Frankfurter Allgemeine Zeitung - 25.03.2020

(Joyce) #1

F.A.Z.-Newsletter Coronavirus:


Behalten Sieden Überblick.


AlleNachrichten und Analysen über dieAusbreitung und


Bekämpfung der Epidemie täglich in Ihrem E-Mail-Postfach.


Jetzt kostenlos
abonnieren:
faz.net/corona

S

eit Anfang Märzhat sic hdie
Sicht der Deutschen auf die
LageimLand dramatischverän-
dert. In Umfrageergebnissen
spiegelt sichwider,dassviele
Deutsche die Meinung der Bundeskanzle-
rinteilen, die Corona-Krise sei die
schwersteKrise der Nach kriegszeit.
Schon in der ersten Märzhälfte wareine
Mehrheitvon63Prozent überzeugt, dass
das neue Coronavirus für Deutschland
eine Gefahr darstellt.Nachdem 13. März
stieg dieserWert auf 77 Prozent.
Wassichjedochvor allem änderte,war
das Gefühl persönlicher Betroffenheit.In
der er sten Märzhälfte fühltesichnur je-
der Drittepersönlichgefährdet, danach
dieMehrheit.Annäherndzwei Drittel der
Bürgerberichten auch, dassinihrem pri-
vatenUmfeld viele sehr beunruhigt sind.
WenigeTagezuvor hattenicht einmal je-
der Zweitediesen Eindruck.
Nureinmal zuvorgabesinden vergan-
gen20Jahren eine Situation, in der sich
die Mehrheit der Bevölkerung persönlich
bedroht fühlte, an der Jahreswende
2000/2001,als dieRinderseucheBSEgras-
sierte.ImDezember 2000 fühltesich
knapp die Hälfte der Bevölkerung durch
BSE persönlichbedroht;imJanuar 2001
warder Höhepunkt der Beunruhigung:
Zu diesemZeitpunkt empfanden 54 Pro-
zentderBürgerBSEalspersönlichesRisi-
ko.ImVergleichzur aktuellen Situation
erscheint die damaligeBeunruhigung der
Bevölkerungfastrührend,denndie objek-
tiveGefährdung hielt sichinengen Gren-
zen.DerStaaterließneueFuttermittelver-
ordnungen, hatteaber keinerlei Anlass,
Wirtschaf tund Bürgern gravierende Be-
schränkungen aufzuerlegen.
Die in derNach kriegszeit einmaligen
staatlichen Maßnahmenverstärken den
SinnfürdasAusmaßder Kriseweiter ,füh-
renaber zwangsläufig auchdazu, dass
sichneben dengesundheitlichen Risiken
existentielle materielle Ängste gravie-
rend verschärfen. Das hat bishernicht zur
Folge, dassdie drakonischen Maßnah-
men inFragegestellt werden. Solangesie
hoffenlassen,dassdamitdasInfektionsri-
sikoeingedämmtwerden kann und damit
die Situation insgesamt beherrschbarer
wird, trägt die überwältigende Mehrheit
diesenKurs mit.Dazu trägt auchdie Sor-
ge bei, dassdie individuellen Möglichkei-
ten, sic hzuschützen, begrenzt sind. 54
Prozent der Bürgerbefürchten,dasssich
der Einzelne kaum wirksam schützen
kann; auchdiese Überzeugung hat sich
seit MitteMärzverstärkt.
Dies istjedochkeineswegs mitFatalis-
mus gleichzusetzen. Die überwältigende
Mehrheit bemühtesichbereitsvordem
Verbotvon Großveranstaltungen undvor
der Verhängung vonKontaktverboten
und AusgangssperrenumAbstand, ver-
mied es, anderen die Hände zu schütteln,
mied Menschenansammlungen, soweit
möglichauchdie Nutzung des öffentli-
chen Nahver kehrs, und beachtetedie Hy-
gieneratschläge. Trotzdem wurden das
Gefühl persönlicher Bedrohung und da-
mit auchder Rückhalt fürweitreichende
Einschränkungen des öffentlichen Le-
bens größer.
Die Zahl derjenigen, die dieReaktio-
nenfürübertrieben hält,wirdimmerklei-
ner.Inder er sten Märzhälfte gaben noch
29 Prozent zu Protokoll, ihnengehe die
Aufregung auf dieNerven, diese Hysterie
sei nicht gerechtfertigt.Nachdem


  1. Märzschmolz dieses Lagerraschauf
    17 Prozent ab.Para llel ging auchdie Kri-
    tik an der Berichterstattung der Medien
    zurück. In der ersten Märzhälfte warfen
    noch39Prozent der Bürgerden Medien
    Panikmachevor, danachnur noc h24Pro-
    zent. DerAnteilderBürger,die derAussa-
    ge,die Medien sätenPanik, entschieden
    widersprechen,stieg von38auf 57 Pro-
    zent steil an. Die Berichterstattung über
    die Schweinegrippe vorgut zehn Jahren
    wurdeweitaus kritischer bewertet und
    vondergroßenMehrheitalsungerechtfer-
    tigtePanikmache eingestuft. Der Anteil
    der Bürger, die eineweltweit eKatastro-


phe befürchten,hat sic hbinnenweniger
Tage vo n16auf 34 Prozentverdoppelt.
Einerseits fühlt sichdie große Mehr-
heit über das Virus und die möglichen
Gefahrenausreichend informiert;61 Pro-
zent sind dieser Ansicht, 26 Prozent be-
klagen Informationsdefizite. DieAbsol-
venten einerhöheren Schulbildungund
vorallem dieoberen Einkommensschich-
tenstufen ihren Informationsstand dabei
signifikant besser ein alsdieschwäche-
rensozialenSchichten.DieBilanzder
Mehrheit, die sichgut informiertfühlt,
steht jedochunter demVorbehalt, dass
das abgesicherte Wissen zurzeit noch
Grenzenhat.Sof ällt es 68 Prozent trotz
der immensenInformationsflut schwer
einzuschätzen, wie bedrohlichdas Virus
wirklichist.70Prozent haben den Ein-
druc k, dasssichauchdie Wissenschaft
mit dieser Einschätzungschwertut.Da,
wo konkreteInformationengegebenwer-
den, erreichen sie die Mehrheit auch. So
istder Mehrheit bewusst,dassdie meis-
tenInfektionen mit Sars-Cov2einen
leichtenVerlauf nehmen.
Durch die rigorosenstaatlichen Maß-
nahmen treten nachden gesundheitli-
chen nun die wirtschaftlichen Risiken im-

mer mehr in denVordergrund. In der ers-
tenMärzhälfte machtesichknapp die
Hälfte der Bevölkerung Sorgenüber ei-
nen Einbruchder Wirtschaf t. In denTa-
gendanachschnelltedieser Anteil auf an-
nähernd 70 Prozent hoch. Die höheren
Bildungs- und Einkommensschichten
sind in dieser Beziehung zurzeit deutlich
beunruhigter als die schwächeren sozia-
len Schichten.
ÄngstevorVersorgungsengpässen spie-
len dagegen in allen Schichten eineunter-
geordn eteRolleundsindindenvergange-
nen 14Tagenauchnur begrenzt gestie-
gen. Insgesamt machen sich36Prozent
der BürgerSorgen, das sbestimmtePro-
dukteknapp werden könnten; Frauen
beunruhigt diese Vorstellung mehr als
Männer,Personen mit einfachem Bil-
dungsabschlussmehr als die höheren Bil-
dungsschichten.Nureine Minderheit hat
Vorräteangelegt, aber diese Minderheit
geht in die Millionen und hinterlässt da-
durch entsprechende Spuren in denRega-
len: Knapp jederFünfte hat Lebensmittel
aufVorratgekauft,zwölfProzentMedika-
mente, neun ProzentAtemschutzmasken.
Der Kreis, der darüber nachdenkt, ob
nicht eineAufstockung der Lebensmittel-

vorrätesinnvoll wäre,hat sic hzwischen
der er sten Märzhälfte und denTagenda-
nachvon 18 auf 24 Prozent erhöht.
Aber eineVerknappung einzelnerWa-
renist in wirtschaftlicher Hinsicht diege-
ringsteSorge der Bürger. Mit jedemTag
wächst die Besorgnis, dassdie ökonomi-
schenAuswirkungen nur schwer zu be-
herrschensin dundbal dauchdenArbeits-
markt tiefgreifend verändern. Die Ein-
schätzung der wirtschaftlichenPerspekti-
venist innerhalbvondrei Wochen von
entspanntem Optimismus in tiefenPessi-
mis musumgeschla gen.Noch EndeFebru-
ar rechnete die Hälfte der Bürgerfür die
kommendensechsMonatemit einerstabi-
lenKonjunktur,weitere 13Prozentmitei-
nemAufwärtstrend,nur28Prozentmitei-
nem Abschwung. Schon in der ersten
Märzhälfte stieg die Sorge voreinem Ab-
schwungvon28auf 59Prozent,indenTa-
gendanachauf über 70 Prozent.
Kein anderes Ereignis dervergangenen
Jahrzehntehat eine derartstarkeReak-
tion in einem sokurzen Zeitraum hervor-
gerufen, weder dieWirtschafts- undFi-
nanzmarktkrise nochdie Anschlägevom


  1. September 2001 oder dieRezession
    1992/93nachdemEinheitsboom.Zwar
    gingen auchimDezember 2008etwa 70
    Prozent der Bevölkerungvoneinem fort-
    gesetztenKonjunktureinbruchaus; diese
    Einschätzung hattesichjedochdamals
    über vier Monatehinwegsukzessiveauf-
    gebaut, nicht innerhalbvondrei Wochen
    wie dieses Mal.
    Das ökonomische Risikotrifftdie Be-
    völkerungnacheinerlangenAufschwung-
    phase, in der sichimmer mehr Deutsche
    in einer gesicher tenmateriellen Lage
    wähnten, die so leicht durch nichts zu er-
    schütternsei.SogingenÄngstevoreinem
    Verlustdes Arbeitsplatzes seit 2013 bis
    Anfa ng 2020von25auf zwölf Prozent zu-
    rück, die Sorge vorEinkommenseinbu-
    ßenvon48auf 27Prozent,Inflationsängs-
    te von46auf 26 Prozent.Die große Mehr-
    heit der Bürgerging nochvor kurzem da-
    vonaus, dassihrematerielle Lageinden
    kommenden Jahrenstabil oder besser
    sein würde als heute. Diese Sicherheit ist
    zunächstdahin. Auchdie Wirtschafts-
    und Finanzmarktkrisewarfür Wirtschaft
    und Bevölkerung ein Schock. Die Auswir-
    kungen auf den Arbeitsmarkt und die Be-
    völkerung hielten sichjedochinengen
    Grenzen: ImRückblickäußerten
    nur acht Prozent, dasssie vonder Krise
    persönlichökonomischbetroffen waren.
    Es is tzurzeit kaum vorstellbar,dassdie
    drastischen Einschränkungen der wirt-
    schaftlichenTätigkeitimLand fürdieBür-
    gerähnlichglimpflichabgehen. Viel
    hängtdavonab, wieraschbeider Verlang-
    samung derAusbreitung desViruswelt-
    weit Er folgeerzielt werden und wie er-
    folgreichdie staatlichen Bemühungen
    sind, die Belastungen für dieWirtschaft
    und die Bürgerabzufedern.
    DieHoffnung,dasssichdasThema Co-
    vid-19 in einigenWochen erledigt hat,
    schwindetinder Be völkerung. In der ers-
    tenMärzhälfte gingendavonnoch34 Pro-
    zent der Bürgeraus, in denTagendanach
    nur noch jeder Vierte.Wie tief der
    Schoc ksitzt, zeigt die Messung des Hoff-
    nungspegels der Bevölkerung. Seit 1949
    beobachtet das Institut für Demoskopie,
    wieweit die Bürgerden kommenden
    zwölf Monaten hoffnungsvoll oder pessi-
    mistischgestimmt entgegenblicken. In
    diesen 70 Jahrengabesachtmal tiefeEin-
    brüche des Hoffnungspegels, insbesonde-
    re beim Ausbruc hdes Korea-Kriegs 1950,
    während der beiden Ölkrisen, nachden
    Anschlägen 2001 und beimAusbruc hder
    Wirtschafts- undFinanzmarktkrise.
    Diesmal istder Einbruchbesonders
    heftig:Noch zum Jahresende 2019 sahen
    49 Prozent der Bevölkerung dem Jahr
    2020 voller Hoffnungen entgegen,weni-
    gerals einFünftelmit Befürchtungen.
    Diese Stimmungslagehielt sichbis in den
    Februar hinein; seither sind die Hoffnun-
    generdrutschartig auf 24 Prozentverfal-
    len –sotief wie noch nie. 44 Prozent se-
    hen nun denkommenden zwölf Monaten
    mit ausgeprägten Befürchtungen entge-
    gen, weiter e25Prozent mit Skepsis.


S


panien istnachItalien das eu-
ropäische Land, dasvomCo-
ronairus besondersheimge-
suchtwird. Infektions-undTodeszah-
len steigen furchterregend schnell, so
dassman sic hvorstellen kann, dass
vieleKrankenhäuser,vor allemin der
Hauptstadtregion, an der Grenze der
Belastbarkeit arbeiten–oder schon
darüberhinaus sind.TausendePflege-
kräf te und Ärztehaben sichmit dem
Virusinfiziert. Dramatisch istdie
LageinAlten- und Pflegeheimen.
Daran wirdsichfürsErste wenig än-
dern. Unddochist die Meldung, Sol-
daten hätten in mehreren Altenhei-
men zahlreiche Bewohner totinih-
renBetten ent deckt, schlimmer als
all das Schlimme, vondem wir bisher
erfah renhaben.
Man darfnicht vorschnell einUr-
teil fällen,schongarnichtausderFer-
ne. Aber of fensichtlichgibt es gravie-
rende Missstände, und das nicht erst
seit gestern. Fürdiese Missstände,die
einenMassen todzur Folgehaben,
wirdirgendjemand verantwortlich
sein;nicht die Pflegekräfte,die über-
fordertsindunddiedarüberschonlan-
ge klagen. DieRegierung hat die Al-
tenheime unterbesondere Kontrolle
gestellt;sie hat drastische Maßnah-
men verhängt, die noch Wochenin
Kraf tbleibenwerden.Wenndi eCoro-
na-Krise überwundenist,wirdauch
Spanien sichfragen müssen, wie es
kommenkonnteund warumeszuge-
lassen wurde, dassineinem moder-
nen Land Zustände herrschen konn-
ten, dieunwürdig,jatödlich sind.Die-
se Zus tände sind eine moralische und
politischeAnklage.


Tödliche Zustände


VonKlaus-DieterFrankenberger

DEUTSCHE FRAGEN –DEUTSCHEANTWORTEN


D

ie Nachrichtvon einemnie
dagewesenenAnstiegderpo-
lizeilich erfasstenFälle von
Kinderpornographie um sageund
schreibe 65 Prozent sollteniemanden
verwundern.Denn dieseZahl macht
nureineswirklic hdeutlich:dassdieSi-
cherheitsbehörden die Ermittlungs-
möglichkeiten, die ihnen der Gesetz-
geber nach und nach zugebilligthat,
auchwirklic hnutzen. Dochjemehr
Licht in das Dunkelfeld der Kinder-
pornographie und auchindas des se-
xuellen Kindesmissbrauchs fällt, des-
to größer solltedas Erschreckensein
angesichts des vieltausendfachen
Leids, dem die Schwächsteninunse-
rerGesellschaftausgesetzt sind.Und
das nicht alleinanderen Rändern,
sonderninderen Mitte,vor allem im
familiärenNahbereich.
Wasaber is tzutun undvonwem?
Sollten die Internetprovider dazuver-
pflichtetwerden, Kinderpornogra-
phie zu melden,würde dieZahl der
Tatverdächtigennachgeradeexplodie-
ren–es sei denn,die verbesserten Er-
mittlungsmethoden oder auchein hö-
herer Strafrahmen entfalteten schnell
eineabschreckende Wirkung. Doch
das is tnur einevage Hoffnung.Einst-
weilen bleibt die bittereWahrheit,
dassjeden TaginDeutschland min-
destens vier KinderOpfer sexueller
Gewalt werden. Zu dieserWahrheit
gehörtauch, dassimOsten Deutsch-
lands die Wahrscheinlichkeit, dass
KindernGewalt angetan wird, zum
Teil doppelt so hochist wie imWes-
ten.UnddasallesvorderCorona-Kri-
se. Jetzt aber mussesmehr denn je
heißen: Nichtwegschauen.


Seine ersten Spielebleiben einstwei-
len die erfolgreichsten. 1976 in Mont-
real wurde Thomas BachOlympiasie-
germit der bundesdeutschen Florett-
mannschaft.Vier Jahrespäter durfte
er nicht auf die Planche: Die sowjeti-
sche ArmeewarinAfghanistanein-
marschiert, dieVereinigtenStaaten
boykottiertendeshalbdieSpielein
Moskau, und Deutschlandfolgteih-
nen. Diese Erfahrung prägteBachs
Entschluss,indie Sportpolitikzuge-
hen: Pragmatisch, ausdauernd und er-
folgreich, gefördertvon de nMächti-
genimOlymp und seinen Sponsoren,
stieg er auf.
Die OlympischenWinterspiele in
Sotschi 2014waren die ersten, die der
Mainfrankeals Präsident des Interna-
tionalen Olympischen Komitees
(IOC) eröffnete.RusslandsPräsident
WladimirPutinführteBachdabei vor,
waservomolympischenFriedenhält:
Die Annexionder Krim ordnete Putin
nochvor der Schlussfeier an. Bach
wirkt edadurch nicht erkennbarver-
grätzt.Zueiner konsequenten Ahn-
dung des staatlichen Dopings,das
RusslanddamalsandieSpitzedesMe-
daillenspiegelsgeführthatte, konnten
sichweder Bachs IOC nochdie vom
IOC beeinflussteWelt-Anti-Doping-
Agenturentschließen.
Nachdem auchauf denweiteren
Spielenseither–Rio2016wargekenn-
zeichnetvon Korruption,Staatsver-
schuldung,gleichdanacheintreten-
dem Verfall derwesentlichen Sport-
stätten; dieWinterspiele 2018vonder
Einöde der südkoreanischen Provinz
Pyeongchang –nur fahles Licht lag,
sollte Tokio2020einGlanzpunktwer-
den. Dassesbei derVergabe dieser
Spiele während der IOC-Session
2013,dieBac hzumPräsidentenmach-
te,Anhaltspunktefür unlautereDeals
gibt,dassdieAusgabenweithöherlie-
genals geplant –fastPetitessen.
Dochnun zwingtdiePandemieden
66 Jahrealten Wirtschaftsjuristen
Bachzum Gang auf unbekanntesTer-
rain.Die Spiele müssenverschoben
werden, er stmals seit der Erstaustra-
gung in modernerForm 1896. Undes
wirdoffenbar:Bei Sportlerninaller
Welt verfängt Bachs Ansprache nicht
mehr.NochamSonntagabend appel-
lierte er an „meine lieben Mitathle-
ten“: In der „beispiellosenKrise sind
wirallevereint“.Zu diesemZeitpunkt
hatten sichAthletensprecher wie der
DeutscheMaxHartungöffentlichfrei-
gemachtvondem Druck, denihnen
Bachs IOC auferlegt hatte, in diesen
Zeiten einfachweiterzutrainieren.
Im IOCgalt Bachs Macht bisher als
uneingeschränkt, schon weil seine
Verträge mit Sponsorenund Fernseh-
sendernein glänzendeswirtschaftli-
ches Fundament legen. Dochnun
muss er Gestaltungskraftineiner glo-
balen Krise beweisen –begleit et von
einerwachsenden Zahl vonSport-
lern, die sichnicht mehr alskörper-
lichgestähl te Teilnehmer einerglän-
zendenFernsehshowsehen,sondern
als Kritiker des olympischenStatus
quo. 202 1will Bac halsIOC-Präsident
wiedergewählt werden.
CHRISTOPH BECKER

Erdr utsch artig er Absturz


Ein dunkles Feld


VonDaniel Deckers

ThomasBACH Foto EPA

Covid-19 lässt die Deutschen


so pessimistischwerden wie


keine andereKrise seit 1949.


Prof. Dr.RenateKöcher,


Institut für Demoskopie


Allensbach


NiedrigsterStandderHoffnungseit


Gründung der Bundesrepublik


F.A.Z.-Grafik Niebel

Basis:Umfragen jeweils am Jahresende, 2020:März, 1949-1989:Westdeutschland, ab 1990 Gesamtdeutschland
Quelle: Institut für Demoskopie fü rAllensbach

Es sehen denkommenden 12 Monaten
mit Hoffnung entgegen:

1950:
Koreakrieg

1961:
Mauerbau

1973:


  1. Ölkrise


1979/80:


  1. Ölkrise


Anschlägevom
11.Sept.

2008:
Beginn
Finanz-
marktkrise
Flüchtlingswelle
undTerror-
anschläge

Corona-Krise

Rezession und
Flüchtlingswelle
vomBalkan

24

41

34
34
30

44

27

31

37

1949

%

1960 1970 1980 1990 200020102020

20

30

40

50

60

70

80

Aufneuem


Terrain


DieGrünen

AfD

CDUCDU//CSUCSU

Quelle: Institut für Demoskopie Allensbach; jüngste Umfrage: 5. bis18. März, 1219 Befragte.GerundeteAngaben. F.A.Z.-Grafik Niebel

Die Stärke der Parteien
Wenn schon am nächstenSonntagBundestagswahlwäre ,welchePartei würden Siewählen?
(Zweitstimmen-ErgebnisseinProzent)

24.9.

BundestagsBundestagsw ahlwahl 2018 2019

32,

20,

12,
10,
9,
8,
5,

Jan. Juli Jan.MJuli ärz

20182019 2020

SPD

Sonstige

23,

8,0 Linke

16,

29,

11,

5,

7,0 FDP

SEITE 8·MITTWOCH, 25.MÄRZ2020·NR. 72 Zeitgeschehen FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG

Free download pdf