Focus - 06.09.2019

(singke) #1

LEBEN GENUSS


112 FOCUS 37/2019


und seit April auch Mitglied im VDP, dem
Verband Deutscher Prädikats- und Qua-
litätsweingüter. Das Gebiet habe mehr
Sonnenstunden als manches südlicher
gelegene. „Seit zehn Jahren haben wir
ausschließlich reife Jahrgänge gelesen,
das muss hier früher anders gewesen
sein“, berichtet Hey. Das Urteil mancher
Gäste, die von der „Cool Climate“-Regi-
on sprechen, hält er deshalb – um im Bild
zu bleiben – für „Schnee von gestern“.
Er persönlich habe sich von dem Marke-
ting-Argument verabschiedet.


Aromen und Alkohol im Wechselspiel


Der Jahrhundertsommer 2018 hat Hey und
seinen Kollegen Weine beschert, die vom
Alkoholgehalt so gar nicht in die einstige
Stilistik der Region passen: Kracher, die
mit über 100 Grad Öchsle gelesen wurden,
Weißweine mit bis zu 16 Volumenprozent
Alkohol. Dank einer hohen aromatischen
Dichte sei „der Alkohol sensorisch, aber
nicht unangenehm präsent“, sagt Hey.
Ein Vorteil des Jahrgangs: Selbst einfache
Gutsweine hätten einen Charakter, den
man sonst erst bei Ort- oder Lagenweinen


finde. 2018 biete „sehr gute Weine auch
zu kleinen Preisen“.
Die Gutsweine kosten bei den Breiten-
grad-51-Winzern zwischen sieben und
neun Euro. Die Top-Weine, die von Win-
zern und Sommeliers gemeinsam erkoren
werden und den Namenszusatz tragen
dürfen, spielen preislich allerdings in der
Oberliga. Eine Flasche des „2017 Blauer
Zweigelt Kaatschener Dachsberg Brei-
tengrad 51“ vom Winzerhof Gussek in
Naumburg etwa kostet 33 Euro. André
Gussek beschreibt die Arbeit und Sorg-
falt, die in seinem Produkt stecken. Der
Blaue Zweigelt sei ein Massenträger. Mit
„permanentem Herzbluten“ schneide er
viele schöne Trauben weg, damit der
Rebstock alle Kraft in die verbleibenden
stecke. Das entspricht der Philosophie
von Breitengrad 51: geringer Ertrag statt
Massenware, genau definierte Herkunft.
Gusseks rotes Flaggschiff ist vorschrifts-
mäßig 18 Monate im frischen Eichen-
fass gereift und im Mai in 600 Flaschen
abgefüllt worden. Der Jahrgang zuvor,
sagt Gussek stolz, war zu Weihnachten
ausverkauft.

Riesling vom kargen Sandstein
„Die Spitze ist immer sehr klein“, sagt
Jochen Born. Ganze 500 Flaschen (zu
22,50 Euro) hat er von seinem „2017 Höhn-
stedter Kreisberg Breitengrad 51“ abge-
füllt. Die Reben stehen auf kargen Bunt-
sandstein-Terrassen in Steillage und
müssen sich anstrengen, an Wasser und
Nährstoffe zu kommen. Gedüngt werden
sie mit Mist von den eigenen Pferden.
Der Winzer hebt die „schöne Eigenschaft
von Sandstein“ hervor: Die Säure werde
„nicht so stark empfunden“, der Ries-
ling habe auch durch den langsamen
Ausbau „einen sehr leichten Trunk, aber
genug Kraft“.
Einen großen Qualitätssprung attes-
tiert Hendrik Canis, Sommelier im Hotel
„Elephant“ in Weimar, den Winzern von
Breitengrad 51. Deren Weine schafften es
bei Blindverkostungen meist an die Spit-
ze. „Ich bin ein Fan der Idee hinter der
Vereinigung, sich gegenseitig das Siegel
‚Breitengrad 51‘ zu- oder auch abzuer-
kennen“, sagt Canis. Damit würden die
Winzer, neben den genannten auch das
Thüringer Weingut Zahn in Großherigen,
das Weingut Wolfram Proppe in Laasdorf
und das Weingut Frölich-Hake in Naum-
burg-Roßbach, zur qualitativen Entwick-
lung der Weinbauregion entscheidend
beitragen. n

„Als Winzer hat man permanentes Herzbluten, wenn


man die schönen Trauben wegschneidet“ ANDRÉ GUSSEK


Kulturlandschaft
Der Weinbau prägt die Landschaft
an Saale und Unstrut

Seit fünf Generationen betreiben die
Borns Weinbau. Aktuell bewirtschaftet
Born zehn Hektar und stellt gerade auf
ökologischen Weinbau um. Für 2019 be-
fürchtet er größere Probleme als 2018.
Es fehlte Feuchtigkeit im Winter, um den
Wasserhaushalt zu stabilisieren

André Gussek,
Winzerhof Gussek in
Naumburg (Saale)

Jochen Born,
Weingut Born in
Salzatal-Höhnstedt

Gussek, Mitbegründer von Breiten-
grad 51, sagt: „Wir sind nicht nur Winzer,
die sich in den Steillagen den Buckel
krumm machen, sondern auch Erhalter der
Kulturlandschaft.“ Zwei Söhne sind am
Hof aktiv, einer als Winzer, einer als Koch Gemeinsam für deine Region

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LOKAL ENGAGIERT


Auf die Verbundenheit mit ihrer Region legen die REWE Kaufl eute viel Wert.
So wie Michael Batz, zu dessen Sortiment lokal produziertes Softeis gehört

M


anche Lebensmittel begleiten
einen seit Kindertagen und
man verbindet sie bis heu-
te ausschließlich mit allem,
was Spaß macht. Eis-
creme zum Beispiel.
Eine Kugel Eis ist ein
Dessert, ein Snack,
eine köstliche Beloh-
nung. Eine besondere
Verbindung zu der er-
frischenden Nascherei
hat auch Georg Ort.
Seit Ende der 70er-
Jahre stellt er zusammen mit seiner Frau – die
er im Eiscafé ihrer Eltern kennengelernt hat


  • in einer eigenen Manufaktur Softeis her.
    Alle Sorten bestehen aus natürlichen Inhalts-
    stoff en und frischen Früchten. Seit fast fünf
    Jahren ist das Eis der Orts Teil des regiona-


len Sortiments verschiedener REWE Märkte
in und um Potsdam. Auch der Markt von
REWE Kaufmann Michael Batz verkauft
das Softeis. Geliefert werden die Klein- und
Familienpackungen
vom Chef persönlich.
Batz weiß, dass er sich
zu 100 Prozent auf die
kleine Eismanufaktur
verlassen kann: „Die
Zusammenarbeit macht
viel Freude und ich bin
beeindruckt, wie schnell
und unkompliziert
Georg Ort auf Anfragen reagiert – beispiels-
weise wenn die Temperaturen steigen und
wir spontan Eis-Nachschub benötigen. Ein
Dreipersonenunternehmen, trotzdem macht
er spontane Eislieferungen immer möglich.“
http://www.rewe.de/regional

Speiseeis schleckt jeder Deutsche
im Schnitt pro Jahr – mit 12,5 Kilo
Eis pro Kopf naschen sich die
Estländer europaweit auf Platz eins

5,4 Kilo


Regionalität bei REWE


„Gemeinsam für deine Region“ – da-
rum dreht sich die REWE Regionalitäts-
kampagne. Lokalität steht dabei ganz
oben, ein gutes Verhältnis zu den Er-
zeugern ebenso. Die Zusammen-
arbeit von REWE Kaufl euten und
Marktmanagern sowie lokalen Er-
zeugern ermöglicht ein Sortiment mit
regionalen Produkten. So wird die
lokale Wirtschaft unterstützt und der
Charakter der Regionen gestärkt.

Speiseeis kommt nicht aus
Italien, sondern soll seinen Ur-
sprung im antiken China haben.
Softeis ist eine weiche
Variante von Speiseeis. 1934
entstand es angeblich aus der
Not eines amerikanischen Eis-
verkäufers heraus. Nach einer
Panne seines Lieferwagens
verkaufte er zwei Tage lang die
schmelzende Ladung.
Softeis unterscheidet sich
von Speiseeis durch die Art der
Herstellung: Eine fl üssige Eis-
mischung wird abgekühlt und
permanent umgerührt – und
dadurch sehr cremig.

Das Softeis von Georg Ort ist in Potsdam
bekannt und in über 40 REWE Märkten erhält-
lich. Bei besonderen Veranstaltungen im REWE
Markt des Kaufmannes Michael Batz ist er
gerne mit seinem mobilen Eiswagen zur Stelle.

Fakten


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