schmetterling

(Martin Jones) #1

»Pilar, wir verstehen dich äußerst schlecht.«
Rauschen.
»Seid ihr alle okay?«
»– okay, ja. Weiß nicht, ob Kenny –«
Die Verbindung reißt ab. Immer gewaltigere Formen verstellen die Sicht.
Offenbar nähern sie sich dem Zentrum. Halb transparente, röhrenartige
Gebilde schweben dort in statisch unmöglichen Winkeln, bauchig, wo sie –
falls sie es überhaupt tun – den Boden berühren, zur schlankeren Seite hin in
aufwärtsweisende Trichter mündend, die aussehen, als wollten sie das Blau
des Himmels einsaugen. Auf unheimliche Weise wirken sie wie organische
Assimilationen abstürzender Zeppeline – die Hindenburg unmittelbar vor der
Flammenagonie, Dutzende Hindenburgs, zugleich meint man die Trichter
sich weiten und verengen zu sehen wie die Strudelöffnungen gigantischer
Seescheiden. Alles hier vereint mehrere Analogien auf sich, die den wahren
Charakter nur verschleiern, und je mehr Luther die Funktion der titanischen
Röhren zu ergründen versucht, desto unverständlicher werden sie ihm, bis
nichts bleibt als bezuglose Fremdartigkeit.
Dann sehen sie das Herzstück.
Eine kreisrunde Fläche, umsäumt von den Röhrengebilden und radial
gefurcht, deren Mitte anschwillt und pulsiert, als strebe etwas Unterweltliches
nach draußen. Und tatsächlich klafft die Schwellung auseinander im Moment,
in dem der Lilium Jet die Kreisperipherie passiert. Die Ränder der Öffnung,
von gleichmäßigen Wellen durchlaufen, beginnen sich zu einem Rüssel oder
Schlauch aufzustülpen, durch den ein großes Objekt an die Oberfläche
drängt, vielleicht auch herausgedrückt wird und dabei die elastische Struktur
weitet, allzu augenfällig sind die Parallelen zu einer Geburt – dann entsteigt
eine Art Kapsel dem Kanal, der gleich wieder erschlafft und sich schließt,
während das Objekt höher und höher treibt, einen funkelnden Regen unter
sich lassend. Tropfen, Partikel, Lebewesen? Die Sonne schimmert auf seiner
Außenhaut, poliertes Silber, vage organisch. Widerstandsfähig. Muss es wohl

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