Frankfurter Allgemeine Zeitung - 20.03.2020

(Nandana) #1

SEITE 4·FREITAG,20. MÄRZ2020·NR.68 Politik FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG


„Bandenkrieg“


auf dem Balkan
Aufder Suche nachErfolgen meldet
der Wehrmachtbericht die „Säube-
rung“ des Gebiets um die kroatische
Stadt Bjelovar. KroatischeVerbände
und deutscheKampfgruppen hätten
ein sichüber achtTage erstreckendes
Unternehmen gegen„Banden“ er-
folgreichabgeschlossen. Die Gegner
hätten hohe blutigeVerluste erlitten
sowie zahlreicheWaffen undVersor-
gungslagerverloren. Die Operatio-
nen, die sichauchauf das heutige
Bosnien-Hercegovina erstrecken,
werden nocheinigeTagefortgesetzt.
In Kroatien hattesichnachder Zer-
schlagung Jugoslawiens 1941 ein „un-
abhängiger“ Staat gebildet, dessen
Führung sichaber vonAnfang an
eng an Deutschland und Italien an-
lehnte. AntePavelić,der Führer der
Ustaša, fühltesichursprünglichdem
faschistischen Italien, wo er nach
1929 im Exilgewesen war, besonders
verbunden.NachdemAusscheiden
Italiens aus dem Krieg 1943 aller-
dings blieb alsVerbündeternur noch
Deutschland.
Der Begriff „Banden“weistauf ei-
nes der dunkelstenKapitel dieses
Krieges hin. Als solche bezeichnet
die deutsche Propaganda dieWider-
standsbewegungen in den besetzten
Ländern. Da denUntergrundkämp-
fern der Kombattantenstatus nicht zu-
erkannt wird, fühlt man sichbeim
Kampfgegen sie auchnicht anRe-
geln gebunden.InOst-und Südosteu-
ropa kommennochideologische As-
pektehinzu. Slawengelten in der na-
tionalsozialistischen „Rassenlehre“
grundsätzlichals minderwertig. Des-
halb wirdindiesen Gebietender
„Bandenkrieg“ besondersbrutalge-
führt.

„Eckpfeiler des


Widerstands“
An martialischenZuschreibungen
lässt es die nationalsozialistischeFüh-
rung nichtfehlen. Im mittlerenAb-
schnitt der Westfront hat sie der
Stadt Kaiserslauterneine besondere
Rolle zugedacht. Sie soll der „Eckpfei-
ler desWiderstands“gegendie aus
dem Pfälzer Wald vorrückenden
Amerikaner sein.Aber schon am 20.
Märzgelingt den Angreifer ndie Er-
oberung der Stadt.Die Einnahme
geht –sehr zur Erleichterung der Zi-
vilbevölkerung–ohne größereStra-
ßenkämpfeab. Währen ddie amerika-
nischenTruppenSympathien unter
anderem durch das VerteilenvonSü-
ßigkeiten an Kindergewinnen, be-
richten Einwohner über Plünderun-
genund Gewalttaten, darunter auch
Vergewaltigungen, in denfolgenden
Tagen. AlsUrheberwerden befreite
Kriegsgefangene unterschiedlicher
Nationalitäten benannt.Auch die in
der Gegend eingesetzten französi-
schenTruppenhaben einen deutlich
schlechterenRufbei der Bevölke-
rung als die „gesitteten“ Amerikaner.

AgrarreforminRumänien
Die rumänische Regierung erlässt
eine umfangreicheVerord nung über
die Neuordnung derVerhältnisse in
der Landwirtschaft. Grundbesitz, der
50 Hektarüberschreitet,soll an Klein-
bauernund Landlose verteilt wer-
den.Ausdrücklichausgenommen ist
lediglichder Landbesitz der Kirche.
GrundbesitzvondeutschenStaats-
bürgern oder deutschstämmigenRu-
mänengeht, wie es heißt treuhände-
risch, in den Besitz desrumänischen
Staates über.Gleiches gilt für Land,
das „Kollaborateuren“gehört. Die
Landverteilung soll nachdem Willen
der Regierung spätestens zehnTage
nachder Verkündung des Gesetzes
im Amtsblatt in Angriff genommen
werden. Verantwortlichfür die
Durchführung sind die jeweiligen
Bürgermeister. In Streitfällen,wenn
zum Beispiel Gemarkungsgrenzen zu
verteilendes Land durchschneiden,
sollen Bezirkskommissionen ent-
scheiden. pes.

D


ie Liste fehlenderAbgeordne-
ter, die SachsensLandtagspräsi-
dent zu Beginn der Sitzung am
Mittwochvorliest, ist lang wie
nie: Fast zwei DutzendParlamentarier ha-
ben sich entschuldigt, die meistengehören
Corona-Risikogruppen an.WieimRest
derRepublik sind in SachsenZusammen-
künfte vonmehr als 50 Leuten untersagt,
die Landesregierung hat die Menschen auf-
gefordert,Abstand zu halten. Dassder
Landtag mit seinen 119 Abgeordneten
und HundertenMitarbeiterndennochzu-
sammenkommt,wollten CDU,SPD, Grü-
ne und Linkeverhindern. Dochdie AfD er-
zwang die Sitzung,trotzaller Vermittlungs-
versuche andererFraktionen,wenigstens
in verkleinerterFormzutagen.
Wieman in Krisenzeiten politischzu-
sammensteht, hat Sachsens Landtag oft
erprobt.Als während der Elbefluten
2002, 2006 und 2013 das Land unterWas-
serstand,zog selbstdie Linke,damalsOp-
positionsführerin, mit derRegierung an
einemStrang. DieAfD aber,die diese Rol-
le seit 2019 innehat, betreibt in der Coro-
na-KriseFundamentalopposition.Mit ei-
nem dringlichen Antrag will sie dieRegie-
rung dazu bringen,Katastrophenalarm
auszulösen,die Außengrenzen zu sichern
und alleVeranstaltungen zuverbieten.
„Deshalb brauchen wir die Landtagssit-
zung“, sagteFraktionschef JörgUrban.
Dochnicht mal seine eigeneFraktion ist
davonvöllig überzeugt.Sechs AfD-Abge-
ordnete fehlen,eine istmit Mundschutz
erschienen.Denzieht sie sichimVerlauf
der Sitzung bis über dieAugen, geradezu
so, alskönne sie dasganze Elend, das ihr
Chef anrichtet,nicht mehr mit ansehen.
Urban holt zu einerTiradegegendie Re-
gierung aus, wirft ihr „grobfahrlässiges
Handeln“vor: Alleskomme viel zu spät,
Schulschließungen, Verbote,Grenzkon-
trollen, esfehle „schlicht an allem“, und
überhaupt: Die Regierung hättedas alles
schonvorMonaten wissenkönnen,wenn
sieauf die AfDgehörthätte. Ministerpräsi-
dent Michael Kretschmer (CDU), der ein
paarmal in seine Armbeugehuste t–nur
ein „Männerschnupfen“, wie er zuvor er-
klärthatte–,hält eskaum auf derRegie-
rungsbank.Der Ministerpräsident, der zu-

vorzahlreiche Maßnahmen zur Bewälti-
gung der Krisegenannt hatte,geht mit der
AfD ins Gericht, bezeichnete die Land-
tagssitzung in derForm als „unverantwort-
lich“ undwendetsichanUrban. „Sieste-
hen in einerReihe mit Höcke undKal-
bitz“, sagt Kretschmer.„Sie haben sichso
weit radikalisiert, dassSie nicht mehr er-
reichbar sind für rationale Argumente.“
Der CDU-Mann aus dem Ostenkönnteda-
mit vielen in der AfD selbstaus der Seele
gesprochen haben. All jenen dort, denen

der rechtsnationale „Flügel“ um den Thü-
ringer BjörnHöcke und den Brandenbur-
gerAndreasKalbitz schon langeein Dorn
im Augeist.Vor allem imWesten hat der
„Flügel“ die Landesverbände unterwan-
dert. AfD-Politiker,die sichals konserva-
tiv,aber nicht radikalverstehen,geben
ihm die Schuld, dasssie in bürgerlichen
Kreisen aufAblehnungstoßen.
DergrößteLandesverband, die nord-
rhein-westfälischeAfD, istschon lange
hochgradig zerstritten. So gut wie immer
geht es bei denKonflikten um den „Flü-
gel“. Voreinem Jahrversucht eder damali-
ge Landesvorsitzende Helmut Seifen, den
Einflussder Gruppierung auf den NRW-
Verband zu beschränken. Der „Flügel“stel-
le „alsPartei in derPartei“ eine Gefahr
dar,„weil erweder demokratisch legiti-
miertnochdemokratischkontrollierbar
ist“, sagteSeifen im März2019 dieserZei-
tung. Zudem habe Höcke eine „schwarm-
geistig eVorstellung“vonPolitik,und
„Schwarmgeister“ könnten „überaus ge-
walttätigwerden“. Heutesagt Seifen, da-
mals hätten ihm auchdie „eigenen Leute
nichtfolgen“wollen.Nach einem erbitter-
tenRingen warSeifen zurückgetrete n.
Erst mit derWahl des Bundestagsabgeord-
netenund VerteidigungspolitikersRüdi-

gerLucassen,der als guter Sachpolitiker
gilt, trat scheinbaretwasRuhe ein.Lucas-
sen suchteein Einvernehmen mit den in-
nerparteilichen Gegnern, der „sogenann-
te Flügel und seine politischePositionie-
rung“ seien nicht das Problem, sagteerda-
mals. Dochdie unterlegenen „Flügel“-Leu-
te gaben nicht auf.Nachdem die Strö-
mung nunvomVerfassungsschutz als „ex-
tremistische Bestrebung“ eingestuftwur-
de, machen viele AfD-Funktionäre aus ih-
rerAversion gegendie Höcke-Anhänger
keinen Hehl mehr.Man habegenug von
den LeutenvomTyp „Jogginghose,kein
Job,keine Zähne“, die neuerdings den
Tonangebenwollten, heißt es unter den
„Flügel“-Gegnern–ein Zeichen dafür,
dassdie Nerven in derPartei blankliegen.

I

neiner Sitzung zu den Aktivitäten
des „Flügels“ sei der Landesvor-
stand zu dem Ergebnisgekommen,
dassesein „Weiter so“ nichtgeben
dürfe,sagteLucassen am Donnerstag die-
ser Zeitung. Der „Flügel“ habe in seiner
Fähigkeit zur Mobilisierung zwar einepar-
teipolitische Bedeutung, allerdings führe
seine Einflussnahme in allen Landesver-
bänden zunehmend zu einer innerparteili-
chen Zerreißprobe. Der „Flügel“ agiere
wie eineFirma in ei ner Firma. „Wir müs-

sen die eigenenFehler analysieren,erken-
nen und daraus entschiedeneKonsequen-
zen ziehen“, so Lucassen. DieKonsequen-
zen hat der Landesvorstand in einem
Brief an dieParteivorsitzenden JörgMeu-
then undTino Chrupalla klar benannt:
„In der AfD NRWwaren die Bestrebun-
genund Einflussnahmen des ‚Flügel‘ ein
steter QuellvonStreit und personellen
und organisatorischen–weniger politi-
schen–Auseinandersetzungen. Die letz-
tenLandesvorstände sind darangeschei-
tert,und die AfD NRWdrohte zu zerbre-
chen“, heißt es darin. Der Landesvor-
stand fordertdeshalb: „Der Flügel istvoll-
ständig aufzulösen.“Nursokönne esge-
lingen, „wiederRuhe in unsereParteiein-
kehren zu lassen und die bereits begonne-
ne Austrittswelle zustoppen“, heißt es in
dem Brief, der dieserZeitungvorliegt.
NachAngaben aus derPartei tr eten seit
der Einstufung des „Flügels“ alsrechtex-
tremistische Bestrebung derzeittägl ich
drei bis fünf Mitglieder allein in NRWaus
derAfDaus.
Lucassenfordertden Bundesvorstand
zudem auf,Veranstaltungen undAuftritte
vonAfD-Mitgliedernunter der Bezeich-
nung „Flügel“ zuverbieten. Dessen Prot-
agonistenhätten sichzudem „vorbehalt-
los in Diktion und Duktus den Zielen und

der Programmatik der AfD unterzuord-
nen“. Manwolle sichals nationalkonser-
vativeParteipräsentieren „und uns nicht
dauernd unterstellen lassen müssen,revi-
sionistischen Charakter zu haben“.
Auch aus anderen Landesverbänden im
Westen kommt harsche Kritik.Der „Flü-
gel“ müsse jetzt „seineStrukturen offenle-
gen“, so der HamburgerFraktionsvorsit-
zendeAlexanderWolf, der Mitglied des
Bundesvorstands ist–eineFord erung, die
schon der BerlinerFraktionschef Georg
Pazderski erhoben hatte. Wenn Höcke,
Kalbitzund ihreAnhänger dazu nicht be-
reit seien, müsse der Flügel sichzum Woh-
le der Partei auflösen, soWolf.

B

esonderserzürnt hatdie „Flügel“
-Gegnereine Ansprache Höckes
bei einemTreffenseinerStrö-
mungam6.Märzimsachsen-an-
haltinischen Schnellroda.Höcke hatte die
innerparteilichenGegnerkritisiert, die
„nicht in der Lagesind, Disziplinzule-
ben“.Undweiter :„Die, die nicht in der
Lagesind, dasWichtigstezuleben,was
wir zu leistenhaben,nämlich die Einheit,
dassdie allmählichauchmal ausge-
schwitztwerden sollten.“ DasWort „ausge-
schwitzt“, so Kritiker Höckes, habe Höcke
bewusst in Anlehnung an„Auschwitz“ge-
wählt.Höcke hattedaraufhin erklärt,dass
ihmin„bösartiger Artund Weise“ unter-
stellt werde,erhabe „Wortspiele mit ei-
nemVernichtungslagergemacht“. Doch
selbst einstigeHöcke-Unterstützer in der
AfD-Bundestagsfraktion bewerten sein
Verhalten mittlerweile als unentschuldbar.
Ko-Flügelchef AndreasKalbitzvertei-
digteHöcke indes: Esgebe „keineWort-
spiele mitAuschwitz“, das sei „hanebü-
chenerUnsinn“.Kalbitzsteht allerdings
selbstunter Druck, nachdem der „Spie-
gel“ unter Bezug auf ein internes Gutach-
tendes Bundesamts für Verfassungs-
schutz berichtet hatte,Kalbitz habe nach-
weislich„über mindestens 14 Jahre“ mit
dem 2009verbotenenrechtsextremisti-
schenVerein Heimattreue Deutsche Ju-
gend (HDJ)Kontaktgehabt und sei auch
Mitgliedgewesen. Dem Bundesamt liege
eine Mitgliederliste der HDJaus dem Jahr
2007 vor, in der unter der Mitgliedsnum-
mer 01330 die „Familie AndreasKalbitz“
aufgeführtsei. Kalbitz hat diese Darstel-
lung zwar als „falsch“ zurückgewiesen,
aber nicht behauptet, kein Mitglied im
HDJgewesen zu sein.Wäre er esgewe-
sen, dann hätteerwohl nicht Mitglied der
AfDwerden dürfen. Denn eine Mitglied-
schaftindem Verein is tnachden AfD-Sta-
tuten unvereinbar mit der Mitgliedschaft
in derPartei.
An diesemFreitag tagt der Bundesvor-
stand der AfD in Berlin, um überden „Flü-
gel“, Höcke und Kalbitz zu beraten.Nach
Informationen dieserZeitung sollen klare
Forderungen an die „Flügel“-Anführerge-
stellt werden. Die Sache gilt als ernst,
nicht nurwegender Zahl der Austritte,
sondernauchwegen der Ankündigungen
zahlreicher wichtigerParteifunktionäre,
der AfD denRücken zuzukehren,wenn
der „Flügel“ nicht in die Schrankengewie-
sen werde.

FrankfurterZeitung
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T.G. BRÜSSEL.Nato-Generalsekretär
JensStoltenberg hat die Einsatzbereit-
schaftder Allianzbekräftigt, obwohl das
Coronavirus die Widerstandskraftder
Verbündeten„bis an die Grenze“teste.
„UnsereKräftebleiben einsatzbereit und
unsereArbeitgeht weiter“, sagteStolten-
berg, als er am Donnerstag seinen Jahres-
berichtvorstellte; erstmals in einer Video-
konferenz. Dasgeltefür die multinationa-
len Kampfverbände, die in den baltischen
Staatenstationiertsind, für dieLuftraum-
überwachung dort, für die Seeverbände
und alle MissionenvonAfghanistanbis
zumKosovo.Allerdings musstenÜbun-
genabgesagt oderverkürzt werden, insbe-
sonderedas Großmanöver„Defender
2020“.Stoltenbergsprac hvon einer „Kri-
se, die es niegegeben hat“.
Bisher wurden aus den Einsätzenkeine
Erkrankungsfällegemeldet. Die Soldaten
sindinder Regelauf engemRaum unterge-
bracht undkönnen die empfohlenenAb-
standsregeln nicht einhalten.Stoltenberg
verwies aber darauf, dasssie „Disziplinge-
wöhnt sind“.Der Nato-Oberbefehlshaber

für Europa, der amerikanische General
TodWalters, hatteamMittwoch den
Nato-Rat darüber unterrichtet, dassdie Al-
lianz trotzder Pandemie einsatzfähig blei-
be. Im Brüsseler Hauptquartier der Alli-
anz wurdevorzehn Tagender ersteMitar-
beiter positiv auf dasVirusgeteste t; er hat-
te sichoffenbar im Italien-Urlaub infi-
ziert. Danachschickt edie Allianz alle Mit-
arbeiter nachHause, deren Präsenz im
Hauptquartier nicht unbedingt erforder-
lichist.Die hoheZahl vonSitzungen wur-
de drastischvermindert. Ob das im April
geplanteAußenministertreffen in Brüssel
stattfindenkann, ließStoltenbergoffen;
darüber sei nochnicht endgültig entschie-
den worden.
DerNato-Generalsekretär ließ erken-
nen,wasseinegrößteSorge ist: dassdie
Mitgliedstaatenwegender jetzigen Krise
ihreVerteidigungsausgaben wieder zu-
rückfahren. Es sei klar,dassdie Corona-
Krise „ernsthafte wirtschaftlicheAuswir-
kungen“ auf dieStaatshaushaltehabe. Er
erwarteaber,dassdie Alliiertenandem
Ziel festhielten, „mehr in Sicherheit zu in-
vestieren“, um sichineiner unsichereren

Welt wechselseitig zu schützen. Die mili-
tärische Bedrohungslagehabe sichnicht
verändert. Er sei zuversichtlich, dassdie
EU-Staatenverstünden, wie wichtig es
sei, in militärische Infrastruktur zu inves-
tieren. Das bezog sichauf die laufenden
Verhandlungen über den langfristigen
EU-Haushalt.Indenenwarein für „mili-
tärische Mobilität“vorgesehenerFonds
zuletzt komplett gestrichen worden –
nachdem Vorschlag der EU-Kommission
sollteermit 6,5 Milliarden Euroausgestat-
tet werden.
Gemäß dem Jahresbericht der Allianz
haben 2019 neunvon29Mitgliedstaaten
das angestrebte Ziel erreicht, zwei Pro-
zent ihrerWirtschaftsleistung fürVertei-
digung aufzuwenden.Neben Amerikawa-
rendas nach derHöheder Ausgaben: Bul-
garien, Griechenland, dasVereinigteKö-
nigreich, Estland, Rumänien, Litauen,
Lettland undPolen. Deutschlandkamauf
1,38 Prozent;die Ausgabenstiegen um
fünf auf 55 Milliarden Dollar.Die Verei-
nigtenStaatenwendeten730 Milliarden
Dollar auf, zwei Drittel dergesamtenAus-
gaben in derNato.

1945


„Vollständig auflösen“


Die AfDsteckt in der Krise, denn Corona istkein Gewinnerthema–mehr nochsetzt ihr aber derStreit um den „Flügel“ zu


Nato:Unsere Kräftebleiben einsatzbereit


Bisherkeine Erkrankungen in Einsätzen/Stoltenbergbesteht auf höherenAusgaben


VonReiner Burger,
Stefan Locke und
Markus Wehner

pca. BERLIN.Verteidigungsministerin
AnnegretKramp-Karrenbauer und Ge-
neralinspekteur EberhardZornhaben
die Fähigkeit und Bereitschaftder Bun-
deswehr bekräftigt, imFall der massi-
venAusweitung der Corona-Pandemie
zu helfen. Die Möglichkeitenreichten
vomSanitätswesen über die Logistik bis
hin zum Schutz kritischer Infrastruktu-
ren. Zugleichwürden alleVerpflichtun-
genaus demNato-Bündnis und den di-
versen Auslandseinsätzen erfüllt.Dazu
gehörtauchdie Wahrung derLuftho-
heit und die Bewachung derNato-Flan-
ke im Baltikum.
Die Ministerin berichtete, dasseszu
unverändertintensiver Stör-und Desin-
formationstätigkeitkomme. Russische
Truppen, die im Zugedes westlichen
Manövers „Defender 2020“ in Grenznä-
he zusammengezogen worden seien,
würden auchnach dem vorzeitigen
Ende des Manövers dortverbleiben. Es
würdenetwa Gerüchteverbreitet,wo-
nachschwere Waffen für bevorstehende
Ausnahmezustände zusammengezogen

würden. Dabei handele es sichaber le-
diglichumRücktransporte im Zusam-
menhang mit demvorzeitigen Ende des
Defender-Verlegemanövers.
Die Ministerinerklärte, die Bundes-
wehr sei „eineverlässliche Stütze unse-
resGemeinwesens“ und dem Motto
„Wir dienen Deutschland“verpflichtet.
Derzeit bereite sichdie Truppe darauf
vor, vorallem dann zu helfen, „wenn die
Durchhaltefähigkeit der zivilenKräfte
ans Endekommt“. Dazu liefen „hinter
den Kulissen“ seitWochen Vorbereitun-
gen, auchbei Reservisten.VomMiniste-
rium bis in die untersten Ebenen seien
Krisenstäbe eingerichtet, Kräfte einge-
teilt.Neben dem Sanitätswesenstün den
beispielsweiserund 7500 Lastwagen in
zwöl fLogistik-und Versorgungsbataillo-
nen bereit. Allerdings betonten sowohl
die Ministerinals auchZorn, dassman
die Bundeswehr nicht als patrouillieren-
de OrdnungsmachtimFalle derAus-
gangssperre oder bei „Corona-Partys“
betrachte. Ein solches Bild sehe er nicht
vorsich, soZorn,„das istnicht das,was
wir tunwollen undkönnen“.

DIE LETZTEN
KRIEGSWOCHEN

20.März


Die Bundeswehr als Krisenhelfer


„Wenn zivile Durchhaltefähigkeit ans Endekommt“


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