Deutsch Perfekt - 11.2019

(Marcin) #1

Deutsch perfekt 11/ 2019 EXPEDITION INS EIS 19


viele Teile und zu welcher Jahreszeit. Im


Sommer kann es sein, dass wir das Camp


auf verschiedenen Schollen haben.“


Es ist ein Arbeiten unter extremen Be-

dingungen. Die Wissenschaftler haben


extra ein Eistraining gemacht. Während


der 150 Tage langen Polarnacht forschen


sie im Dunkeln. Es wird außerdem Eis-


bärwachen geben, um ihre Sicherheit zu


garantieren. „Ich habe Respekt vor der


Kälte“, sagt Marcel Nicolaus, „und bin ge-


spannt, was sie mit uns macht.“


Doch im Fokus steht die Wissenschaft,

genauer: die Erforschung der Interaktio-


nen zwischen Eis, Ozean, Atmosphäre


und Ökosystem. Es sind


diese Prozesse, die für das


Klima der Arktis so viel


bedeuten. Markus Rex


erklärt es so: Durch Risse


im Eis kommt die Wärme


des nur minus 1,5 bis 1,


Grad „warmen“ Ozeans in


die viel kältere Atmosphä-


re. Wieviel und wie genau


Wärme in die Atmosphäre


kommt, wollen die Forscher wissen. Auch,


wie Wasserdampf zur Erwärmung bei-


trägt. Und welche Rolle spielen die ark-


tischen Wolken auf das Gesamtsystem?


Wieviel Sonnenlicht reflektiert das Eis?


Was passiert mit dem Krill, wenn sich im


Winter die Eisdecke schließt? Die Unter-


suchungen von Atmosphärenphysikern,


Meereisphysikern, Biologen, Ozeano-


grafen und Biogeochemikern sollen sich


wie Mosaiksteine zu einem großen Bild


zusammenfügen.


Schiff und Scholle werden in dieser

Zeit durch die Zentralarktis wandern,


mit einer Geschwindigkeit von sieben


Kilometern am Tag. „Es ist nicht so, dass


das Schiff kontinuierlich in eine Richtung


treibt“, weiß Kapitän Schwarze von kür-


zeren Driftpassagen. „Es werden Bögen


geschlagen, das Schiff dreht auch Kreise.


Das zu beobachten wird interessant.“


An Bord wird für ihn die Arbeit normal

weitergehen. Eine Schiffsmaschine läuft


die ganze Zeit, um Strom und Wärme


zu generieren. Täglich gibt es Bespre-


chungen mit dem Expeditionsleiter, der


„Hotelbetrieb“ geht weiter. Um einen


Lagerkoller unwahrscheinlicher zu ma-
chen, gibt es einen Fitnessraum und ein
Schwimmbad drinnen in dem 118 Meter
langen Schiff. Die Stimmung aber macht
Expeditionsleiter Rex keine Sorgen: „Alle
wissen, dass es eine historische Expediti-
on ist. Das bringt Enthusiasmus an Bord.“
Anders als bei anderen Polarstern-Fahrten
haben sie hier einen Vorteil: Sie können
auf das Eis. Fußball und Punsch wird es
dort sicher auch mal geben.
Bücher, die nichts mit Wissenschaft zu
tun haben, wird auch der Atmosphären-
physiker mitnehmen, und vielleicht seine
Ski: „Aber ich werde wohl kaum Zeit dafür
haben, das kenne ich schon
von früheren Expeditio-
nen.“ Was er definitiv tun
wird: Täglich die arktische
Eislandschaft anschauen.
Sie fasziniert ihn jedes Mal
wieder. Denn egal ob Po-
larnacht oder nicht: „Man
sieht auch im Mondlicht
tolle Strukturen. Das Licht
ist jeden Tag anders. Das
sind ganz fantastische Stimmungen.“
Nach vier Monaten wird auch der Lei-
ter zum ersten Mal von Bord gehen – und
in den Awi-Büros in Potsdam weiter dabei
sein: Im Kontrollraum dort zeigen sechs
Monitore Live-Bilder vom Schiff. 300
Menschen werden im Hintergrund ar-
beiten, damit die Expedition gelingt. Mit
ersten Ergebnissen rechnet Rex schon
während der Expedition: „Wir werden
mit unseren Messungen neue Dinge ler-
nen und sofort diskutieren. Das wird eine
spannende Zeit.“ Darauf wird nicht nur
die Wissenschaft schauen, sondern auch
die Politik. Bundesforschungsministerin
Anja Karliczek sagte lange vor Start der
Expedition: „Die Erkenntnisse, die aus
der Mosaic-Expedition resultieren, wer-
den unser Wissen über die Arktis auf ein
neues Niveau heben.“
Im September 2020 soll die Polarstern
nördlich von Spitzbergen wieder offe-
nes Wasser erreichen. Doch daran denkt
an diesem Tag in Bremerhaven noch
niemand. Egal mit wem man auf der Po-
larstern spricht – alle sagen: „Wir sind froh,
wenn es endlich losgeht.“

Das Licht über


der Eisland-


schaft ist jeden


Tag anders.


Auch in einer


Polarnacht.


die Eisbärwache, -n
, hier: Person, die das
Camp vor Eisbären schüt-
zen soll

(der Eisbär, -en
, großes, weißes,
gefährliches Tier, das in der
Arktis lebt)

Resp¡kt haben vor ...
, wissen, dass ... gefährlich
ist

gesp„nnt sein
, ≈ sehr neugierig sein

die Erf¶rschung, -en
, von: erforschen = hier:
etwas so untersuchen, dass
man mehr darüber weiß

der R“ss, -e
, lange, dünne, kaputte
Stelle

der W„sserdampf
, hier: ≈ Wasser in Form
von Nebel

beitragen zu ...
, hier: machen, dass es
... gibt

das Ges„mtsystem, -e
, hier: ≈ Klima

die Eisdecke, -n
, ≈ Masse von Eis

s“ch zus„mmenfügen zu ...
, zusammen ... sein

die Geschw“ndigkeit, -en
, hier: Schnelligkeit, wie
viel km pro Tag etwas fährt

kontinuierlich
, ≈ dauernd

treiben
, hier: bewegt werden

Bögen schlagen
, ≈ Kurven machen

drehen
, hier: machen

beobachten
, genau ansehen

die Bespr¡chung, -en
, von: besprechen = mit
anderen über ein Thema
sprechen, oft um etwas zu
entscheiden

der Hot¡lbetrieb
, hier: Alltag im
Expeditionsschiff, auf dem
Menschen wohnen

der Lagerkoller, -
, m Krise, weil man (zu
lange) zusammen ist und
jeder wenig Platz hat

der P¢nsch, -e/¿e
, warmer Saft mit Rum
und Gewürzen

zu tun haben m“t
, hier: zum Thema haben

wohl kaum
, wahrscheinlich nicht

faszinieren
, hier: ≈ interessieren

v¶n Bord gehen
, hier: vom Schiff
weggehen

“m H“ntergrund
, parallel, außerhalb des
Schiffes

... auf ein neues Niveau
heben
, hier: so viel für ... tun,
dass es eine neue Qualität
erreicht

Eine Übung zu diesem Text finden Sie auf Seite 54.
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