Beobachter - 30.08.2019

(Jeff_L) #1

Rückgang der Insekten: Dafür ver ant­
wortlich sei auch «die intensive Land­
nutzung mit ihrem grossen Einsatz von
Pestiziden». Das ETH­Wasser for­
schungs institut Eawag berichtete eben­
falls im April, dass in fünf ländlichen
Bächen 66 Pestizide die Grenzwerte
überschreiten. Für Pflanzen und Tiere
im Wasser habe «ein akut toxisches Ri­
siko» bestanden. Und das Bundesamt
für Umwelt meldete im August, dass das
Grundwasser an jeder zweiten Mess­
stelle Spuren von Pestiziden enthält.
Beim Bundes amt für Landwirtschaft
reagiert man auf die schlechte Publi city


genervt. Man werde dauernd kritisiert,
obwohl man viel gegen Pestizide unter­
nehme, sagen Mitarbeitende. Bereichs­
leiter Olivier Félix sagt, dass der Bund
mit dem Aktionsplan Pflanzenschutz­
mittel unzählige Einzelmassnahmen
umsetze, die den Pestizidverbrauch
senken sollen. Auch den Vergleich mit
dem Ausland müssten die Schweizer
Bauern nicht scheuen: «In der Schweiz
werden pro Hektare landwirtschaftliche
Nutzfläche weniger Pestizide gebraucht
als in umliegenden Ländern.» Mit
einem Balkendiagramm will Olivier
Félix beweisen, dass die Schweizer

Land wirte weniger Gift auf Äcker und
Wiesen sprühen als ihre Kollegen in
Frankreich und Deutschland.

Den Verbrauch kleingerechnet. Doch
der Vergleich des Bundesamts sei
«nicht aussagekräftig», sagt ETH­
Professor Robert Finger. Das liegt auch
am fragwürdigen Rechenmodell. So
zählt das Bundesamt Wiesen und
Weiden zur Landwirtschaftsfläche, ob­
wohl dort wenig bis gar keine Pestizide
gespritzt werden. Dadurch steht das
Wiesenland Schweiz automatisch bes­
ser da als die Nachbarländer. Mit seiner

1000
Tonnen verkaufte Pestizide verschwinden
jedes Jahr in der Schweizer Landschaft,
ohne dass sie in der Statistik auftauchen.
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