Beobachter - 30.08.2019

(Jeff_L) #1

ExportExport








 
































 







 



















 



 





Allig toren
USA


Krokodile
SüdafrikaSimbabwe
AustralienThailand

Pythons
VietnamThailand
MalaysiaIndonesien

Wrne
MalaysiaSudan
IndonesienMali

Import


Exoten für Uhren und Schuhe
Die Schweiz als Drehscheibe: So viele Lederprodukte pro Tierart wurden 2017
von Schweizer Firmen importiert und exportiert.

HandtaschenganzeHäute

Schuhe

Uhrenarmbänder

Gürtel

Stückzahlen unter 300 wurden nicht
berücksichtigt. Die Herkunftsländer
sind nicht vollständig aufgeführt.

Die Uhrenbranche setzt auf Alliga­
torenleder, das aus Zuchtbetrieben in
den USA stammt. Die Swatch Group und
IWC Schaffhausen haben alle anderen
Reptilienleder verbannt. Als einzige der
angefragten Firmen antwortete Riche­
mont ­Tochter IWC ausführlich auf die
Fragen des Beobachters: Man habe
hohe Standards bei der Nach haltigkeit
und kontrolliere die Lieferkette sorg­
fältig. Zudem könnten die Kunden bei
Uhrenarmbändern meist zwischen
Leder, Stahl und Textilien wählen.

«Vergleichbar mit der Schweiz.» Tier­
schützer kritisieren auch die Zustände
auf den Alligatorenfarmen im Süden
der USA. Die Tiere werden dort auf
engem Raum und – damit sie friedlicher
sind – in völliger Dunkelheit gehalten.
Hierzulande ist das verboten. Ansons­
ten sei diese Haltung «vergleichbar mit
derjenigen von Intensivmast von Nutz­
tieren in der Schweiz», sagt der Experte
des Bundes, Mathias Lörtscher, der
solche Betriebe besucht hat. Dass es
seit Jahren Kritik an der Alligatoren­
haltung gibt, höre man «zum ersten Mal»,
heisst es bei Swatch. IWC Schaffhausen
schreibt dagegen, «dass viele Länder
nicht die gleich hohen Tierschutz­
standards haben wie die Schweiz».
Einzelne Firmen wie das Luxuslabel
Chanel verzichten inzwischen voll­
ständig auf Reptilienprodukte. Bei der
Schweizer Kundschaft sei Exotenleder
verpönt, heisst es aus der Modebran­
che. Der Schuhhersteller Navyboot hat
daher umgestellt und produziert seine
«Schlangenlederoptik» aus Rindsleder.
Andere Branchenvertreter scheinen
weniger sensibilisiert. Der Präsident
des Schweizerischen Uhrenverbands
wollte sich zu Reptilienleder nicht
äussern. Der Präsident des Verbands
des schweizerischen Leder­Gross­
handels war wiederholt nicht erreich­
bar. Die Genfer Luxusuhrenfirma Rolex,
die Krokodil­ und Schlangenarmbänder
anbietet, mag das Thema nicht kom­
mentieren. Der Modekonzern Bally
reagierte nicht auf eine Anfrage.
Kein Problem sieht Dieter Spiess,
Ehrenpräsident des Verbands Schuh
Schweiz: «Wir können in der Schweiz
ohne Gewissensskrupel Produkte aus
Reptilienleder verkaufen, denn es ist
nachhaltig, legal und reguliert.» Die
Reptilien kämen aus kontrollierten
Farmen. Von Wildtierfängen und Qual­
methoden will er nichts wissen.

TEXT: DANIEL BÜTLER
INFOGRAFIK: ANNE SEEGER UND ANDREA KLAIBER

«Leder wird unter tierquälerischen
Bedingungen gewonnen und mit
dem Swissness-Label reingewaschen.»
Martina Munz, SP-Nationalrätin
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