Berliner Zeitung·Nummer 40·Montag, 17. Februar 2020–Seite 24
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NACHRICHTEN
Dammbruch in Brasilien:
Anklage zugelassenEinJahrnachdemverheerenden
DammbruchinBrumadinhohatdie
brasilianischeJustizeineKlagege-
gendenBaukonzernValeundden
TÜVSüdzugelassen.WiederGe-
richtshofdesBundesstaatsMinas
Geraismitteilte,sindelfVale-Vertre-
terundfünfMitarbeiterdesTÜVSüd
wegenvorsätzlicherTötungund
schwererUmweltvergehenange-
klagt.AuchdieMünchnerStaatsan-
waltschaftermitteltgegendenTÜV
Süd.Diesersiehtsichnichtinjuristi-
scherVerantwortung.DerDamm-
bruchimVale-Bergwerkam25.Ja-
nuar 2019 mit 270 Todesopfernwar
einesderschwerstenUnglückein
derGeschichteBrasiliens. (AFP)Sturm„Dennis“ sucht
Großbritannien heimDerSturm„Dennis“hatmitetwa600
HochwasserwarnungenamSonntag
inEnglandeinentraurigenRekord
gebrochen:Niezuvorsindaneinem
einzigenTagsov ieleWarnungenver-
öffentlichtworden.DerSturm
brachteamWochenendesolcheRe-
genmengenmitsich,wiesiesonst
nurineinemMonatfallen.Alsle-
bensbedrohlichgaltdieLageinTei-
lenvonWales.MindestenseinMann
ertranknachPolizeiangaben,alser
imwalisischenOrtYstradgynlaisin
einenFlussstürzte.AmSonnabend
warenzweiMenschenleblosinder
rauenSeeanderSüdostküsteEng-
landsentdecktworden.IneinemFall
gehtdiePolizeiinzwischenaberda-
vonaus,dassderSturmnichtsmit
demTodzutunhat. (dpa)Stimmeweg: Elton John
brichtKonzertabElton John, hier bei einemKonzertimDe-
zember,hat gesundheitliche Probleme.DPAPop-LegendeEltonJohnhat wegen
gesundheitlicherProblemeeinKon-
zertimneuseeländischenAuckland
abbrechenmüssen.„Ichhabemeine
Stimmekomplettverloren,estutmir
soleid“,sagteder72-jährigeMusiker
örtlichenMedienzufolgeunterTrä-
nen,bevoreramSonntagvonder
Bühnebegleitetwurde.Erwolltege-
radeden Song„Daniel“singen,wie
eshieß. DasPublikumimausver-
kauftenMount-Smart-Stadionhabe
denbritischenSängermitOvationen
verabschiedet.EltonJohnschrieb
späteraufInstag ram,beiihmseizu-
voreineLungenentzündungfestge-
stelltworden.Dennochhabeersich
entschlossen,aufzutreten. (dpa)Moskau:Frau erstickt bei
Kuchen-WettessenBeieinemKuchen-Wettessenin
MoskauisteinejungeFrauumsLe-
bengekommen.Die23-Jährigehabe
sichverschlucktundseierstickt,be-
richtetedieZeitungKomsomolskaja
PrawdaamSonntagonlineunterBe-
rufungaufdieBehörden. Diejunge
FraulagdemnachkurzvorSchluss
inFührung.Umwirklichzugewin-
nen,habesiesichgleichmehrereKu-
chengeschnapptundsiegegessen.
NachdemSchlusspfiffseiesdannzu
derTragödiegekommen. (dpa)LEUTE
Erry Stoklosa(72)hatalsSängerder
KölnerMundart-ComboBläckFööss
dieserTagevielzutun:AmDonners-
tagistWeiberfastnacht,undBläck-
Fööss-Fanssingensichlängstwarm:
„DienächsteRund,diejeihtop
mich/DatnächsteJlasdrinkichop
dich/DatnächsteKölschesföruns
zwei/UnsjodeZickjeihtnievorbei.“
FürStoklosajedenfallshatderTrubel
zweiSeiten:„DerKarnevalistfüruns
FluchundSegenzugleich.“Einer-
seitswolleeinTeilderFansausje-
demKonzerteineKarnevalsparty
machen–undzwaregalzuwelcher
Jahreszeit.„Andererseitsbietetder
KarnevalunsnatürlichdieChance,
jedesJahreinemgroßenPublikum
neueLiederzupräsentieren.“Esist
zumNärrischwerden!
Robbie Williams(46)undseineFrau
AydaField(40)habenzumvierten
MalNachwuchsbekommen.Eine
LeihmutterhatdenkleinenJungen
zurWeltgebracht.ErheißtBeauBe-
nedictEnthovenWilliams.Freunde
dürfenaberauchBabyBeausagen.
Leonie Charlotte von Haseistdie
neueMissGermany.Die35-jährige
Kielerin,dieMarketingstrategiestu-
dierthatundeinenInternet-Shop
fürVintage-Kleidungbetreibt,wuchs
inNamibiaaufundlebteinAthen,
London,Mailand,KapstadtundBer-
lin.SiehateinendreijährigenSohn
undistlautVeranstalternichtnurdie
ältesteMissGermanyinder
Geschichtedesseit93Jah-
renlaufendenWettbe-
werbs,sondernauch
dieersteMutter,die
diesenTitelträgt.
Schlimmgenug,
dassalleindasfast
100Jahregebraucht
hat.Als MissGermany
willvonHasedafür
werben,dass
Fraueneigenstän-
digundselbstbewusst
seinkönnten.Schlimm
auch,dassmandafür
überhauptwerben
muss. (avo.)
„Ichwerde nicht ein Jahr lang
eine Schaufensterpuppe
sein“, sagte von Hase. DPA
TIERE
Für Joe Bidenkönnteesbesserlau-
fen.DerHoffnungsträgerderDemo-
kratenhatbeidenVorwahlenin Iowa
undNewHampshireschlechtabge-
schnittenundmachtezudemmit
Beleidigungenvonsichreden.Eine
jungeFrau,dieihmeinekritische
Fragegestellthatte,bezeichneteer
als„lying,dog-facedponysoldier“–
alshundsgesichtigalso.Vielleicht
hatteernochNordkoreaimHinter-
kopf:Diedortigen Staatsmedienhat-
tenBidenim Novemberals„tollwü-
tigenHund“beschimpft.Wieauch
immer,unserBild–aufgenommen
ineinerSchuleinLasVegas–zeigtje-
denfalls,wieunempfänglichunsere
liebenVierbeinerfüralldasWahl-
kampfgedönsundHundegerassel
sind.Demokrat?Republikaner?Mir
dochschnuppe,kommherundlass
dichabschlabbern! (avo.)
Ein wenig Zuwendung kann inWahl-
kampfzeiten nicht schaden. DPARaubtieroderOpfer?
ImProzessgegenHarveyWeinsteinbeginnendieGeschworenenindieserWochemitihrenBeratungen
VonSebastian Moll, NewYo rkA
mEndegingalleserstaun-
lich schnell.Nicht einmal
fünfWochenstandHarvey
Weinstein inNewYorkvor
Gericht,bevorVerteidigungundAn-
klage vordie Jury traten, um ihre
SchlussplädoyersineinemGerichts-
verfahren abzugeben,das als einer
der bestimmendenkulturellen Mo-
menteunsererZeitindie Geschichte
eingehen wird.Diezwölf Geschwo-
renenhabennunzuentscheiden,ob
der einstigeHeiland Hollywoods in
einem derverschiedenen Anklage-
punkte –Vergewaltigung, sexuelle
Nötigung und„predatorysexual as-
sault“ (also in etwa „raubtierhafter
sexueller Angriff“)–schuldig ist.Ab
Dienstag will sich dieJury zu ihren
Beratungenzurückziehen.
Doch es ging inNewYorkum
mehralsnurdiepersönlicheSchuld
vonHarveyWeinstein.ZurVerhand-
lung stand auch, ob die durch die
MeToo-Bewegung geschaffenen ge-
sellschaftlichenStandards sexuellen
MachtmissbrauchsauchvorGericht
standhalten.Willentlichundwissentlich
WeinsteinsAnwältinDonnaRotunno
wiederholteinihrenabschließenden
Ausführungen, was sie schon vor
dem Proz ess in allen amerikani-
schenMedienlautunddeutlichzum
Bestengegebenhatte.Diestreitbare
AdvokatinhältWeinsteinnichtfür
einenTäter,sondernfüreinOpfer
der MeToo-Bewegung, die laut
RotunnounhinterfragtallenAn-
schuldigungenvonFrauenglaubt.
Diebeiden Hauptzeuginnen,
JessicaMannundMimiHaleyi,so
Rotunno,seienwillentlichundwis-
sentlichsexuelleBeziehungenmit
Weinsteineingegangen.EineTat-
sache,diedieStaranwältinnicht
zuletztdaranfestmachte,dassbeide
Frauen nach den vermeintlichen
FällenvonVergewaltigungweitermit
Weinsteinberuflichenundprivaten
Kontaktunterhielten.
„ImSkript der Anklage“, soRo-
tunnoimSchlussplädoyer,„sinddie
Frauen für nichts verantwortlich.
Nichtfür die Partys,auf die sie ge-
hen,nichtfürdieMänner,mitdenen
sieflirten,nichtfürdieHotelzimmer,
in die sie gehen, nicht für dieJobs,
die sie sich erhoffen.“Rotunno bat
dieGeschworenen,nichtaufdieVor-
verurt eilung Weinsteins in denMe-
dien, sondernauf ihre ngesunden
Menschenverstand zu hören. „Sie
müssen HarveyWeinstein nicht mö-
gen.ZurVerhandlungstehthiernicht
seine Moral.“ WeinsteinsVerhalten
gegenüberFrauen sei gewiss nicht
vorbildhaftgewesen.Docheinenkri-
minellen Akt habe es in den beiden
fraglichenFällennichtgegeben.DieAnklagehingegensahinden
Zeugenaussagen der verg angenen
Wochen klareIndizien dafür,dass
Weinstein nicht nur imFall dieser
Frauen seine Machtstell ungdazu
benutzt hat,Sexzue rzwingen, son-
derndass er allgemein über viele
Jahreein Muster sexuell „räuberi-
schen“VerhaltensandenTaggelegt
habe.ImR aum stehen 25JahreGe-
fängnis,lebenslänglich imBundes-
staatNewYork.
Der67-Jährigeseiein„Raubtier“,
sagteStaatsanwältinJoanIlluzzi-Or-
bonamF reitaginihremvonspitzenHarveyWeinstein und seine Anwältin Donna Rotunno amFreitag. GETTY IMAGESPointen begleiteten Schlussplädoyer.
Sieforderte dieGeschworenen auf,
den mutmaßlichenOpfernGlauben
zu schenken: Diese hätten keinen
Grund zu lügen.Illuzzi-Orbon warf
Weinstein vor, seine Macht in Holly-
wood missbraucht zu haben, um
Frauen sexuell zu attackieren.Der
einstmächtigeFilmproduzent habe
sich wie der „Herr desUniversums“
gefühlt, der aufFrauen herumtram-
pelnkönnewieaufAmeisen.
SoklarindenAugenderallgemei-
nen Öffentlichkeit seit den ersten
BerichtenüberHarveyWeinsteinvorrund zwei Jahren die Schuld des
einstigenMogulswar ,destokompli-
zierter wurde dasBild im Saal von
Richte rJames Burke. Deraggressi-
venAnwältinDonnaRotunno,diein
vielenMedienalsVerräterinander
MeToo-Bewegungbezeichnetwird,
istesgelungen,dieGlaubwürdigkeit
derbeidenHauptzeuginnensowie
dervierzusätzlichenZeuginnenin
Zweifelzuziehen.
SchlüsselmomentwardasKreuz-
verhör vonSchauspielerinJessica
Mann, die Weinstein beschuldigt
hatte,sieimJahr 2013 ineinemHo-
telzimmerinLosAngelesvergewal-
tigtzuhaben.Rotunnosetz teMann
derar tunterDruck,dasssieemotio-
nalzusammenbrachunddieSitzung
abgebrochen werden musste.Die
Anwältin konfrontierte die 34-Jäh-
rige mit Nachweisen undAussagen,
dass sie eine mehrjährige sexuelle
Beziehung zuWeinstein unterhielt,
vonder sich dieS chauspielerin be-
ruflicheVorteileversprach.Während
der gesamtenZeit habe sie sich nie
überMissbrauc hoderGewaltanwen-
dungbeklagt.ZuMannsZusammen-
bruch führte die brutalvorgetragene
Anschuldigung, Mann habeWein-
steinmanipuliert,nichtumgekehrt.Nochlangenichterledigt
AuchbeiderzweitenFrau,deren Fall
inNewYorkverhandeltwird,stellen
sich solcheFragen. Mimi Haleyi bat
HarveyWeinstein2013umeinenJob
alsProduktionsassistentin. Wein-
stein verschaffte ihr denJob, erwar-
tete aber als Gegenleistung Sex.
NachmehrerenVersuchenihnabzu-
wehren,gabHaleyischließlichnach
und unterhielt auch danachweiter-
hineinenKontaktmitWeinstein.
NunbleibtdieFrage, obdie Aus-
sagen der anderenZeuginnen, die
sexuellenKontaktmitWeinsteinhat-
ten,ausreichen,ihmebenjenesfrag-
liche Verhaltensmuster nachzuwei-
sen, das zu einem maximalenStraf-
maßführt.DieAussagenvonrund90
Frauenin denMediendürfendieGe-
schworenennichtberücksichtigen.
Auch bei den vier anderenZeu-
ginnenistesRotunnozumindestge-
lungen,Zweifelz usäen.DieBehaup-
tungen vonSchauspielerin Anna-
bellaSciorra,Weinsteinhabesichge-
waltsamZutrit tzuihrer Wohnung
verschafft, wurden etwa durch die
Aussage des Pförtners ihresApart-
menthauseswiderlegt.
Undsoi st eine Verurt eilung von
HarveyWeinsteinallesanderealsge-
wiss.Doch die Prüfung, ob #MeToo
justiziabel ist, endet nicht inNew
York.Auchdie Staatsanwaltschaftin
LosAngeleshatAnklagegegenHar-
veyWeinsteinerhoben. Selbstwenn
Rotunno in NewYorktriumphieren
sollte,ist der Fall Weinstein noch
langenichterledigt.EndederIsolation
WährenddieZahlderCorona-FälleinChinaweitersteigt,entspanntsichdieLageinDeutschland
D
ie Zahl der Neuinfektionen mit
demneuartigenCoronavirusin
China steigtweiter an –allerdings
weniger rasant als bisher.Inder am
stärksten betroffenenzentralchine-
sischenProvinz Hubei verzeichne-
ten die Behörden amSonntag den
dritten TaginF olgeeinenRückgang
beiden Neuinfektionen.DieWeltge-
sundheitsorganisationWHO warnte
unterdessenvorvorschnellemOpti-
mismus.Esseiunmöglich,denwei-
teren Verlauf derEpidemie vorher-
zusagen, betonteWHO-ChefTedros
AdhanomGhebreyesus.
InFrankreichwurdederersteTo-
desfalldurchdenneuartigenErregerin Europa gemeldet.In China stieg
dieZahlder TodesfälledurchdasVi-
rusauf 1665, wie dieGesundheits-
kommission mitteilte.Etwa 68500
MenschensindnachoffiziellenAnga-
ben auf dem chinesischenFestland
inzwischenmitdemErregerinfiziert.
Unterdessen ist dieZahl der Co-
ronavirus-Fälle anBord des unter
Quarantäne stehenden Kreuzfahrt-
schiffesinJapanerneutdeutlichge-
stiegen–auchDeutschesindbetrof-
fen. Wieder japanischeGesund-
heitsministerKatsunobuKato am
Sonntag bekanntgab,erhöhte sich
die Zahl um 70 auf inzwischen 355.
Darunter sind nachInformationender DeutschenBotschaft inTokio
zweideutscheStaatsangehörige.Das
Gesundheitsministerium hatte bis
Sonntag mehr als 1200 der rund
3400PassagiereundCrewmitglieder
der„DiamondPrincess“getestet.
WährenddieZahlder Infektionen
undTodesfälledurchdasneueCoro-
navirus in Chinaweiter steigt, hat
sichdieLageinDeutschlandamWo-
chenendeentspannt.Impfälzischen
Germersheim endete am Sonntag
nachrundzwei WochendieQuaran-
tänefürüber100China-Rückkehrer.
TestsaufdasVirusseiennegativaus-
gefallen,sagteeinSprecherderLuft-
waffeamSonntag. (dpa; AFP)020 00040 00060 000- 1.24. 16.
Bestätigte Infektionen weltweit mit dem
Erreger SARS-CoV-2, Stand: 16. FebruarCoronavirus-EpidemieCoronavirus-Epidemie
Januar Februar
Festland-China:
Etwa 68 500
Infizierte
16 65 ToteAußerhalb Festland-
Chinas:
mehr als 700 Infizierte
4Tote69 258BLZ/HECHER; QUELLE:BUNDESGESUNDHEITSMINISTERIUM;AFP