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38 DEUTSCH HEUTE
zus„mmensetzen
, hier: aus einzelnen
Komponenten ein Ganzes
bauen
der Mietnomade, -n
, Person, die eine Woh-
nung oder ein Haus mietet,
aber nie die Miete zahlt,
und nicht freiwillig wieder
auszieht
die Substantivierung, -en
, von: substantivieren
= ein Substantiv machen
(z. B. aus einem Verb)
integrationsfreudig
, hier: so, dass die
Sprache leicht neue Wörter
akzeptiert
geh¶rchen
, hier: sich orientieren an
die W“ssenschaftsspra-
che, -n
, (Fach-)Sprache, in der
systematisch für mehr
Wissen gearbeitet wird und
Texte geschrieben werden
hierzulande
, in diesem Land; hier: in
Deutschland
die Hochschule, -n
, ≈ Universität; Fachhoch-
schule
(die F„chhochschule, -n
, ≈ spezielle Universität
für eine Ausbildung z. B. im
technischen Sektor)
die Naturwissenschaft,
-en
, z. B. Biologie, Chemie,
Physik
die Lehre
, hier: ≈ Unterricht (an
der Universität)
die F¶rschung, -en
, systematisches Arbeiten
für mehr Wissen
der Gegenstandsbereich,
-e
, hier: Teil des Wissens zu
einem speziellen Thema
die sprachliche Weiterent-
wicklung
, Evolution von Sprache
... entzogen w¡rden
, hier: die Möglichkeit
verlieren, bei ... mitzuma-
chen
g¡lten
, hier: richtig sein; die
Norm sein
der Ausdruck, ¿e
, hier: ≈ Wort, Begriff oder
Abkürzung
(die [bkürzung, -en
, wenige Buchstaben, die
an der Stelle eines Wortes
stehen, z. B. usw. = und so
weiter)
ASAP
, as soon as possible ≈ so
bald wie möglich
der N¢tzer, - , ≈ Benutzer
verk•rzen
, kürzer machen
die Kommunikations-
form, -en , ≈ Weg der
Kommunikation
das T¡mpo h„lten , hier:
≈ gleich schnell bleiben
Die Suche nach
neuen Wörtern
die Duden-Redaktion
, ≈ Team aller Experten,
Autoren und Korrektoren
des Duden
(der Duden
, Wörterbuch der deut-
schen Sprache)
„bschließend , hier: mit
einem sicheren Ergebnis
s“ch d¢rchsetzen , hier:
als normal/standardsprach-
lich akzeptiert werden
der Sprachgebrauch
, ≈ Sprachbenutzung
die Datenbank, -en
, System zur elektroni-
schen Administration von
Daten
enth„lten
, zum Inhalt haben
die W¶rtform, -en
, ≈ Variante eines Wortes,
z. B. Mannes als Wortform
von Mann
s“ch zus„mmensetzen aus
, ≈ gemacht sein aus
die Reparaturanleitung,
-en , Text, der sagt wie
z. B. ein Gerät repariert
werden soll
die Häufigkeit
, von: häufig = oft
die Streuung, -en
, hier: Zustand, dass es
ein Wort in verschiedenen
Textsorten gibt
die Qu¡lle, -n
, hier: ≈ Text; Medium
sprachlichen Weiterentwicklung entzo-
gen.“
Und diese Weiterentwicklung ist mehr
als interessant. Dazu muss man nur die
modernen Technologien anschauen. Bei
Messengern, im Chat oder auch in den in-
zwischen schon etwas älteren Textnach-
richten gelten ganz andere Regeln als die,
die das Standarddeutsche braucht. Denn
in diesen Medien wird die früher sehr
restriktive Grenze von schriftlicher und
mündlicher Sprache ignoriert. Obwohl
schriftlich realisiert, erinnert die Position
der Satzteile an die gesprochene Sprache.
Eine korrekte Orthografie ist nicht so
wichtig. Aber ohne ein bisschen Wissen
über im Internet typische Ausdrücke und
Emoticons wird diese Art der Kommu-
nikation schwierig. Denn sie ist schnell.
Wer erst mit dem Browser suchen muss,
was ASAP bedeutet, hat verloren.
„Nutzer von WhatsApp verkürzen
sehr stark, um das hohe Tempo dieser
Kommunikationsform zu halten“, erklärt
Kaehlbrandt. „Das und die Imitation der
Deutsch perfekt 11 / 2019
Die Suche nach neuen Wörtern
Wie produktiv Menschen sein können, erfährt auch die Duden-Redaktion in
Berlin ziemlich oft. Sie bietet nämlich auch eine telefonische Sprachberatung
an, bei der jeder anrufen kann. „Heißt es pivotieren oder pivotisieren?“, war
da eine Frage aus dem Controlling einer Firma. „Wovon reden Sie?“, wollte
die Duden-Redaktion wissen. Erst nach einigen Erklärungen war klar: In dem
bekannten Tabellenkalkulationsprogramm Excel gibt es sogenannte Pivot-
Tabellen. Mit dieser Technik arbeitet das Controlling gern. Deshalb haben die
Zahlenspezialisten das passende Verb zu Pivot-Tabellen gesucht. „Welche
Variante richtig ist, konnten wir abschließend nicht beantworten“, erzählt die
Leiterin der Duden-Redaktion, Andrea Kunkel-Razum. „Es gibt eine leichte
Tendenz zu pivotieren. Aber interessant ist die Frage: Setzt sich dieses
Verb im Sprachgebrauch auch durch?“ Das muss es, wenn es in den Duden
kommen will. Ein Zeichen dafür ist, wenn die Duden-Sprachberatung diese
Anfrage häufiger bekommt. Dann wird dies in einer Datenbank gespeichert.
Die wichtigste Methode aber ist die Analyse elektronischer Texte mithilfe
von Computerprogrammen. Textbasis ist der Dudenkorpus, eine gigantische
Textsammlung: Sie enthält fünf Milliarden Wortformen und setzt sich zum
Beispiel aus Zeitungsartikeln, Romanen, Reden und Reparaturanleitungen
zusammen. Finden die Algorithmen unbekannte Wörter in einer speziellen
Häufigkeit und Streuung, werden diese zu Kandidaten für die verschiedenen
Wörterbücher. Die Redaktion sucht außerdem auch selbst in anderen Quellen
nach Wörtern, die noch wenig bekannt sind.
Lego-Sprache ist“, erklärt Kaehlbrandt:
„Sie können ohne Probleme zwei Be-
griffe zusammensetzen und haben dann
einen neuen, der für alle zu verstehen ist.
Denken Sie zum Beispiel an das Wort
Mietnomade.“ Auch die Substantivierung
von Verben und Adjektiven hilft seiner
Meinung nach sehr bei der Kreation
neuer Wörter. „Außerdem ist Deutsch
sehr integrationsfreudig. Importe, zum
Beispiel aus dem Englischen, gehorchen
den Regeln der deutschen Grammatik.“
Ein bekanntes Beispiel ist hier das Verb
downloaden.
Anglizismen im Deutschen sind für
den 59-Jährigen Experten also kein Pro-
blem. Kaehlbrandt hat aber eins mit
der englischen Sprache an deutschen
Universitäten. „Deutsch ist eine große
Kultursprache und war immer auch Wis-
senschaftssprache. Wenn hierzulande
an manchen Hochschulen in den Natur-
wissenschaften Lehre und Forschung
komplett auf Englisch stattfinden, wird
ein ganzer Gegenstandsbereich der