Beobachter - 30.08.2019

(Jeff_L) #1

W


er bei dieser Frau eine
Chance haben will,
muss ihren Computer
überzeugen. Esther-
Mirjam de Boer sucht
im Auftrag von Kunden
Kaderleute. Bei der Auswahl setzt die Zürche-
rin seit Anfang Jahr auf eine Software.
Precire analysiert Bewerbungsschreiben
und Videointerviews Wort für Wort – nicht
bloss, was jemand sagt, sondern wie: Rund
500 000 Merkmale erkennt das Programm
gemäss den deutschen Herstellern in einer
Sprachprobe von 15 Minuten. Welche Wörter
man verwendet, wie schnell man spricht,

in welcher Tonlage. Merkmale, die mit
Sprachmustern verglichen werden, die auf
charakterliche Eigenschaften hinweisen
sollen. Das Programm bewertet 29 Per-
sönlichkeitskategorien: wie «professionell»
jemand ist, wie «zuverlässig», wie «empa-
thisch», wie «kompetitiv».
«Die Software erkennt die Persönlichkeit
schneller und treffender, als ein Mensch es
kann», sagt de Boer. Sie überlasse zwar nie
der Maschine den Entscheid, wen sie zur
Anstellung empfiehlt. «Die Software ist aber
eine Beraterin, deren Fähigkeiten ich nutze.»
Intelligente Programme, die bei der Per-
sonalauswahl mitentscheiden, sind nur ein

TEXT: RAPHAEL BRUNNER UND PETER JOHANNES MEIER | ILLUSTRATIONEN: ANNE SEEGER UND ANDREA KLAIBER

Software ist schneller als wir und löst Probleme besser:
Warum künstliche Intelligenz trotzdem zur Bedrohung wird.

Unheimliche


Intelligenz


DATEN


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