FOCUS - ALE (2022-05-07)

(EriveltonMoraes) #1
UNTERNEHMEN

viel verbessert. Ist alles schon gut? Nein.
Aber man sollte auch mal die Verbesse-
rungen würdigen, finde ich.
Blicken wir in Deutschland zu sehr durch
unsere Moralbrille auf die Volksrepublik?
Manchmal sind wir vielleicht etwas
geschichtsvergessen, finden Sie nicht?
Auch die meisten Länder Europas haben
doch teils dunkelste Flecken in ihrer
Vergangenheit. Ich find’s zum Beispiel
im Fall China auch unfair, als es hieß,
dass Olympische Winterspiele nur dort
stattfinden sollten, wo die Sportarten eine
Tradition haben. Dann kämen ja nur noch
Orte wie Garmisch, St. Moritz oder Lille-
hammer infrage.
Macht es Sinn, in einem Wüsten-
staat wie Katar eine Fußballwelt-
meisterschaft zu starten?
Auch da muss ich sagen: Katar hat sich
sehr verändert, modernisiert. Dann kann
man zwar fragen: Was davon ist dem Sport
zu verdanken? Aber der viel schlechtere
Weg, mit solchen Ländern umzugehen,
sind Boykotte.
Katar ist nicht nur wegen seiner auto-
kratischen Führung in der Kritik, sondern
auch, weil klimatisierte Rasenflächen
in der Wüste nicht gerade nachhaltig
sind – ein Thema, das auch Puma sehr
umtreibt. Wie ernst nehmen Sie’s
wirklich mit der Nachhaltigkeit?
Sehr! Da hat sich wirklich viel ver-
ändert. Vor zehn Jahren
war das Interesse der Ver-
braucher noch nahe null.
Damals wären selbst bei uns
hier kaum Leute von einem
Town-Hall-Meeting rund um
Klimaschutz zu begeistern
gewesen. Jetzt ist die Halle
voll. Die Generation Greta
hat da ein neues Bewusst-
sein geschaffen, das echt ist.
Auch Sie wollen bis
2025 für einen Anteil von 90 Prozent
nachhaltig produzierter Klamotten
sorgen. Was heißt das für Puma?
Dass wir versuchen müssen, den Mas-
senmarkt für Nachhaltigkeit zu öffnen.
Inzwischen hat sich auch das Bewusstsein
bei den Zulieferern drastisch verändert.
Ich bin sehr optimistisch für das, was wir
als Industrie erreichen können.
Wegen Nachhaltigkeit allein kauft
aber kein Kunde Sportartikel. Wie viel
Prozent des Produkterfolgs gehen am
Ende auf Ihre Werbestars zurück?
Auf Dauer machen diese Botschafter
100 Prozent des Erfolgs aus. Denn wenn


die unsere Produkte nicht zeigen, ver-
schwinden sie – und wir gleich mit.
Wie viel ist Ihnen das wert?
Unsere gesamten Marketingausga-
ben machen etwa zehn Prozent unseres
Umsatzes aus.
Also rund 700 Millionen Euro jährlich.
Angeblich bekommt allein der Fußball-
star Neymar 115 Millionen Euro.
Wenn das stimmen würde,
wäre ich nicht mehr Puma-
Chef. Es ist viel weniger, als
Sie denken.
Woher wissen Sie, was ein
Star für Puma wert ist?
Es gibt tausend Agenturen, die ver-
suchen, das zu messen. Wenn es dafür
eine Formel gäbe, wäre ich reich. Am
Ende ist es eine Mischung aus Abver-
käufen und Bauchgefühl.
Was sagt Ihr Bauchgefühl über Ihren
norwegischen Landsmann und Noch-BVB-
Stürmer Erling Haaland, um den Sie sich
seit Monaten bemühen? Wie stehen die
Chancen für Puma, ihn zu verpflichten?
Erling war für den BVB von Tag eins
an eine Erfolgsgeschichte, auch wenn die
Sportpresse ihn manchmal hart kritisiert.
Der Junge hat nichts falsch gemacht.
Wir kennen uns ja schon sehr lange, und
ich erinnere ihn und seinen Vater immer
gerne daran, dass ich mit unser aller Hei-
matverein Bryne norwegischer Meister
wurde – und die beiden nicht. Hahaha!
Für den BVB hat Erling schon 80 Tore
geschossen. Wenn man sich ansieht, was
der BVB für ihn bezahlt hat und wel-
che Summen jetzt bei einem möglichen
Vereinswechsel aufgerufen werden, ist
das für alle Beteiligten ein sehr schöner
Erfolg.
Aber langsam könnte er sich mal entschei-
den, oder? Die Hängepartie müsste Sie als
BVB-Aufsichtsrat allmählich nerven?
Erling hat die volle Freiheit, sich zu
entscheiden, wann er will.
Beraten Sie ihn?
Ich bin nur ein Freund seines Papas.
Berater haben die genug.
Wenn Sie als Puma-Chef einen Wunsch
frei hätten, ginge Haaland zum Puma-
Klub Manchester City, oder?
Wenn ich es mir wünschen dürfte, würde
er noch ein Jahr beim BVB bleiben und in
Puma-Schuhen die deutsche Meisterschaft
feiern. Aber ich weiß nicht, wie hoch die
Wahrscheinlichkeit tatsächlich ist.
Lokalrivale Adidas hat sogar Haalands
Idol, den französischen Weltmeister
Zinedine Zidane, eingeflogen, um

450

Euro verlangt Puma für seinen
aktuell teuersten Sneaker, den
ION F, eine Kooperation mit Ferrari

1


Land gibt es weltweit,
in dem Puma Markt­
führer ist: Indien, vor
allem wegen Cricket

Millionen Euro Gewinn
bedeuten fast viermal
mehr als 2020

Prozent Plus meldete Puma in Nordamerika im ersten Quartal

39


6,8
Milliarden Euro Umsatz hat
der Dax-Konzern 2021
erzielt – so viel wie nie zuvor

Puma in Zahlen


310


Auf dem Sprung
Um BVB­Stür­
mer Erling Haa­
land reißen sich
derzeit Vereine
und Ausrüster
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