Deutsch Perfekt - 11.2019

(Marcin) #1

Deutsch perfekt 11 / 2019 WIE DEUTSCHLAND FUNKTIONIERT 33


Für binationale
Paare ist eine
frühe juristische
Beratung in der
Krise besonders
wichtig.

dem Dokument offiziell zustimmen. Ei­


nen Anwalt brauchen die Eheleute aber


immer. Denn auch das ist eine Regel: Nur


ein Anwalt darf den Antrag bei einem Fa­


miliengericht einreichen.


Wenn es so etwas wie eine ideale

Scheidung gibt, dann sieht sie so aus: Bei­


de Partner wollen die Trennung wirklich.


Und sie streiten nicht über die Details. In


so einem Fall reicht es, wenn nur einer der


Partner einen Anwalt nimmt. So können


beide viel Geld sparen – oft mehrere Tau­


send Euro.


Aber auch mit nur einem Anwalt kann

eine Scheidung teuer werden. Die Kosten


orientieren sich vor allem am Einkom­


men und am Vermögen der Ehepartner.


Die Verbraucherorganisation Stiftung


Warentest illustriert das mit einem Bei­


spiel: Wenn der Ehemann 3000 Euro und


die Ehefrau 2000 Euro netto


im Monat verdienen, kostet


die Scheidung inklusive Ge­


richtskosten rund 4500 Euro.


Wenn nur ein Partner einen


Anwalt nimmt, sind es circa


2500 Euro. In speziellen Fällen


bezahlt der Staat die Kosten


für Anwalt und Gericht. Dazu


muss man aber beweisen, dass man für


die Scheidung selbst nicht genug Geld


und Einkommen hat.


Wenn die Ehepartner nicht streiten,

wird ihre Scheidung nicht nur günstiger.


Sie geht dann auch schneller. Ab dem An­


trag bei einem Familiengericht kann der


Prozess zwischen sechs und zwölf Mo­


nate dauern. Wenn daraus aber ein juris­


tischer Streit wird, sieht es anders aus.


Nur ist das mit Konsens und Harmonie

bei einer Trennung nicht so einfach. Da­


rüber kann Sybill Offergeld viel erzählen.


In der Kanzlei Rose & Partner in Berlin


arbeitet Offergeld als Anwältin für Fa­


milien ­ und Erbrecht und ist außerdem


Mediatorin. Sie sagt: „Am meisten Streit


gibt es um die Kinder, den Unterhalt und


das Vermögen.“


Beim Geld gilt nach dem Gesetz die

Regel: Es gibt einen Vergleich des Vermö­


gens der Partner am Anfang und am Ende


der Ehe. Wenn es am Ende mehr gewor­


den ist, bekommt der andere die Hälfte


der Differenz. Auch bei Aspekten wie der
Altersvorsorge regelt das Gesetz die Kom­
pensation zwischen den Partnern.
Das deutsche Recht gilt auch für bina­
tionale Ehepaare, wenn sie in Deutsch­
land leben und sich dort scheiden lassen.
Aber es gibt ein paar Ausnahmen und
individuelle Regelungen. Binationale
Ehepaare sollten sich deshalb so früh wie
möglich zu der Scheidung juristisch be­
raten lassen.
Paare können bei ihrer Heirat auch
eigene individuelle Regeln vereinbaren.
Dafür brauchen sie einen Ehevertrag. „In
manchen Situationen und für manche
Menschen ist das sinnvoll“, sagt die An­
wältin Offergeld. „Das Gesetz passt nicht
immer für jeden.“ Mit dem Dokument
als Basis kann eine Scheidung leichter
werden. Aber natürlich sollte man Infor­
mationen sammeln und sich
darüber beraten lassen, ob ein
Ehevertrag das Richtige ist.
Bevor sich ein Ex­Paar um
Kinder, Haus und Hund vor
Gericht streitet, gibt es noch
eine andere Option: die Me­
diation. „Das empfehle ich
auf jeden Fall“, sagt Offergeld.
„Man muss aber trotzdem realistisch
sein: Wenn die Eskalation des Konflikts
schon sehr groß ist, funktioniert dieser
Weg auch nicht immer.“
In einer Mediation versuchen die zwei
Parteien, ihre Konflikte bei der Scheidung
mit der Hilfe eines Mediators zu lösen.
Das ist eine neutrale Person mit einer
speziellen Ausbildung. Offergeld erzählt:
„Als Mediatorin frage ich viel, darf aber
keine eigenen Vorschläge machen. Ich
helfe den Ex­Partnern, ihre Interessen zu
formulieren. Meine Aufgabe hat definitiv
auch eine psychologisch­therapeutische
Komponente.“
Alle diese Aspekte zeigen, wie komplex
eine Scheidung ist. Und trotzdem gibt es
zum Schluss eine gute Nachricht. Denn
auch wenn das Ende einer Ehe wehtut,
verlieren viele geschiedenen Frauen und
Männer in Deutschland nicht die Hoff­
nung. Mehr als 50 Prozent von ihnen
sagen: Sie können sich eine neue Heirat
vorstellen. Eva Pfeiffer

zustimmen
, a sagen zuJ

der [nwalt, ¿e
, Person: Sie bietet Bera-
tung und Hilfe an, z. B. bei
Problemen mit der Polizei
oder bei einem Streit.

die Regel, -n
, ≈ Norm: Sie sagt, was
verboten und was erlaubt
ist.

das Familiengericht, -e
, hier: offizielle Instituti-
on: Dort findet der Prozess
zu einer Scheidung statt.

einreichen
, zu einer offiziellen Stelle
bringen (z. B. ins Rathaus)

“n so einem F„ll
, in dieser Situation

reichen
, hier: genug sein

das Einkommen, -
, Geld: Man bekommt es
z. B. für seine Arbeit, aus
dem Profit von seiner Firma
oder als Miete für sein Haus
oder seine Wohnung.

das Vermögen, -
, Das hat man: Geld,
Häuser, Autos ...

der Verbraucher, -
, Person: Sie kauft und
benutzt Waren.

(die Ware, -n
, hier: Sache: Man kann
sie kaufen.)

der Staat, -en
, Land; Nation; hier:
Regierung

beweisen
, hier: ≈ zeigen, dass
etwas wahr ist

die Kanzlei, -en
, hier: Büro von einem
Anwalt

das ]rbrecht
, Normen: Sie regeln: Wer
bekommt was und wie
viel nach dem Tod einer
Person?

(regeln
, hier: durch juristische
Regeln vereinbaren)

¢m
, hier: über

der }nterhalt
, hier: ≈ Geld für den
früheren Partner und/oder
die Kinder

nach dem Ges¡tz g¡lten
, juristische Norm sein

die Hælfte, -n
, 50 Prozent

die Differ¡nz, -en
, hier: Unterschied

die [ltersvorsorge
, Geld: Man plant es
für die Jahre nach dem
Arbeitsleben.

s¶llten
, hier: es wäre gut, wenn

s“nnvoll
, so, dass es hilft und ein
positives Resultat hat

die Partei, -en
, hier: Seite in einem
Streit

die Nachricht, -en
, hier: Information

s“ch vorstellen kœnnen
, möglich finden
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