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FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG Deutschland und die Welt SAMSTAG, 31. AUGUST 2019
FRANKFURT, 30. August. Als Bill Kaulitz
auf der Bühne von „Star Search“ im Jahr
2003 „It’s Raining Men“ sang, bewertete
ihn die Jury so wohlwollend, wie man ei-
nen Dreizehnjährigen bewertet, der mit
großem Einsatz einigermaßen schief träl-
lert. Aber kommt es darauf an, ein groß-
artiger Vokalist zu sein? Ihm war es egal:
„Ich wollte einfach immer auf die Bühne.“
Da ist er gelandet, zusammen mit sei-
nem eineiigen Zwillingsbruder Tom, der
das Gegenteil des femininen, exzentrischen
und stark geschminkten Bill ist. „Durch den
Monsun“ hieß die Single, mit der Tokio
Hotel 2005 von null auf hundert gingen.
Die Brüder waren da 15 Jahre alt, Drum-
mer Gustav Schäfer 16, Bassist Georg Lis-
ting 18. Der Song war ein Popsong, Bill Kau-
litz’ Stimme die eines Jungen, und Deutsch-
land stand kopf. So etwas hatte man noch
nicht gesehen! Und dann kamen sie auch
noch aus einem Kaff bei Magdeburg!
Bill Kaulitz hatte schwarz gefärbte Haa-
re, die er sich strähnig ins Gesicht gelte
und hinten struppig abstehen ließ, er trug
schwarzen Nagellack, viel schwarzes Ka-
jal und noch mehr schwarzen Lidschatten.
Tom Kaulitz trug im Gegensatz dazu wei-
te Baggys und Dreadlocks. Die Fans lieb-
ten beide. Sie waren anders als sonstige
Teenager-Idole, auch schön, aber eben
nicht perfekt, auch mal traurig, auch mal
down. Sie sangen davon, sich durchzu-
kämpfen. Denn die Schule war hart. In der
RBB-Doku „Hinter die Welt“ erzählt Bill
Kaulitz vom täglichen Kampf. „Ein Sport-
lehrer wollte mich nicht unterrichten. Ich
kann mir nicht vorstellen, dass ich das ir-
gendwie überlebt hätte, wenn ich nicht
Tom gehabt hätte. Wir kamen uns immer
vor wie zwei Außerirdische.“
Die Band ging auf Tour, fuhr durch Euro-
pa, nahm Songs noch mal auf Englisch auf
(„Monsoon“), wurde in Frankreich erfolg-
reich, in Russland, in Taiwan. Bill und Tom
Kaulitz wurden vor den Augen der Welt er-
wachsen. Wie sollte das gehen? Tom Kau-
litz sagt in „Hinter die Welt“: Alles Partner-
schaftliche habe er mit seinem Bruder. Er
wäre zufrieden, sollte er sich nie verlieben.
Das hat er nun wohl doch getan.
Die Kaulitz-Brüder wollten nie beson-
ders männlich tun, besonders cool sein.
Sie waren Brüder, die ihre Zuneigung
öffentlich zeigten. Selten neidisch aufein-
ander zu sein schienen. Sich nicht prügeln
mussten. Sondern einander brauchten.
Bei Auftritten gab es oft Buhrufe. Das war
nicht nur homophob, ohne dass es je ein
Coming-out gegeben hätte, das war auch
die Reaktion von Menschen, die es nicht
ertragen können, wenn ein Künstler wie
Bill Kaulitz auf eine paradiesvogelartige
Weise mit sich im Reinen ist. Die Tokio-
Hotel-Fans waren bei solchen Events viel
in Gruppen unterwegs, denn sie waren un-
beliebt. Auf großen Festivals spielte die
Band ungern, weil sie so großen Hass auf
sich zog.
Irgendwann konnten Bill und Tom Kau-
litz nicht mehr in das Loft, das sie sich in
Hamburg gekauft hatten. „Wir konnten
nicht mehr normal die Tür aufmachen“, er-
zählte Bill Kaulitz in einem Interview. Also
bauten sie sich vor Hamburg ihr eigenes
Gefängnis: ein schönes, großes Haus mit ei-
nem zwei Meter hohen Zaun, draußen oft
100 Fans, die auf die Brüder warteten. Als
eines Tages eingebrochen wurde, wollten
sie nur noch weg. „Wir haben beide acht
Koffer gepackt oder so“, sagte Bill Kaulitz.
„Dann in den Flieger. Und rüber.“ Nach
L. A., wo sie ein neues Leben begannen, so
unbeschwert, wie es in Deutschland nie
möglich wäre. Ein Leben, in dem sie in ei-
nem Supermarkt einkaufen gehen können,
in dem sie keine Angst vor Stalkern oder
Morddrohungen haben müssen, in dem sie
einen Führerschein machen können.
Abgestürzt sind sie nie, zumindest nicht
öffentlich. Sie haben schließlich immer
einander: „Wir sehen alle Sachen sehr ähn-
lich, wir waren ja immer zusammen“, sagt
Tom Kaulitz in „Hinter die Welt“. Wacht
der eine mit Nackenschmerzen in der ei-
nen Stadt auf, ruft er den anderen an, der
woanders ist – und auch Nacken-
schmerzen hat.
2010 waren sie geflüchtet. Würden sie
je zurückkommen? So richtig taten sie das
nie. Heute machen sie mit ihrer Band Syn-
thiepop, verdienen ihren Unterhalt mit
Events wie dem „Tokio-Hotel-Camp“, bei
dem Fans für viel Geld mit den Musikern
Zeit verbringen dürfen, und sie spielen
Konzerte überall auf der Welt. An diesem
Sonntag werden sie 30 Jahre alt.
Durch den Monsun
Die Brüder Bill und Tom Kaulitz werden 30 Jahre alt / Von Johanna Dürrholz
FRANKFURT, 30. August. Sie gehen je-
den Freitag auf die Straße – und doch hin-
ken sie Vater und Großmutter hinterher.
Junge Menschen verhalten sich laut einer
aktuellen Studie weniger umweltbewusst
als Ältere. Während 41 Prozent der be-
fragten Deutschen nach eigenem Bekun-
den umweltbewusst leben, sind es in der
Gruppe der Vierzehn- bis Dreiundzwan-
zigjährigen lediglich 33 Prozent. Zu
diesem Ergebnis kommt der Nationale
Wohlstandsindex, der vierteljährlich vom
Marktforschungsunternehmen Ipsos er-
hoben wird. Dessen Direktor, Hans-Peter
Drews, fasst zusammen: „Zwar ist das
Bewusstsein für Umweltfragen bei den
Jüngeren in den vergangenen Jahren am
stärksten gewachsen, dennoch sind ihnen
die Älteren immer noch voraus.“
Allerdings: Dass bei der Befragung
weniger junge Leute angaben, im Alltag
umweltbewusst zu handeln, könnte auch
daran liegen, dass sie selbstkritischer sind
als ihre Eltern und Großeltern. „Es ist
eine subjektive Einschätzung“, hebt
Drews hervor. So würden manche Leute
zwar sauber ihren Müll trennen oder weit-
gehend auf Plastik verzichten – in ihrer
Selbsteinstufung jedoch nicht berücksich-
tigen, dass sie jeden Tag mit dem Auto
zur Arbeit fahren.
Minderjährige steuern hingegen nur
selten einen eigenen Geländewagen, eher
werden sie darin von den Eltern mit-
genommen. Sie könnten auf einen Schul-
weg zu Fuß oder mit dem Fahrrad behar-
ren – doch nicht jede Verhaltensände-
rung liegt in ihrer Hand. So zählen zwar
24 Prozent der jungen Leute die Nutzung
erneuerbarer Energien zu ihrem Wohl-
standsverständnis und liegen damit über
dem Durchschnitt von 15 Prozent. Laut
Drews ist aber zu bedenken, „dass viele
Jüngere nicht entscheiden können, ob der
Haushalt Strom von einem grünen Anbie-
ter bezieht oder nicht“. Jugendliche kön-
nen sich also teilweise nur dann umwelt-
bewusst verhalten, wenn auch die Eltern
mitmachen.
Zugleich sind es die Jungen, die durch
ihre Proteste für Umweltschutz mobilisie-
ren und sensibilisieren. „Ob die Klima-
streiks die Ursache sind, können wir nicht
sicher sagen, aber wir beobachten, dass
im vergangenen halben Jahr der Umwelt-
schutz an Bedeutung gewonnen hat“, sagt
Drews. Im Vergleich zu 2017 stieg das Um-
weltbewusstsein der Jugendlichen und
jungen Erwachsenen um sieben Prozent-
punkte; damals hatten nur 26 Prozent an-
gegeben, umweltbewusst zu leben. Auch
geben in allen Altersgruppen mehr Be-
fragte an, dass für sie Ökologie und Wohl-
stand zusammenhängen.
Dennoch werden ökologische Aspekte
immer noch als weniger wichtig empfun-
den als ökonomische oder gesellschaft-
liche Faktoren: Nur 24 Prozent der in
einer Zufallsstichprobe ausgewählten
2000 Befragten verbinden ein umwelt-
bewusstes Leben mit dem Begriff Wohl-
stand. „Als besonders wichtig werden
eher ein sicherer Arbeitsplatz, die eigene
Gesundheit oder ein tolerantes Umfeld
und Meinungsfreiheit empfunden“, so
Drews. Das seien alles wichtige Faktoren,
sagt der Wissenschaftler, doch: „Wenn
eine saubere Umwelt für das eigene Wohl-
ergehen als bedeutender angesehen wür-
de, dann würden die Leute auch umwelt-
bewusster leben.“ PAULA LOCHTE
PATTENSEN, 30. August. Dunkle Wolken
türmen sich über der Marienburg. Der
Himmel lässt einen kräftigen Schauer
über dem Schloss der Welfen nieder-
gehen. Ernst August Erbprinz von Hanno-
ver sucht Schutz in einem pittoresken
Durchgang. Da betritt – mit einem Don-
nergrollen im Rücken und einem republi-
kanischen „Hallo“ auf den Lippen – der
niedersächsische Kulturminister Björn
Thümler die Szenerie. Ein erlauchter
Kreis: Ernst August Erbprinz von Hanno-
ver, Noch-Eigentümer der Immobilie.
Nicolaus von Schöning und Carl Graf von
Hardenberg, die neuen Pächter der Burg.
Minister Thümler und die örtliche Bundes-
tagsabgeordnete Maria Flachsbarth.
Auf dem Programm steht eine Besichti-
gung der maroden Gemäuer sowie der res-
taurierungsbedürftigen Kunstschätze.
Nicht im Sinne eines Trauergangs, son-
dern mit der Aussicht auf baldige Besse-
rung. Denn schon bald sollen Handwerker
anrücken, so man sie findet, und das
Schloss aus seinem Siechtum befreien.
„Wir müssen das norddeutsche Under-
statement hinter uns lassen“, sagt der
CDU-Politiker Thümler. Und seine Partei-
freundin Flachsbarth besteht darauf, dass
Marienburg und Leinebergland mindes-
tens ebenbürtig sind mit Schloss Neu-
schwanstein und dem Alpenpanorama.
Jahrelang haben das Land Niedersach-
sen und der Erbprinz über die Marienburg
verhandelt, zunächst hinter den Kulissen,
später unter reger Beteiligung der Öffent-
lichkeit. Denn der zuerst von Thümler prä-
sentierte Plan, die Marienburg ins Eigen-
tum der öffentlichen Hand zu überführen,
stieß gleich von zwei Seiten auf Wider-
stand: In der Landespolitik regte sich bis
in die Regierungsfraktionen hinein Un-
mut. In Niedersachsen hat man nicht ver-
gessen, wie die Welfen in den vergange-
nen Jahrzehnten etliche Kunstschätze zu
Geld gemacht haben.
Zwist gab es auch innerhalb der Welfen-
familie. Der Erbprinz möchte die Marien-
burg loswerden, da die Instandhaltung für
ihn zu teuer ist. Familienoberhaupt Ernst
August Prinz von Hannover, der mit sei-
nem erstgeborenen Sohn schon seit Jah-
ren über Kreuz liegt, legte bei Ministerprä-
sident Stephan Weil (SPD) jedoch Protest
gegen den Verkauf ein. Das Land rückte
daraufhin von seinem Plan ab, die Marien-
burg über eine Tochtergesellschaft der
Klosterkammer für einen Euro zu kaufen.
Denn es stand die Frage im Raum, ob sich
der Sohn durch die de facto unentgeltliche
Dreingabe des Schlosses als grob undank-
bar gegenüber seinem Vater erweist.
In Thümlers Ministerium dachte man
um. In zähen Verhandlungen gelang es,
den Erbprinzen von einer anderen Lö-
sung zu überzeugen: Er überführt die Ma-
rienburg für einen Euro an eine neu zu
gründende gemeinnützige Stiftung und
gibt etwa 1700 Einrichtungsgegenstände
im Wert von etwa sechs Millionen Euro
dazu. Vorsitzender des Stiftungsrats wird
der Erbprinz, aber in dem fünfköpfigen
Gremium haben die Vertreter des Landes
und der Region Hannover die Mehrheit.
Ansonsten bleibt alles wie ursprünglich ge-
plant: Bund und Land finanzieren je zur
Hälfte die für die Sanierung des Schlosses
veranschlagten 27,2 Millionen Euro. Zu-
dem werden den Welfen mit Hilfe von Kul-
turstiftungen für 1,84 Millionen Euro ins-
gesamt 143 wertvolle Kunstgegenstände
abgekauft. 138 davon gehen ins Eigentum
des Landesmuseums Hannover über.
Das gemeinsame Ziel von Land und
Erbprinz ist es, dass die Marienburg nicht
verfällt und öffentlich zugänglich bleibt.
Das Landesmuseum soll sich langfristig
um die erweiterten Ausstellungsflächen
kümmern. Die beiden Familien von Har-
denberg und von Schöning sollen ihre Er-
fahrungen in der Vermarktung histori-
scher Gemäuer einbringen. Die neuen
Pächter der Burg übernehmen die bisheri-
gen Mitarbeiter und kaufen dem Erbprin-
zen den Wald rings um das Schloss ab.
Beim Rundgang durch die verwinkelten
Gemäuer treten die veränderten Kräfte-
verhältnisse klar hervor. Nicolaus von
Schöning schreitet voran. In der Hand hält
er eine Glasschale mit historischen Schlüs-
seln, die mit kleinen Holztäfelchen be-
schriftet sind, und kramt den jeweils pas-
senden heraus. Der Erbprinz hält sich de-
zent im Hintergrund. „Ich muss jetzt ein
bisschen Distanz halten, denn ich bin hier
für die Mitarbeiter des Betriebs nicht
mehr der Chef“, sagt er. Dann und wann
lässt der in London aufgewachsene Erb-
prinz seinen britischen Humor aufblitzen.
In Anbetracht der wildromantischen
Orangerie mit dem dichten Efeubewuchs
schlägt der 36 Jahre alte Adelige vor, der
Staat könne diesen im 19. Jahrhundert un-
vollendet gebliebenen Gebäudeteil ange-
sichts seiner Rekordeinnahmen endlich
vollenden. „Erbprinz Ernst August, jetzt
warten Sie erst einmal in Ruhe ab“, mahnt
die Abgeordnete Flachsbarth zur Geduld.
Es war und ist schließlich mühsam genug,
die 27,2 Millionen Euro Steuergelder in
Berlin und Hannover zu organisieren.
Leichte Irritation wird auch spürbar, als
Nicolaus von Schöning den Raum präsen-
tiert, in dem künftig die wertvollen Silber-
möbel der Welfen präsentiert werden sol-
len. Minister Thümler dankt dem Erbprin-
zen zunächst, dass er die Möbel aus sei-
nem Familienbesitz als Dauerleihgabe zur
Verfügung stellen möchte. Als der neue
Pächter von Schöning jedoch erwähnt,
man könne in dem speziell gesicherten
Raum auch die Krone der Welfen ausstel-
len, reagiert der Prinz leicht pikiert. Die
Kronjuwelen werden an einem unbekann-
ten Ort aufbewahrt. Kurz nach der Annexi-
on des Königreichs Hannover durch die
Preußen im Jahr 1866 hatten die Welfen
sie von der Marienburg ins Ausland
schmuggeln lassen. Wenig später verließ
auch Königin Marie selbst ihr Schloss. Die
Bauarbeiten an der neogotischen Marien-
burg kamen zum Erliegen, und das
Schloss stand viele Jahrzehnte leer.
Die Folgen dieser Vernachlässigung
sind während des Rundgangs mit Händen
zu greifen. Die Felswand unter der Burg
verwittert, es droht ein teilweiser Ab-
rutsch der Außenmauer. In einer kleinen
Kammer lässt sich ein Welfe in Öl er-
spähen, der stolz von seiner Leinwand
guckt, in dessen Hose jedoch ein breiter
Riss klafft. „Königin Charlotte muss auch
zügig restauriert werden“, heißt es aus
dem Tross des Ministers.
Angesichts des trüben Zustands von Im-
mobilie und Mobiliar zeigt sich Thümler
erleichtert, dass bald mit der Sanierung be-
gonnen werden kann. Von einer Terrasse
der Burg blickt er auf das Tal der Leine her-
ab. „Das ist alles sehr gut so.“ Nachdem
der Landtag die Sanierungskosten bewil-
ligt hat, soll die Stiftung Anfang Januar
2020 gegründet werden. Befürchtungen,
dass die 27,2 Millionen Euro für die Sanie-
rung nicht ausreichen könnten, hat Thüm-
ler nicht. „Die Preisschätzung ist erst im
vergangenen Jahr aktualisiert worden.
Wir gehen davon aus, dass das ausreicht.“
Die Klosterkammer hat die Kosten für
die Sanierung der Burg, die sie ursprüng-
lich gegen ihren Willen kaufen sollte, in-
tern allerdings auf rund 42 Millionen
Euro geschätzt. Thümler weist das zurück.
„Für diese Zahlen gibt es keine Belege.“
Die Einwände des Vaters gegen den Ver-
kauf der Marienburg zum symbolischen
Preis von einem Euro hält Thümler eben-
falls für gegenstandslos. Im Zuge des Um-
schwenkens auf ein Stiftungsmodell wur-
de nach Informationen dieser Zeitung
nämlich ein Wertgutachten erstellt, das zu
dem Ergebnis kommt, dass die Marien-
burg im gegenwärtigen Zustand finanziell
vollkommen wertlos ist. Das wird als Be-
leg dafür angeführt, dass der Sohn nicht
gegen die Pflichten aus dem Erbvertrag
mit seinem Vater verstößt. Dieser hatte
ihm im Jahr 2004 die Marienburg zusam-
men mit seinen anderen deutschen Lie-
genschaften im Wege der vorweggenom-
menen Erbfolge übertragen.
Auch der Erbprinz ist sich sicher, dass
er von der Seite seines Vaters nichts zu be-
fürchten hat. „Das ist erledigt. Das Thema
ist für mich abgeschlossen.“ Für den Vater
ist das Thema jedoch ganz und gar nicht
abgeschlossen. Wie diese Zeitung aus
dem Umfeld von Prinz Ernst August erfah-
ren hat, arbeitet man in der Berliner Kanz-
lei des bekannten Münchener Anwalts
Wolf-Rüdiger Bub an einer Klageschrift
gegen den Sohn. „Die Klage kommt“,
heißt es. In zwei bis vier Wochen werde
sie eingereicht. Der Vater will den geplan-
ten Verkauf der Marienburg zum Anlass
nehmen, seine gesamte Schenkung an den
Sohn wegen groben Undanks zu wider-
rufen. Denn aus Sicht des Vaters verstößt
der Sohn gegen das Hausgesetz der Wel-
fen. Hintergrund des Streits dürften die
österreichischen Besitzungen der Welfen
sein. Doch eine Klage, so heißt es aus dem
Umfeld des Vaters, werde auch die geplan-
te Einbringung der Marienburg in eine
Stiftung „weiter verzögern“ – oder gar
zum „Stillstand“ führen.
HERNE, 30. August (dpa). Die tagelang in
Herne gesuchte Kobra ist eingefangen.
Die giftige Schlange sei am Freitag unter
einer Stufe am Kellereingang lebend er-
wischt und von einem Schlangenexperten
in Obhut genommen worden. „Niemand
wurde verletzt“, erklärte die Stadt. Am
Nachmittag war das Tier erstmals seit Ta-
gen gesichtet worden. Ein Mitarbeiter des
Stadtbetriebs Castrop-Rauxel entdeckte
die Schlange bei Mäharbeiten an dem
Haus, in dem sie am Sonntag zuletzt gese-
hen wurde. Er sprach von einem „gelb-
goldfarbigen Tier“, das sich zunächst zu-
rückgezogen habe.
Die hochgiftige Monokelkobra mit ei-
ner geschätzten Länge von mindestens
1,40 Metern war am Sonntag in einem
Treppenhaus des Gebäudes von einer Be-
wohnerin entdeckt worden. Seither fehlte
jede Spur der in Asien beheimateten Ko-
bra, deren Biss lebensgefährlich sein
kann. Der Wohnkomplex war am Sonntag
aus Sicherheitsgründen evakuiert worden.
Die Stadt vermutet, dass das Tier aus der
Wohnung eines Mieters stammt, in der die-
ser 20 Giftschlangen hielt. Er soll damit ge-
handelt haben. Laut Stadt bestreitet er,
dass die Schlange aus seinem Bestand
kam.
Jan Böhmermann hat am Donnerstag-
abend in seiner Sendung „Neo-Magazin
Royale“ verkündet, dass er für den SPD-
Vorsitz kandidieren will. An den nötigen
Formalitäten arbeite sein Team zurzeit,
teilte der Satiriker in einem „Bürgerdia-
log“ am Freitagmittag auf Facebook und
Instagram mit. Bis Sonntag um 18 Uhr
braucht Böhmermann noch die Unterstüt-
zung von fünf SPD-Unterbezirken oder
einem Landesverband – und ein Partei-
buch. Zudem sucht er eine Partnerin.
Dabei macht er nach eigenen Angaben
Fortschritte: Zwei prominente SPD-Frau-
en hätten sich schon bei ihm gemeldet,
eine kandidiere aber schon. Dank ihrer
habe er vier der nötigen fünf Unterbezirke
zusammen. Der Mitgliedsantrag liege den
Bezirken vor. Das Ganze sei „nicht ganz
einfach, aber nicht unmöglich“, sagte Böh-
mermann. Allerdings kamen vom sozial-
demokratischen Bezirksbürgermeister sei-
nes Heimatorts Köln-Ehrenfeld, Josef Wir-
ges, schon ablehnende Signale. (jant.)
Evo Moraleshat beim Löschen der Brän-
de im bolivianischen Teil des Amazonas-
gebietes tatkräftig geholfen. Nach einem
Einsatz in der Region Chiquitania im
Osten des Landes verlief sich der bolivia-
nische Staatspräsident dann aber auf dem
Rückweg in der Dunkelheit. „Ich habe ein
kleines Abenteuer erlebt“, sagte Morales
dem Fernsehsender Uno am Donnerstag.
„Wir sind vom Weg abgekommen und fast
eine Stunde lang herumgeirrt, doch dank
der Soldaten haben wir zurückgefunden.“
In einem Video ist zu hören, wie jemand
- offenbar Morales – in der Dunkelheit
des Waldes ruft: „Wo seid ihr? Wo seid
ihr?“ Morales hilft seit ein paar Tagen bei
den Löscharbeiten um den Ort Roboré
und andere Gemeinden. (dpa)
Stefan Schostokist der „Sprachpanscher
des Jahres“. Der zurückgetretene Ober-
bürgermeister von Hannover bekommt
diesen Titel für die „Empfehlungen für
eine geschlechtergerechte Verwaltungs-
sprache“ in der niedersächsischen Landes-
hauptstadt. Diese schreiben den „Mit-
arbeiter*innen“ der Stadt vor, die Wähler
als „Wählende“ anzusprechen und den
Begriff Rednerpult durch „Redepult“ zu
ersetzen. Das sei eine negativpreiswürdi-
ge Entwicklung, befand der Verein Deut-
sche Sprache. Für Schostoks Rücktritt vor
einigen Wochen waren allerdings nicht
die neuen Sprachvorschriften in Hanno-
ver der Grund, sondern illegale Gehalts-
zulagen, die der Büroleiter des Sozial-
demokraten bekommen hatte. Im gegen-
wärtigen Wahlkampf um Schostoks Nach-
folge wird aber weiter lebhaft über die
Gendersternchen debattiert. (bin.)
pps. FRANKFURT, 30. August. Der nächs-
te Eurovision Song Contest (ESC) wird in
Rotterdam stattfinden. Das teilte die Euro-
päische Rundfunkunion (EBU) am Frei-
tag mit. Neun niederländische Städte hat-
ten sich um die Austragung der größten
Fernsehunterhaltungsshow der Welt be-
worben, im Rennen waren zuletzt nur
noch Maastricht und Rotterdam. Nach
EBU-Angaben werden mehr als 40 Län-
der am 65. ESC in der Ahoy-Arena teil-
nehmen. Die Halbfinale finden am 12.
und 14. Mai, das Finale am 16. Mai statt.
BAD LOBENSTEIN, 30. August (dpa).
Auf der Autobahn 9 in Thüringen ist ein
Kleintransporter von der Fahrbahn abge-
kommen und in eine Gruppe Motorrad-
fahrer gekippt, die dort haltgemacht hat-
te. Die vier Motorradfahrer wurden bei
dem schweren Verkehrsunfall am Freitag-
nachmittag zwischen Bad Lobenstein
und Schleiz im Südosten Thüringens getö-
tet, wie die Autobahnpolizei mitteilte.
Die drei Insassen des Kleinlasters wurden
zum Teil schwer verletzt.
Herrliche Aussichten und eine Klageschrift
Bald kein Schlossherr mehr:Ernst August Erbprinz von Hannover beim Rundgang durch die Marienburg am Dienstag Foto Daniel Pilar
Wie zwei Außerirdische:Bill (links) und
Tom Kaulitz im Jahr 2008 Foto dpa
Giftschlange
von Herne
ist eingefangen
Kurze Meldungen
Parents for Future
Ältere leben laut einer Studie umweltbewusster
ESC-Finale am 16. Mai
in Rotterdam
Vier Motorradfahrer
bei Unfall getötet
Die Marienburg soll in
neuem Glanz erstrahlen.
Ein Rundgang mit dem
Minister und dem
Erbprinzen der Welfen
sowie Neuigkeiten
von dessen Vater, der
nicht dabei sein durfte.
Von Reinhard Bingener