«Die Unispitäler haben unsere Einwände
ignoriert», kritisiert Franziska Sprecher, Direk
torin des Berner Zentrums für Gesundheits
recht und Management im Gesundheits
wesen. Sie war für die Patientenorganisation
in der Begleitgruppe für den Generalkonsent.
«Die Spitäler arbeiten jetzt dennoch mit dem
Dokument, das jeglichen Einfluss der Patien
ten auf die Datenverwendung beschneidet.»
Tatsächlich kann man beim Generalkonsent
nur alles freigeben oder alles blockieren.
Eine dynamische Einwilligung wäre für
Sprecher die bessere Lösung. «Der Patient
muss die Kontrolle über seine Vollmacht be
halten und Daten für bestimmte Forschungs
zwecke freigeben oder verweigern können.
Es wird ständig vom selbstbestimmten Patien
ten geredet. Was wir jetzt haben, ist genau das
Gegenteil.» Sprecher hofft, dass der General
konsent überarbeitet wird.
Ob Patienten wirklich in der Lage sind, sol
che Entscheide zu treffen, ist umstritten. Die
Zürcher Medizinethikerin Effy Vayena (siehe
Interview Seite 20) hat Bedenken: «Wir sind
schon ausserhalb der Medizin überfordert, die
Verwendung unserer Daten zu überschauen
und zu steuern. Wie sollen wir zusätzlich Sinn
und Seriosität jedes wissenschaftlichen Pro
jekts selber beurteilen, bevor wir Daten frei
geben?» Dafür seien staatliche Fachgremien
besser ausgerüstet. Sie müssten aber erst be
weisen, dass sie ihre Entscheide mit Bedacht
und im Interesse der Menschen fällen.
Es geht nicht nur darum, ob ein Forschungs
projekt Erkenntniswert hat und ethisch ver
tretbar ist. Es muss auch entschieden werden,
welche privaten Firmen unter welchen Bedin
gungen Zugang zu den Daten erhalten.
«Fatale Folgen.» Für die Gesundheitsjuristin
Franziska Sprecher ist zu viel nicht klar
geregelt. «Wir sollten uns nicht der Illusion
hingeben, die Daten liessen keine Rück
schlüsse auf einzelne Patienten zu, nur weil
die Absender anonymisiert sind. Je mehr
Daten über eine Person existieren, desto
einfacher ist sie identifizierbar. Wenn solche
Informationen in falsche Hände geraten, kann
das fatale Folgen für die Betroffenen haben.»
Immerhin steigt durch die Vereinbarung
der Druck auf die Spitäler, ihre zum Teil
desolate Datenerfassung und verwaltung zu
überdenken und zu vereinheitlichen. Selbst
bezogene Spitäler und ein ausgeprägter Kan
tönligeist sind mitverantwortlich dafür, dass
die Schweiz bei der Digitalisierung im Gesund
heitswesen Jahre zurückliegt im Vergleich
zu anderen europäischen Ländern.
Derweil bieten immer mehr Firmen ihre
Untersuchungsalgorithmen direkt den Patien
tinnen und Patienten an. In Form von Apps
zum Beispiel, die bei der Früherkennung von
Hautkrebs helfen. Schon wird darüber speku
liert, ob ärztliches Fachwissen für Diagnosen
Künstliche
Intelligenz:
Wie weit
sind wir?
Was heute künstliche Intel
ligenz (KI) genannt wird,
ist von menschlicher Intelli
genz meilenweit entfernt.
Meist handelt es sich um
sogenanntes Machine
Lear ning: Eine Software
erkennt Muster aus Daten,
die Menschen kaum oder
nicht so schnell erkennen
würden. Je mehr Daten der
Computer verarbeitet,
umso genauer erkennt er
die Muster. Er lernt quasi
dazu. Aus den Mustern
kann er Schlüsse ziehen
oder Pro gnosen für ähnli
che Daten erstellen. Das
wird schwache KI genannt.
Eine starke KI dagegen
müsste mit dem Menschen
vergleichbare intellektuelle
Fertigkeiten aufbringen und
wie ein Mensch reagieren.
Das ist Zukunftsmusik.
Mehr Selbständigkeit sollen
Computer über neuronale
Netzwerke erlangen.
Sie imitieren das Gehirn:
Neuronen nehmen Informa
tionen von aussen oder von
anderen Neuronen auf und
leiten sie an andere weiter.
Das Netzwerk wird mit
Daten trainiert. Dabei
verändern sich die Gewich
tungen der Verbindungen,
abhängig von den Lern
regeln und Ergebnissen.
Manche Forscher erhoffen
sich einen Schritt in Rich
tung menschlicher Intelli
genz, indem Computer
mit viel mehr Sensoren
ver bunden werden, so viel
inten siver mit ihrer Umwelt
interagieren können und
eine Art von Körperlichkeit
erlangen. Das Zusammen
spiel von menschlichem
Hirn und Körper wird
gewissermassen imitiert.
PETER JOHANNES MEIER
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