


Steuerabzüge


sindSubventionen


Gegen Ende der Legislaturperiode
sind die eidgenössischenRäte in eine
eigentliche «Steuerabzugserhöhungs-
Euphorie» geraten. Am letztenTag der
Legislaturperiode haben sie bei der
direkten Bundessteuer ohne seriöse
Vorbereitung noch schnell den Kinder-
abzug um 40 00 Franken erhöht. Den
Bund wirddas 350 MillionenFran-
ken proJahrkosten, sofern dasVolk
nicht mit einem Referendumkorri-
gieren kann. Die NZZ (8. 10.19) kriti-
siert diesen steuerpolitischenFehlent-
scheid zuRecht. Ökonomischbetrach-
tet, ist die durch einen Steuerabzug be-
wirkte Abnahme der Steuerlast nichts
anderes als eine Beitragszahlung(Sub-
ve ntion); sie erhöht ebenfalls die Kauf-
kraft eines Steuerpflichtigen und will
damit bestimmte im öffentlichen Inter-
esse liegende Massnahmen undVerhal-
tensweisen fördern. Es drängt sich da-
her auf, die Effizienz der beidenFör-
derinstrumente «Steuerabzug» und
«Beitragszahlung» miteinander zu ver-


gleichen.Womitlässt sich die Kinder-
betreuung und -erziehung besser för-
dern, mit höheren Kinderabzügenoder
höherenBeiträgenanKindertagesstät-
ten?Womit lassen sich dieFolgenstark
steigender Gesundheitskosten wirksa-
mer mildern, mit dem steuerlichen Ab-
zug von Krankenkassenprämien oder
mit Staatsbeiträgen an Krankenkassen-
prämien zugunsten niedriger Einkom-
men? Staatsbeiträge dürften dabei (viel-
leicht nicht immer) besser abschneiden
als Steuerabzüge. Staatsbeiträge (Sub-
ventionen) lassen sich gezielt dort ein-
setzen, wo ihreWirkung am grössten ist,
während Steuerabzüge vor allem die Be-
züger hoher Einkommen entlasten. Man
würde wahrscheinlich darüber staunen,
wie viel Geld (und damit auchPotenzial
fürTarifkorrekturen zugunsten höherer
Einkommen) dem Staat wegen Steuer-
abzügen verloren geht.Ist es gerecht,
dass der Staatan einePartei- oderWohl-
tätigkeitsspende einesReichen in der
Form einer Steuerlastreduktion einen
Beitrag von 30 oder 40 Prozentleistet,
während er sich bei einem Ärmeren nur
mit 10 Prozent oder gar nicht beteiligt?
Hermann Engler, Oberentfelden

Anthropozän


Den BegriffAnthropozänversteht man
sofort: das vom Menschen geprägte
Erdzeitalter. Bereits1873 sprach Anto-
nio Stoppani vom «Anthropozoikum»
(NZZ-Serie zum Anthropozän,27. 9. 19
und 4. 10.19). Dabei handelt es sich aber
nicht um ein Erdzeitalter, sondern um
ein Zivilisationsmodell, das dem Men-
schenWege zur Umgestaltung der Erde
aufzeigt – der Mensch als Geoingenieur.
Damitverbundenist die Idee, dass erdie
von ihm angerichteten Schädenreparie-
ren kann. Die von den Klimaingenieu-
ren vorgeschlagenen CO 2 -Reduktio-
nen werden nicht genügen, und es sind
nun anderegeomassstäbliche Eingriffe
im Gespräch. Der Harvard-Professor
DavidKeith will wolkenbildendeStoffe
in die Stratosphäre jagen, um die Erde
abzukühlen, die SchweizerWissenschaf-
terinUlrikeLohmann Eiskristallisation
in Zirruswolken künstlich erzeugen.
Wir wissen seit langem, dass die CO 2 -
Emissionen nur ein kleinerTeil des Pro-
blems sind. Der zunehmende Bedarf an
Energie hat den meisten CO 2 -Ausstoss
zurFolge. Die Hälfte derWälder unserer
Welt, unserer Lunge, haben wir bereits
abgeholzt.Landwirtschaftliche Mono-
kulturen verursachen ein weltweites
Artensterben bei Pflanzen undTieren.
Auf der ganzen Erde strömen die Men-
schen in die zunehmend dichter besie-
delten Städte mit grossflächigen klima-
tischenFolgen. Meere und Gewässer
werden durch unsere Abfälle belastet.
Die Menschen in den Industriestaaten
wohnen in viel zu grossenWohnungen,
das verdichteteBauen verursacht einen
immensen CO 2 -Ausstoss. Unter diesen
Umständen die CO 2 -bedingte«Klima-
erwärmung» zu bewirtschaften, lenkt von
den eigentlichen Problemen ab undist
nur ein das Gewissen beruhigendes Alibi.
DerRaubbau des Menschen an der
Erde begann mit dem Ende der letzten
Eiszeit um 10 000 v. Chr. und einem ge-
waltigen Zuwachsan Menschen. Die
Industrialisierung entwickelt bis heute
einen unverminderten Energie- und
Rohstoffhunger. Das ist ein geoethisches
Problem. Es bedarf nicht des Machbar-

keitsoptimismus der Geoingenieure,
sondern einer humanökologischen Um-
stellung.Wenn der Mensch nicht alsKul-
turgesellschaft global seine Einstellung
gegenüber seinem Planeten und den
vorhandenenRessourcen ändert, wird
das «Anthropozän» erdgeschichtlich
eine kurze Phase sein.
Kurt Signer,Baar

Zum Glück


war dadie Kamera


DieTagespresse und weitere Medien
berichteten im April über einenPor-
sche-Fahrer oder gar «Porsche-Rowdy»
(«Blick»), der mutwillig in eine Gruppe
friedlicher Klimademonstranten hin-
eingefahren war und beinahe ein Kind
überfahren hatte.Wie hätten die Schlag-
zeilen beispielsweise bei einemToyota-
Prius-Fahrer gelautet?«Toyota-Prius-
Rowdy»? Oder hätte man einfach von
einem «Autofahrer» berichtet? Die
Demonstrierenden haben ihre belasten-
denAussagen und Anzeigen mit Emo-
tionen angereichert.Diesbezüglich ist
ein «gerade noch gerettetes Kind» kaum
zu überbieten. Mit ihren Anzeigen hät-
ten sie den Mann wohl gerne ins Ge-
fängnis gebracht, beschuldigten sie ihn
doch, zumindest das Kind in Lebens-
gefahr gebracht zu haben.Dazukam
es glücklicherweise nicht, dank einer
Überwachungskamera(NZZ5. 10.19).
Wie wäre es herausgekommen, hätte
sich derVorfall hundert Meter weiter
ereignet, an einem Ort ohne Kamera?
Wärees aufgrund der übereinstimmen-
den Zeugenaussagen zu einerVerurtei-
lung gekommen?
Die zertrümmerte Heckscheibe ist
zwar eher unbedeutend, zeigt aber,
wie gut einige Demonstrierende ausge-
rüstet waren und wie effizient sie von
ihrenWerkzeugen Gebrauch mach-
ten.Kommt man als betroffenerAuto-
fahrer in einer solchen Stresssituation
nicht auf den Gedanken, dass man wie
die Scheibe selbst zum Angriffsziel wer-
denkönnte? Ist hier die Flucht aus der
Gefahr sinnvoll? Oder doch lieber ab-
warten, leise,mit abgestelltem Motor?
Vielleicht stellen sich die Angst und die
Bedenken nachträglich ja als unbegrün-
det heraus.
Jan Lipton, Hirzel

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undLeser

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TRIBÜNE


Kultur des Gehens


Gastkommentar
von MONIKA LITSCHER

In jüngerer Zeit eröffneten einige Schweizer Städte Anpassun-
ge n ihrerVerkehrsregime: Einzug vonTempo 30,Förderung von
Begegnungszonen und von aktiver Mobilität. Betrachten wir wis-
senschaftliche Grundlagen zu Stadt- und Mobilitätsentwicklun-
ge n, vorhandenesWissen von Menschen in urbanen Gebieten und
innovative Stadtverwaltungen rund um den Globus, wird aller-
dings ein weitaus drängenderer Handlungsbedarf hin zu einer sys-
tematisch einzuleitenden Mobilitätswende deutlich.Aus Sicht des
FachverbandsFussverkehr Schweiz sind die jetzigen Schritte wün-
schenswert, jedoch zu zaghaft und gemächlich.
Der Erfolganvisierter und weiterer Massnahmen zugunsten
aktiver Mobilität und einer menschengerechterenAufteilung
vonVerkehrsflächen wird seit längerem durch zahlreiche Stu-
dien belegt: Sie führen zu einer Erhöhung der Lebensqualität,
zurVerstärkung des Zugehörigkeitsgefühls und sozialen Zusam-
menhalts, zu mehr Sicherheit für alleVerkehrsteilnehmenden, zu
wirtschaftlichem Gewinn für dieansässigen (gast)gewerblichen
Betriebe sowie zu einer Imagekorrektur. Solche Eingriffe stär-
ken zudem dieWiderstandsfähigkeit von Städten. Sie ist unab-
dingbar, wenn man dieFolgen vonKlimawandelund Umwelt-
zerstörung auch nur ansatzweise bewältigen will.Für die Gestal-
tungeiner Zukunft für Mensch und Gesellschaft müssen wir da-
her die jetzigeVerkehrspolitik erneuern. Strassenplanung muss
zusammen mit Stadtraumentwicklung, Sozialpolitik und Design
gedacht und umgesetzt werden. Dabei ist dieRolle des Zu-Fuss-
Gehens bedeutsam. EntsprechendeRahmenbedingungen sind
freie, sichere und bequemeWegnetze. Deren Planung und Garan-
tie sind in der Schweiz verfassungsrechtlichverbrieft. Zu den Kri-
terien derFussgängerfreundlichkeit zählen neben dem Erreichen
von Alltagszielen Effekte auf daskörperliche und mentaleWohl-
befinden, soziales Erlebnis und gleichberechtigteTeilhabe. Für
die steteVerortung,Verhandlung undDurchsetzung all dieser
Qualitäten braucht es eine starkePolitik, ein breites Planungsver-
ständnis und weitsichtige Prozesse. Sie sorgen dafür, dassKennt-

nisse derVerkehrsforschung imAustausch mitWissen zuRechts-
grundlagen, Infrastrukturen der Strassen, Qualitäten der öffent-
lichenRäume, Perspektiven der Nutzenden sowieAspekten der
Wahrnehmung und des Images berücksichtigt, transdisziplinär
analysiert und entwickelt werden.
Zugrunde liegt immer eine zentrale –keineswegs neue und
vomFachverbandFussverkehr immer wieder verbreitete– Er-
kenntnis: Strassenräume sind öffentlicheRäume. Siesind die zen-
tralen Nervenbahnen der Städte. Die Menschen,zuFuss unter-
wegs und vor Ort verweilend, erfahren und prägen mit all ihren
Sinnen die Beschaffenheit dieserRäume und somit die Stadt.
Gehende sorgen für sozialen und ökonomischenAustausch, für
Vielfalt und Dichte. Dies führt zum begehrten Flair und Image.
Die Präsenz unterschiedlicher Menschen ist der massgebliche
Indikator für urbane Qualitäten der Gestaltung, Infrastruktur
und Atmosphäre.
Somit sindForderungen nach einer fairerenVerteilung derVer-
kehrsflächen, etwa nach mehr Begegnungszonen, Flaniermeilen,
wenigerAutos und tieferenTempolimits, erst dieVorzeichen einer
Mobilitätswende und Stadtraumerneuerung. Sie sind wichtig und
unumgänglich,damit sicheine bewussteKultur des Gehens eta-
blieren kann.Denn die grundlegendsteFortbewegungsart, die am
wenigstenPlatzbenötigt, den grössten Anteil der Alltagsbewegun-
gen ausmacht und den kleinsten ökologischenFussabdruck hinter-
lässt, muss ihreWegnetze und Möglichkeiten zur Begegnung auch
in Zeiten zusehends durchdringender digitalisierterVernetzung
und neu aufkommender Gefährte behalten, ja, sie im Sinne einer
zukunftsfähigen Gesellschaft gar erweitern.

Monika Litscherist Geschäftsführerin von Fussverkehr Schweiz, de m Fach-
verband der Fussgängerinne n und Fussgänger.

Gehende sorgen für sozialen


und ökonomischen Austausch,


fürVielfalt und Dichte.

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