ZEITUNG FÜR DEUTSCHLAND
Samstag, 31. August 2019·Nr. 202/35 R1 HERAUSGEGEBEN VON GERALD BRAUNBERGER, WERNER D’INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER 3,10€ D 2955 A F. A. Z. im Internet:faz.net
Frankfurter Stadträte streiten sich
aufoffener Bühne, und ein Frak-
tionschef stellt die Koalition in
Frage.Rhein-Main-Zeitung, Seite 37
Wladimir Putin glaubt, die Zu-
kunft klarer zu sehen als der Wes-
ten, und erklärt den Liberalismus
für überholt.Feuilleton, Seite 11
Einige Monate der Zufriedenheit
waren dem Selbstzweifler hier
vergönnt: Ein Besuch in dem Dorf
Zürau.Feuilleton, Seite 18
Deutschland geht als Außenseiter
in die Basketball-WM, dabei
besteht das Team aus vielen
großen Talenten.Sport, Seite 36
In Bayern beschleunigt eine „Task
Force“ die Abschiebung von straf-
fälligen Asylbewerbern – mit klei-
nen Stellschrauben.Politik, Seite 4
Der Staat soll mehr investieren,
heißt es jetzt oft. So könnte es
kommen – aber nicht wegen der
Weltkonjunktur.Wirtschaft, Seite 20
Zwist in der Römerkoalition
Gelingt die Vollendung der Einheit?
W
enn die Abgeordneten des Unter-
hauses am Dienstag die Parla-
mentsarbeit wiederaufnehmen, bleibt
denen, die über Parteigrenzen hinweg
einen Austritt des Vereinigten König-
reichs aus der EU ohne Abkommen ver-
hindern wollen, vermutlich nur wenig
Zeit. Denn schon am 9. September soll
eine rund fünf Wochen währende
Zwangspause beginnen, wie vom Pre-
mierminister gewollt und von der Köni-
gin auf dessen „Rat“ hin verfügt wur-
de. Das Zeitfenster schließt sich somit
rasch – sollte die Sitzungspause nicht
noch auf dem Rechtsweg gestoppt wer-
den. Ein schottisches Gericht lehnte
am Freitag eine einstweilige Verfügung
ab, setzte aber die Anhörung in der Sa-
che für Dienstag an. Sollten die Kläger
recht bekommen und würde das Vorge-
hen der Regierung Johnson als rechts-
widrig eingestuft, wäre das Brexit-Dra-
ma um eine weitere Facette reicher.
Aber auch so steht das Königreich vor
einer turbulenten Woche, wie es sie lan-
ge nicht gegeben hat und in der es um
Grundfragen britischer Politik geht.
Vielleicht war Premierminister John-
son von dem weithin empörten Echo
überrascht, welches das Beiseiteschie-
ben des Parlaments gefunden hat. Viel-
leicht hat er deswegen angekündigt,
seine Unterhändler würden das Tem-
po in den Gesprächen mit der EU über
ein von ihm gewolltes neues Abkom-
men erhöhen. Schließlich will John-
son am 31. Oktober das Land aus der
EU führen, koste es, was es wolle.
Aber aufrichtig und glaubwürdig wirkt
das nicht, genauso wenig wie seine Be-
gründung für die lange Sitzungsunter-
brechung. Noch immer hat London
nichts Brauchbares vorgelegt, was an
die Stelle der von den Brexiteers vehe-
ment abgelehnten Auffanglösung für
die irische Grenzfrage treten könnte.
Wenn es aber an Substanz fehlt, sind
zusätzliche Reisen nach Brüssel Zeit-
verschwendung – es sei denn, sie sind
nur für das Publikum gedacht. Denn
selbst wenn ein neuer Vertrag geschlos-
sen würde, dürfte die parlamentari-
sche Beratung nicht bis zum 31. Okto-
ber abgeschlossen sein: Johnson müss-
te eine Verlängerung der Austrittsfrist
beantragen. Angesichts seiner „Do or
die“-Rhetorik ist das kaum vorstellbar.
Man sollte nicht glauben, dass im
Falle eines Austritts ohne Abkommen
nach ein paar Wochen oder Monaten
das Schlimmste überstanden wäre. Die
Folgen für Politik, Wirtschaft und Ge-
sellschaft in Britannien wären noch
nach Jahren zu spüren; auch auf der iri-
schen Insel und in der EU der 27. Das
große Brexit-Abenteuer könnte noch
zum historischen Albtraum werden.
Landtagswahlen–Den einen oder die andere mag es mit
Freude erfüllen. Schon seit langem hat die Welt nicht mehr
mit so großem Interesse in den Osten Deutschlands ge-
schaut wie in diesen Tagen. Vor 30 Jahren geschah es voller
Bewunderung für die mutigen Demonstranten, die gegen
das DDR-Regime auf die Straße gingen. Diesmal überwiegt
die Sorge, wenn Sachsen und Brandenburger am Sonntag an
die Wahlurnen gehen. Seelenmassage hat es in jüngster Zeit
reichlich gegeben. Was sie gebracht hat, wird man an den
Ergebnissen der AfD ablesen können.
mwe.BERLIN, 30. August. Ein russischer
Geheimdienst könnte in den Mord an ei-
nem Georgier in Berlin verwickelt sein.
Nach einem Bericht des „Spiegels“ reiste
der mutmaßliche Täter aus Russland mit
gefälschter Identität ein. Seine Persona-
lien, Wadim Andrejewitsch Sokolow, 49
Jahre alt und wohnhaft in Irkutsk, ließen
sich im russischen Passregister nicht fin-
den. Die Nummer seines Reisepasses füh-
re zu einer Einheit im Moskauer Innenmi-
nisterium, die schon früher Dokumente
für den Militärgeheimdienst GRU ausge-
stellt habe. Vor einer Woche war der aus
Georgien stammende Tschetschene Selim-
chan Changoschwili durch zwei Kopfschüs-
se getötet worden. Laut Kreml hat der Fall
„nichts mit dem russischen Staat“ zu tun.
Wie rasch ist „rasch“?
Wo Kafka sein Glück fand
Das Deutschland-Problem
Anflug auf die Weltspitze
Russischer Geheimdienst
hinter Mord in Berlin?
lock./mwe. DRESDEN/POTSDAM, 30. Au-
gust. Bei den Landtagswahlen in Sachsen
und Brandenburg am Sonntag müssen
CDU und SPD mit erheblichen Verlusten
rechnen. Deutliche Gewinne dürfen AfD
und Grüne erwarten. Allerdings zeichnet
sich in den letzten Umfragen ein Amtsin-
haberbonus für die Parteien der Minister-
präsidenten ab – die sächsische CDU un-
ter Michael Kretschmer und die branden-
burgische SPD unter Dietmar Woidke. Bei-
de Parteien stellen seit 1990 den Minister-
präsidenten.
So kommt die CDU in Sachsen in einer
Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen
auf 32 Prozent und würde damit vor der
AfD (24,5 Prozent) liegen. Für Branden-
burg wurde ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwi-
schen SPD (22 Prozent) und AfD (21 Pro-
zent) prognostiziert. Sicher ist, dass die
Zweier-Koalitionen von CDU und SPD in
Dresden sowie SPD und Linken in Pots-
dam keine Mehrheit mehr haben werden,
sondern auf weitere Partner angewiesen
sind. Das könnten die Grünen sein, die in
der Umfrage in Brandenburg mit 14,5 Pro-
zent und in Sachsen mit elf Prozent gemes-
sen wurden. Auch eine Koalition von
SPD, Grünen und CDU (16,5 Prozent)
käme in Brandenburg in Frage.
Ministerpräsident Kretschmer appellier-
te an die Sachsen, „nicht denen das Land
zu überlassen, die nur mit dem Fuß stamp-
fen“. Es gehe darum, eine seriöse und sta-
bile Regierung zu bekommen, sagte er am
Donnerstagabend in Görlitz. Zugleich
warnte er angesichts der jüngsten Umfra-
gen, in denen die CDU wieder einen Vor-
sprung vor der AfD hat, vor Gewissheit.
„Es wird alles viel, viel enger.“ Kretsch-
mer warf der AfD vor, zuletzt „auf ganz
üble Weise“ mit Falschinformationen im
Internet gegen ihn mobilisiert zu haben.
In Brandenburg warben am Freitag die
früheren Ministerpräsidenten Manfred
Stolpe und Matthias Platzeck für die SPD.
Dort wurden weitere Verbindungen des
AfD-Spitzenkandidaten Andreas Kalbitz
in die rechtsextreme Szene bekannt. Im
Wahlkampf spielte auch der Ausstieg aus
der Braunkohle eine Rolle. Nach einem
Gerichtsentscheid muss der Tagebau im
brandenburgischen Jänschwalde am Sonn-
tag seinen Betrieb wegen einer fehlenden
Umweltverträglichkeitsprüfung vorerst
einstellen.(Siehe Seiten 2 und 3 sowie
Wirtschaft, Seite 24, Kommentar Seite 10.)
W
er junge Deutsche an einer
Straßenkreuzung in Frankreich
fragt, ob sie lieber einen Bunker
der Maginot-Linie besichtigen oder ei-
nen McDonald’s aufsuchen wollten,
braucht sich über die Antwort nicht zu
wundern. Der Zweite Weltkrieg ist für
die dritte und die vierte nach ihm gebo-
rene Generation fast schon so tief in
der Vergangenheit versunken wie der
Dreißigjährige Krieg. Das Europa, das
diese Generationen kennen, ist ein Pa-
radies des Friedens, der Freiheit und
des Wohlstands – verglichen jedenfalls
mit dem Europa ihrer Großväter und
Urgroßväter. Dass zwei europäische
Kulturnationen sich vor acht Jahrzehn-
ten mit mannsgroßen Granaten be-
schossen, wie sie im elsässischen Fort
de Schoenenbourg dreißig Meter unter
der Erde ausgestellt werden, ist für
deutsche und französische Jugendliche
eine ebenso groteske Vorstellung wie
der damalige Wahn, eine „Herrenras-
se“ brauche „Lebensraum“ im Osten.
Wer das als Geschichtsvergessen-
heit geißelt, läuft Risiko, sich diesem
Vorwurf selbst auszusetzen. Denn
dass Deutsche und Franzosen sich
nicht mehr argwöhnisch als „Erbfein-
de“ beäugen, ist nach dem 8. Mai 1945
nicht so unaufhaltsam vom Himmel ge-
fallen wie zuvor sechs Jahre lang die
Bomben. Jahrzehntelang haben Politi-
ker und einfache Bürger daran gearbei-
tet, Verhältnisse in Europa zu schaffen
und zu sichern, die unbekümmert ge-
nossen werden können. Den Frieden
zur Selbstverständlichkeit zu machen
war das überragende Ziel der europäi-
schen Einigung. Es ist, trotz aller Kri-
sen, erreicht worden.
Auch im Osten, wo die nationalso-
zialistische Vernichtungsmaschinerie
wütete wie nirgends sonst, gab es
schon im Kommunismus Aussöh-
nungsinitiativen, etwa den Brief der
polnischen Bischöfe vom November
- In der Breite konnte die Versöh-
nungsarbeit aber erst nach dem Fall
des Eisernen Vorhangs in Gang kom-
men. Diese Ungleichzeitigkeit macht
sich immer noch bemerkbar, was nicht
zuletzt die Reparationsforderungen
aus Warschau belegen.
Achtzig Jahre nachdem Hitler mit
dem Überfall auf Polen endgültig die
Pforten der Hölle geöffnet hatte, gibt
es also viele Gründe für Zufriedenheit
- aber auch Anlass zur Sorge. Denn
der Frieden ist kein Naturzustand,
auch in Europa nicht, selbst wenn die
einzigartig lange Periode, in der sich
die Bewohner dieses Kontinents nicht
an die Gurgel gingen, darüber hinweg-
täuschen mag. Darin aber liegt keine
geringe Gefahr.
Denn nicht nur teuflische Gestalten
wie Hitler und Stalin können ihre und
andere Länder in Krieg und Elend stür-
zen. Selbst gekrönten und miteinander
verwandten Schlafwandlern gelang
das schon. Voraussetzung dafür war in
beiden Fällen die mehr oder minder
ausgeprägte Bereitschaft der Völker,
ihren Führern und deren Vorstellun-
gen zu folgen, so haarsträubend sie aus
heutiger Sicht wirken mögen. Damals
aber galten sie als zeitgemäß, gar „mo-
dern“.
Und welches Gedankengut be-
herrscht unsere Zeit? Nicht mehr al-
lein die Vorstellung, dass die Nationen
miteinander mehr erreichen als gegen-
einander, im Handel wie in der Sicher-
heitspolitik. Nationaler Egoismus
(„America first“), Chauvinismus und
Revisionismus (Krim) sind wieder im
Angebot und werden rege nachgefragt.
Staaten sollen abermals „groß“ ge-
macht werden. Verachtung der Demo-
kratie geht einher mit der Verehrung
„starker“ Männer. Sie bekommen Ap-
plaus von ihren Anhängern, wenn sie
lügen und andere beleidigen, Personen
wie ganze Länder.
Diese Unkultur ist noch nicht auf
das Niveau der frühen dreißiger Jahre
gesunken. Doch wer sich fragt, wie die
damaligen, zunächst schleichenden Fa-
natisierungsprozesse in Gang kom-
men konnten, dem liefert die Verro-
hung und Entgrenzung des politischen
Diskurses in der Gegenwart durchaus
schon Anschauungsmaterial.
Reift der Hass lange genug, muss er
sich irgendwie entladen. Schon jetzt
ist die Wut kein knappes Gut mehr.
Doch skrupellose Politiker schüren sie
und ihre Schwester, die Angst, noch,
denn sie funktionieren bestens als Mo-
bilisierungs- und Bindemittel. Wahr-
scheinlich wird aus Höcke kein Hitler
2.0 mehr werden, obwohl auch der
Österreicher bescheiden anfing, als
Postkartenmaler. Doch tragen selbst
Randfiguren wie der Flügelmann der
AfD zur Vergiftung des gesellschaftli-
chen Klimas bei, von mächtigen Staats-
männern wie Trump ganz zu schwei-
gen. Der setzt mit seiner Politik neue
Negativstandards in der politischen
Kultur des Westens, unterstützt von
der Macht der Gewöhnung.
Umso wichtiger ist es, dass Europa
ein Kontinent der Vernunft, der Mäßi-
gung und des Ausgleichs bleibt. Hier
müsste man auch achtzig Jahre nach
Beginn des Zweiten Weltkriegs noch
am genauesten wissen, in welche Ab-
gründe nationalistische Verblendung
führen kann – auf vielen Wegen. Ge-
schichte mag sich nicht wiederholen,
doch ihre ewigen Themen kehren wie-
der, in neuen Variationen und Klei-
dern. Sind wenigstens die Nationen
des Westens aus unermesslichem Scha-
den so klug geworden, sich nicht noch
einmal in eine Spirale der Konfrontati-
on hineinziehen zu lassen? Dann müss-
ten sie einer Devise folgen, die in den
dreißiger Jahren nicht nur in Deutsch-
land fatalerweise zu oft ignoriert wur-
de: Wehret den Anfängen!
F.A.Z.FRANKFURT, 30. August. Der
Präsident des Zentralrats der Juden in
Deutschland, Josef Schuster, fordert an-
lässlich des 80. Jahrestags des deutschen
Überfalls auf Polen, „den nachfolgenden
Generationen die ganze Dimension die-
ses Kriegs zu vermitteln, in dem 60 Mil-
lionen Menschen zu Tode kamen und in
dem die europäischen Juden Opfer eines
Völkermords von singulärem Ausmaß
wurden“. Angesichts des Nationalismus
in Europa sei das notwendig, „damit Ge-
nerationen in unserem Land aufwach-
sen, die das Verantwortungsbewusstsein
haben, das wir für ein friedliches Europa
brauchen“, schreibt Schuster in einem
Gastbeitrag für diese Zeitung.(Siehe Sei-
te 10.)
job. LONDON, 30. August. Die Bemü-
hungen der britischen Gegner eines unge-
regelten Brexits, gegen die Zwangsbeur-
laubung des Parlaments vorzugehen, ha-
ben am Freitag einen Rückschlag erlit-
ten. Ein Gericht in Edinburgh lehnte den
Antrag von mehr als siebzig Abgeordne-
ten ab, die angekündigte Beurlaubung
mit Hilfe einer einstweiligen Verfügung
für rechtswidrig zu erklären.
Das Gericht habe von der Notwendig-
keit der Sofortmaßnahme nicht über-
zeugt werden können, hieß es zur Begrün-
dung. Das Gericht setzte allerdings eine
weitere Anhörung für Dienstag an, wenn
das britische Unterhaus nach mehr als
sechs Wochen Sommerpause wieder zu-
sammentritt. Königin Elisabeth II. hatte
auf Anraten der Regierung eine Beurlau-
bung verfügt, die frühestens am 9. Sep-
tember beginnen darf und spätestens am
- Oktober, dem Tag der „Queen’s
Speech“, beendet ist – jener Rede, mit
der die Königin die neue Sitzungsperiode
des Parlaments eröffnet. Auch in Belfast
und London sind Gerichte mit dem The-
ma beschäftigt. Am Freitag teilte der frü-
here konservative Premierminister John
Major mit, dass er sich der Klage der Akti-
vistin Gina Miller vor dem High Court in
London anschließen werde. Dort soll die
Anhörung am Donnerstag stattfinden.
Sollte die Beurlaubung für rechtswidrig
erklärt werden, wird damit gerechnet,
dass die Regierung den Supreme Court,
die letzte juristische Instanz, anruft.
Unterdessen kündigte Premierminis-
ter Boris Johnson an, die Verhandlungen
über einen Austrittsvertrag „mit erhöh-
tem Tempo“ führen zu wollen. Bis zum
EU-Gipfel am 18. Oktober sollen zwei-
mal in der Woche Gespräche in Brüssel
abgehalten werden. Johnson will die
„Backstop“-Regelung aus dem Vertrag
entfernen, mit der Grenzkontrollen zwi-
schen Irland und Nordirland vermieden
werden sollen. Die EU verlangt dafür
Vorschläge. Irlands stellvertretender Mi-
nisterpräsident Simon Coveney sagte am
Freitag, zurzeit gebe es „nichts Glaubwür-
diges von der britischen Regierung“.
Die Gegner eines No-Deal-Brexits wol-
len die kurze Sitzungszeit in der kommen-
den Woche nutzen, um zu verhindern,
dass Johnson zum 31. Oktober einen un-
geregelten EU-Austritt vollziehen kann.
(Siehe Seite 5.)
Heute
Erschreckendes
Spiegelbild
Schuster: Die Erinnerung
ist notwendig
cei. MÜNCHEN.Der frühere National-
torwart Oliver Kahn wird zum 1. Januar
2020 in den Vorstand der FC Bayern Mün-
chen AG berufen. Das beschloss der Auf-
sichtsrat. Kahn erhält einen Fünfjahresver-
trag und soll 2022 den Vorsitz von Karl-
Heinz Rummenigge übernehmen. Präsi-
dent Uli Hoeneß erläuterte am Freitag sei-
nen Entschluss, auf der Jahreshauptver-
sammlung am 15. November nicht mehr
als Vereinspräsident zu kandidieren sowie
seine Position als Aufsichtsratschef abzu-
geben.(Siehe Seite 10 und Sport.)
sibi.FRANKFURT, 30. August. Die
künftige Präsidentin der Europäischen
Zentralbank (EZB), Christine Lagarde,
sieht für die Leitzinsen noch „Spiel-
raum nach unten“. Das schreibt die
Französin in einer Antwort auf Fragen
des Wirtschafts- und Währungsaus-
schusses des EU-Parlaments. Die effek-
tive Untergrenze bei den Leitzinsen sei
noch nicht erreicht, führte Lagarde aus,
fügte jedoch einschränkend hinzu: Es
sei auch klar, dass die niedrigen Zinsen
mit Folgen für die Banken und für die
Finanzstabilität generell verknüpft sei-
en. „Die EZB hat einen breitgefächer-
ten Werkzeugkasten zur Verfügung
und muss bereit stehen zu handeln“,
schreibt Lagarde, die im November
EZB-Präsident Mario Draghi ablösen
soll. Voraussichtlich am 12. September
will der EZB-Rat über ein Lockerungs-
paket für die Geldpolitik entscheiden.
Dazu könnte eine weitere Senkung des
Einlagenzinssatzes für Banken von der-
zeit minus 0,4 Prozent gehören sowie
möglicherweise neue Anleihekäufe. La-
garde führt weiter aus, die Geldpolitik
der EZB müsse „datengetrieben“ sein,
nicht marktgetrieben, und sich an den
Inflationsprognosen orientieren. Da-
mit widersprach sie der Position des fin-
nischen Notenbankchefs Olli Rehn, der
angedeutet hatte, die Notenbank müsse
im Zweifel mit ihren Schritten stets wei-
ter gehen, als die Finanzmärkte es er-
warteten.(Siehe Wirtschaft, Seite 19.)
Rückschlag für Gegner eines ungeregelten Brexits
Gericht lehnt einstweilige Verfügung gegen Zwangsbeurlaubung des Parlaments ab
bin. HANNOVER, 30 August. Der Famili-
enstreit der Welfen geht vor Gericht. Wie
diese Zeitung aus dem Umfeld von Ernst
August Prinz von Hannover erfuhr, will
das Familienoberhaupt seinen Sohn ver-
klagen, um seine deutschen Besitztümer
zurückzuerhalten. Die Klage soll in zwei
bis vier Wochen eingereicht werden. Der
Schritt könnte Auswirkungen auf die Plä-
ne des Landes Niedersachsen für die Mari-
enburg haben. Das Land hat sich mit Erb-
prinz Ernst August geeinigt, das sanie-
rungsbedürftige Schloss Anfang 2020 in
eine Stiftung zu überführen. Die Marien-
burg war zusammen mit anderen Liegen-
schaften 2004 auf ihn übertragen worden.
Der Vater wirft dem Sohn groben Undank
vor.(Siehe Deutschland und die Welt.)
Nicht nur Hitler und Stalin
Von Berthold Kohler
Kahn soll 2022 Bayern-
Vorsitzender werden
Kretschmer wirbt für „seriöse
und stabile“ Regierung in Sachsen
CDU und SPD befürchten Verluste / Brandenburg: Neue Vorwürfe gegen Kalbitz
Prinz von Hannover
verklagt seinen Sohn
Briefe an die Herausgeber Seite 34
Lagarde sieht
Spielraum für
tiefere Zinsen
Europa muss ein
Kontinent der Vernunft,
der Mäßigung und des
Ausgleichs bleiben.
Woche der Bewährung
Von Klaus-Dieter Frankenberger
4<BUACUQ=fadbaf>:w;V;l;o;q
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