FOCUS - ALE (2022-05-07)

(EriveltonMoraes) #1
WISSEN

74 FOCUS 19/2022

der Himmel lebendig, vor allem
abends. „Sort sol“ – schwarze
Sonne – nennen wir Dänen das
Phänomen, weil die Tiere die
untergehende Sonne verdecken
können. Später dokumentierte
ich die Formationen der Vögel
auch in Italien, England, Irland,
Spanien und den Niederlanden.

Nützliche Nähe
Es gibt keine einzelne, endgül­
tige Erklärung dafür, warum Sta­
re Schwärme bilden. Eine Theo­
rie besagt, dass sich die Vögel
zu großen Gruppen zusammen­
schließen, damit sie sich an ihren
Schlafplätzen gegenseitig wär­

men können. Die meisten Wis­
senschaftler vermuten jedoch,
ihr Verhalten helfe den Tieren,
um sich vor Feinden zu schüt­
zen. Als Kollektiv verwirren sie
die Raubvögel und reduzieren
das Risiko für jedes einzel­
ne Individuum. Die wildesten
Flugbewegungen der Schwär­
me beobachtete ich, sobald ein
Falke oder Habicht einen Angriff
unternahm.
Schwieriger zu erklären ist es,
wie es den Vögeln gelingt, sich
in so großer Nähe und so koordi­
niert und perfekt synchronisiert
zu bewegen. Studien ergaben,
dass jeder Star auf seine sechs

oder sieben nächsten Nachbarn
reagiert. So entsteht offenbar eine
Balance zwischen dem Zusam­
menhalt der Gruppe und dem
Spielraum des einzelnen Tieres.
Ähnlich wie bei Schwärmen von
Fischen oder Mücken kann jeder
Star über eine Kaskade von Re ­
aktionen die ganze Gruppe beein­
flussen, egal wie groß sie ist.

Betörendes Ballett
Wenn sich die vielen Tausend
Stare bewegen, als wären sie ein
einziger Organismus, scheint es,
als zöge ein Kalligraf seine Pinsel­
striche über den Himmel. Inmitten
des Schwarms entstehen Formen
und Linien; abstrakte Muster ver­
ändern und regen sich, interferie­
rende Wellen bauen sich auf. Mal
wirkt das Wogen der Schwärme
meditativ, mal hochdramatisch.
Die Vögel tanzen ein betörendes
Ballett, bei dem es gelegentlich
um Leben und Tod geht.
Die himmlische Herde scheint
die Bindekräfte von Supraflüs­
sigkeiten zu besitzen. Im ständi­
gen Wandel, in einem pausen­
losen Fluss der Formen, ändert
sie ihr Erscheinungsbild. Sie
changiert zwischen strenger
Geometrie und freier, orga­
nischer Struktur, zwischen
fest und fließend, zwischen
erdgebunden und äthe­
risch, zwischen Wirklich­
keit und Traum. Diese Mo ­
mente wollte ich mit meiner
Kamera einfangen. Es sind
Fragmente der Ewigkeit. n

Drei Jahre auf der Pirsch Der Fotograf Søren
Solkær, Jahrgang 1969, wurde bekannt mit sei-
nen Porträts von Künstlerinnen wie Björk, Amy
Winehouse oder Patti Smith. Der Tanz der Stare
begeistert ihn seit seiner Kindheit. Ihm widmete
er seinen Bildband „Black Sun“
(172 Seiten, 499 DKK, zu bezie-
hen über sorensolkaer.com)

Z e h n t a u s e n d e


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ganismus
Fantastische Formationen An ein himmlisches Herz, springende
Wale oder an einen Fäustling erinnern Bilder aus Nordfriesland,
dem Sumpfgebiet De Houtwiel in den Niederlanden und aus der Nähe
des Haasberger Sees an der deutsch-dänischen Grenze
Seine Pracht
wird selten
Helle Federspitzen las-
sen den Gemeinen Star
(Sturnus vulgaris)
gepunktet erscheinen.
Sein Gesang ist ein
„Spotten“ – er kann
Tierstimmen und auch
Handyklingeln imitie-
ren. Weinbauern und
Besitzer von Kirsch-
bäumen fürchten seine
hungrigen Schwärme.
Der Star ist zwar nach
dem Spatz die zweit-
häufigste Vogelart der
Welt, doch seit etwa
50 Jahren schwinden
die Bestände in Nord-
west- und Nordeuropa,
vermutlich auch
wegen des Einsatzes
von Pestiziden
Dieser Text
zeigt evtl. Pro-
bleme beim
Text an
Näher geht nicht.
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