Frankfurter Allgemeine Zeitung - 31.08.2019

(Jeff_L) #1

SEITE 28·SAMSTAG, 31. AUGUST 2019·NR. 202 Unternehmen FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG


D


ieBeteiligungen des Familienkon-
zerns Haniel sind ein bunter
Strauß: ein Unternehmen für Matrat-
zenbezüge, eines für Hygieneartikel, es
gibt Recycling-Maschinen und Fischver-
arbeitungssysteme, Verpackungen und
einen Spezialversand. Gemeinsam ha-
ben die Unternehmen, dass sie Mittel-
ständler sind, in denen die Duisburger
Beteiligungsgesellschaft mit ihrer lan-
gen Tradition ein langfristiges Invest-
ment sieht. Eine lange Beziehung be-
deutet aber freilich nicht, dass sie für
immer halten muss: Das zeigt sich dar-
an, dass sich Haniel auch nach der ge-
scheiterten Metro-Übernahme weiter-
hin von seinen Anteilen an dem Han-
delskonzern trennen will. Bei Cecono-
my glaubt der Vorstand daran, dass die
Wende im Geschäft mit Unterhaltungs-
elektronik noch gelingen kann und Me-
dia Markt und Saturn mit ihren Ge-
schäften gegen Amazon bestehen kön-
nen. Die Beteiligung von 23 Prozent
steht derzeit trotz mauer Geschäftszah-
len nicht in Frage. Rosigere Zukunfts-
aussichten dürfte Haniel aber gleich-
wohl in den Tochterunternehmen se-
hen, weil das allesamt Geschäftsberei-
che sind, die zwar in der Nische stattfin-
den, aber auch große Digitalisierungs-
chancen versprechen. Je größer Ha-
niels Einfluss, desto leichter fällt die
Gestaltung. Das zeigt auch die Kom-
plettübernahme des Hygiene-Anbie-
ters CWS: Mit der vollen Kontrolle soll
das Geschäft stärker anziehen.

FRANKFURT, 30. August


D


ie Deutsche Bank treibt den am



  1. Juli beschlossenen Konzernum-
    bau voran, zu dem Kostensenkun-
    gen um 25 Prozent und die Aufgabe des
    Aktienhandels gehören. Als eine Maßnah-
    me, die Kosten zu drücken, wird für das
    Privatkundengeschäft in Deutschland ge-
    rade geprüft, ob auch Filialen geschlossen
    werden. „Derzeit wird vieles angeschaut
    und durchgerechnet, aber entschieden ist
    noch nichts“, sagte ein Kenner der Lage
    am Freitag der F.A.Z. zu einer Spekulati-
    on der „Wirtschaftswoche“, die Deutsche
    Bank könnte 200 Filialen schließen.
    Im Juli hatte die Deutsche Bank be-
    schlossen, im Privatkundengeschäft bis
    2022 die Kosten um 1,4 Milliarden Euro
    zu senken. Derzeit betreibt sie unter der
    Marke Deutsche Bank 535 und unter der
    Marke Postbank 850 Filialen, das sind zu-
    sammen fast 1400 deutsche Zweigstellen.
    Damit ist dieses Filialnetz deutlich dich-
    ter als etwa das der Commerzbank mit
    1000 Filialen. Selbst wenn die Deutsche
    Bank 200 Filialen und damit jede siebte
    Filiale schlösse, hätte sie noch 20 Prozent
    mehr Zweigstellen. Allerdings betreut die
    Deutsche Bank auch mit 20 Millionen
    deutlich mehr Privatkunden als die Com-
    merzbank mit 12 Millionen.
    Die Commerzbank will ihrerseits Ende
    September entscheiden, wie stark sie an
    ihrem Filialnetz festhalten will. Auch sie
    prüft derzeit, ob und wie viele ihrer Stand-
    orte sie verkleinert. Dahinter steht der
    Trend, dass viele Kunden immer mehr
    Kontakt zu ihrer Bank über das Internet
    suchen und nur für wenige Fragestellun-
    gen eine Filiale aufsuchen. Anderseits ma-
    chen die Mietkosten für das gesamte Fili-
    alnetz etwa bei der Commerzbank nur
    etwa 7 Prozent der Gesamtkosten aus.
    Nach der Fusion mit der Dresdner
    Bank im Jahr 2009 hatte die Commerz-
    bank 400 Filialen zusammengelegt. Seit-
    dem hat sie nur kleine Arrondierungen
    vorgenommen. Die Deutsche Bank dage-
    gen hat ihr Filialnetz in den vergangenen
    Jahren schon deutlich ausgedünnt, wie
    ein Blick in alte Geschäftsberichte zeigt.
    So betrieben 2014 die Deutsche Bank
    noch etwa 750 und die Postbank 1100 Fi-


lialen, zusammen also 1850 Filialen und
damit 450 mehr als heute noch.
Wenn nun die Schließung weiterer Fi-
lialen geprüft wird, hat das vermutlich
auch mit der zunehmenden Verschmel-
zung von Deutscher Bank und Postbank
zu tun, die lange auf sich warten ließ. Erst
seit vergangenem Jahr ist die 2009 gekauf-
te Postbank voll in die Deutsche Bank in-
tegriert. Zudem sorgt ein Wechsel in der
Führung in diesem Sommer für neue An-
stöße. Mit Bekanntgabe des Konzernum-
baus Anfang Juli schied der langjährige
Postbank-Chef Frank Strauß aus dem Vor-
stand der Deutschen Bank aus. Seither
verantwortet der stellvertretende Vor-
standsvorsitzende Karl von Rohr das Pri-
vatkundengeschäft. Am 1. August trat zu-
dem Manfred Knof, bis 2017 Deutsch-
land-Chef des Versicherers Allianz, als
neuer Leiter des Privatkundengeschäfts
an. In den vergangenen Wochen gab es
schon Spekulationen, die Deutsche Bank
könnte die Marke „Postbank“ aufgeben,
was die Deutsche Bank allerdings deut-
lich dementiert hat. Gerüchte gibt es
auch immer wieder um den Standort
Bonn, die Zentrale der früheren Post-
bank. Er werde bedeutend bleiben, hieß
es zuletzt von der Deutschen Bank. Ob
aber der eigentlich geplante Umzug in ein
neues Gebäude tatsächlich erfolgen wird,
ist offenbar fraglich.
Bis spätestens zum Investorentag im
Dezember wird wohl über die genauen
Schritte zu den geplanten Kostensenkun-
gen entschieden sein. Am Freitag be-
schränkte sich der offizielle Kommentar
der Deutschen Bank zu den angedachten
Filialschließungen auf zwei Sätze: Sie prü-
fe gerade eine „Reihe zusätzlicher Maß-
nahmen, um die bis 2022 gesteckten Ziele
in der Privatkundenbank schneller zu er-
reichen und für ihre Kunden neue Impul-
se“ zu setzen. „Sobald Entscheidungen
vorliegen, wird die Bank ihre Mitarbeite-
rinnen und Mitarbeiter sowie anschlie-
ßend die Öffentlichkeit informieren.“
Schnell könnten dagegen Entscheidun-
gen rund um den Aktienhandel fallen,
den die Deutsche Bank am liebsten vor
der Aufgabe in Teilen verkaufen würde.
Hier ist die französische Bank BNP Pari-
bas offenbar auch am Aktienderivatehan-
del interessiert. Entsprechende Berichte
aus New York ließen Deutsche Bank und
BNP Paribas am Freitag unkommentiert.
Die französische Bank steht offenbar
auch kurz davor, von der Deutschen Bank
das Wertpapiergeschäft mit Hedgefonds
zu übernehmen. Dann könnten 800 Mitar-
beiter, die bisher rund 200 Milliarden
Euro an Geschäften von Hedgefonds für
die Deutsche Bank betreuen, mit zu der
französischen Bank wechseln. BNP Pari-
bas soll auch am dritten Teil des Aktien-
handelsgeschäfts, dem elektronischen
Handel, interessiert sein.

D

ie Deutsche Bank hat schon viel
Zeit verloren. Wohl keine andere
europäische Bank ist in das Geschäft
mit dem Investmentbanking so weit
vorgedrungen und hat als Lehre aus
der Finanzkrise so spät kehrtgemacht.
Und mit der Integration der schon
2009 gekauften Postbank hat sich die
Deutsche Bank auch viel zu viel Zeit ge-
lassen. Erst seit vergangenem Jahr
geht es hier spürbar voran. Insofern
kann es nicht überraschen, wenn jetzt
auch das Filialnetz der beiden Marken
übereinandergelegt und Überlappun-
gen vermutlich durch Zusammenlegun-
gen beendet werden. Die Deutsche
Bank, aber auch die Commerzbank
sind im Privatkundengeschäft noch
viel zu breit aufgestellt. Das gilt nicht
nur für das Filialnetz, sondern auch für
die vielen Produktvarianten, die sie
etwa für das Girokonto anbieten und
die extra programmiert werden müs-
sen. Das macht das Bankgeschäft teu-
er. Im September tritt mit der Open-
bank der spanischen Bank Santander
eine weitere Smartphone-Bank an, die
ein kostenfreies Girokonto anbieten
wird. Das zeigt: Das Privatkundenge-
schäft in Deutschland ist für ausländi-
sche Banken attraktiv, weil sie es effi-
zient betreiben. Dafür ist Santander be-
sonders bekannt. Deutsche Bank und
Commerzbank dagegen müssen viel
schlanker werden und Sonderwünsche
ihrer Kunden zurückdrängen. Sonst
werden sie nicht mithalten können.

DÜSSELDORF, 30. August


T


homas Schmidt dürfte es sich an-
ders gewünscht haben, aber jetzt
schleppt der neue Haniel-Vor-
standsvorsitzende die Last namens Metro
noch mit. Eigentlich wollte sich das Fami-
lienunternehmen mit der mehr als 260
Jahre währenden Geschichte von seiner
Beteiligung an dem Handelskonzern gänz-
lich trennen. Nun hält es aber noch 15,2
Prozent daran, weil das Übernahmeange-
bot des tschechischen Milliardärs Daniel
Křetínský für die Metro gescheitert ist.
Einst hieltHanielmehr als ein Drittel
der Metro-Anteile, die als Klumpenrisiko
angesehene Beteiligung wurde aber Stück
für Stück reduziert. Der langjährige Ha-
niel-Chef Stephan Gemkow, der das Unter-
nehmen zum 1. Juli verlassen hat, bezeich-
nete Metro immer nur als „Finanzbeteili-
gung“, im vergangenen Jahr verkaufte er
schon 7,3 Prozent der Metro-Anteile an
Křetínský. Der Großaktionär aus Duisburg
war im hart geführten Übernahmekampf


stets auf der Seite des tschechischen Milli-
ardärs, nach 53 Jahren gemeinsamer Me-
tro-Haniel-Geschichte sollte Schluss sein.
Wegen Metros schwach laufenden Ge-
schäfts musste Haniel im vorigen Ge-
schäftsjahr eine Wertberichtigung von 574
Millionen Euro auf die Beteiligung vorneh-
men. Schmidt muss nun schauen, wie er da-
mit umgeht – er soll das Haniel-Portfolio
„zukunftssicher“ und „wachstumsstärker“
machen und Kosten sparen.
Die jetzt berichteten Zahlen liegen
noch hauptsächlich in der Verantwortung
von Schmidts Vorgänger Gemkow. Auch
im ersten Halbjahr hat die Metro dem Ha-
niel-Konzern keine übermäßige Freude
bereitet. Zwar verbesserte sich das Finanz-
ergebnis gegenüber dem Vorjahreszeit-
raum, doch ist das Ergebnis nach Steuern
durch eine Wertberichtigung auf das
schleppende Geschäft mit den Real-Su-
permärkten belastet. Die Metro versucht
gerade, die Supermarktkette zu verkau-
fen. Für Haniel stand in den ersten sechs

Monaten unter dem Strich ein Minus von
62 Millionen Euro durch die Beteiligung
an der Metro. Das ist zwar deutlich weni-
ger als noch im Vorjahreszeitraum, doch
an den Verkaufsplänen der Metro-Anteile
hält Haniel weiter fest.
Křetínský besitzt für die verbliebenen
15,2 Prozent der Metro-Anteile noch eine
Kaufoption. Ob und wann er sie zieht, ist
indes völlig offen. Mit seiner Gesellschaft
EP Global Commerce hält er derzeit 17,5
Prozent an der Metro. In einem Gespräch
mit Journalisten sagte der Investor anläss-
lich der gescheiterten Übernahme, dass er
erst einmal abwarten wolle, wie es mit der
Metro weitergehe. „Jetzt müssen sie lie-
fern“, sagte er. Das Unternehmen müsse
beweisen, dass es mehr wert sei als die 16
Euro je Aktie, die Křetínský zahlen wollte.
Selbst wenn der Tscheche die Haniel-
Anteile an der Metro kauft, verbleibt bei
dem Duisburger Familienunternehmen
noch ein wenig Metro-Geschichte: denn
Haniel ist auch noch mit knapp 23 Pro-

zent an Ceconomy beteiligt, das von der
Metro ausgegliedert wurde und in dem
die Elektronikmärkte Saturn und Media
Markt gebündelt sind. Durch das auch
dort schwach laufende Geschäft lag das
Beteiligungsergebnis für Haniel im ersten
Halbjahr leicht im Minus, mit 5 Millionen
Euro ist es aber deutlich geringer als noch
im Vorjahreszeitraum, als Haniel eine
Wertberichtigung von 370 Millionen
Euro auswies. Der Wert des Haniel-Port-
folios stieg gleichwohl um 436 Millionen
auf knapp 4,6 Milliarden Euro, weil die
Aktienkurse der beiden Beteiligungen im
ersten Halbjahr zulegten.
Laut Geschäftsbericht ist es das Ziel
von Haniel, Klumpenrisiken und die Ab-
hängigkeit von einzelnen Branchen wei-
ter zu reduzieren. Auch durch den Ver-
kauf der Metro-Anteile haben die Duis-
burger genügend Geld für mögliche Zu-
käufe. Die finanziellen Mittel liegen bei
1,3 Milliarden Euro, langfristig will sich
Haniel an zehn Unternehmen beteiligen.

Derzeit gehören zum Portfolio von Ha-
niel sechs Unternehmen, von denen ih-
nen fünf komplett gehören. Einzig an
dem Versandhändler Takkt hält Haniel
nur etwas mehr als die Hälfte. Das Ge-
schäft läuft auch gut, genauso legte in den
ersten sechs Monaten der Umsatz des Hy-
giene-Anbieters CWS leicht zu. Die vor al-
lem konjunkturell bedingte Schwäche der
anderen Beteiligungen konnten sie aber
nicht ausgleichen, so dass Haniel insge-
samt einen Umsatzrückgang von 5 Pro-
zent auf knapp 2,3 Milliarden Euro ver-
melden muss.
Vor allem der Edelstahlschrottrecycler
ELG hatte mit einem „zunehmend
schwierigen Marktumfeld“ zu kämpfen.
So sank der Preis für Nickel, das ELG vor
allem aufbereitet, um mehr als ein Zehn-
tel. Für das laufende Geschäftsjahr geht
der Haniel-Vorstand jetzt davon aus, dass
der Umsatz unter Vorjahresniveau liegen
wird, auch das Ebitda soll „deutlich“ nied-
riger werden.

Ran an den Bankspeck


Von Hanno Mußler


KÖLN, 30. August


A


n die erste Runde hängte Andreas
Pinkwart gleich noch eine zweite
dran und kreiste weiter mit dem
Streetscooter über den Parkplatz der
Post-Zustellbasis in Köln-Ehrenfeld. Die
Fahrt mit dem Elektrolieferwagen bereite-
te dem nordrhein-westfälischen Wirt-
schaftsminister sichtlich Freude. Im Bei-
sein des FDP-Politikers nahm die Deut-
sche Post DHL am Freitag den zehntau-
sendsten Streetscooter für ihre Paketzu-
stellung in Dienst. Damit hat der Dax-
Konzern ein Fünftel seiner deutschen
Flotte auf den E-Transporter umgestellt.
Der zuständige Post-Vorstand Tobias
Meyer sprach von einem wichtigen
Schritt, um die Logistik bis 2050 emissi-
onsfrei zu gestalten. Der Anteil der
Streetscooter in der Flotte solle weiter er-
höht werden. Um ihre Elektrofahrzeuge
zu laden, hat die Post an ihren Depots
und Zustellbasen bundesweit 13 500 La-
desäulen installiert. Nach Unternehmens-


angaben handelt es sich um das größte pri-
vate Ladesäulennetz hierzulande.
2014 hatte die Post das Start-up Street-
scooter, eine Ausgründung aus der
RWTH Aachen, komplett übernommen.
Gemeinsam wurde ein alltagstaugliches
elektrisches Zustellfahrzeug entwickelt.
Inzwischen verfügt die Post in eigenen
Werken in Düren und Aachen über eine
jährliche Produktionskapazität von bis zu
20 000 Fahrzeugen, die aber bislang nicht
ausgeschöpft wird. An den beiden Stand-
orten werden die kleineren Modelle
„Work“ und „Work L“ gefertigt. Darüber
hinaus entsteht in Zusammenarbeit mit
Ford das größere Modell „Work XL“, von
dem derzeit 2500 Exemplare für die Paket-
zustellung im Einsatz sind.
Auf Dauer aber will die Post kein Auto-
hersteller sein, wie der Vorstandsvorsit-
zende Frank Appel schon mehrfach klar-
gemacht hat. Als Optionen nannte er ur-
sprünglich einen Börsengang, den Ver-
kauf an strategische Investoren oder die

Beteiligung von Partnern. Der für das
deutsche Brief- und Paketgeschäft zustän-
dige Meyer berichtete am Freitag, die Su-
che nach einem Partner laufe. Dafür wer-
de sich der Konzern die nötige Zeit neh-
men. Es gebe ein „breites Interesse“ ent-
lang der Wertschöpfungskette. „Wir sind
da weiter offen.“ Als Partner kämen ne-
ben Automobilherstellern auch Zuliefe-
rer und Nutzer des Fahrzeugs in Frage.
„Es gibt in einigen Bereichen auch schon
konkretere Gespräche“, sagte Meyer. Pro-
fitabel sei das seit Frühjahr von Jörg Som-
mer geleitete Geschäft mit dem Street-
scooter bislang noch nicht.
Ihr größter Streetscooter-Kunde ist die
Post immer noch selbst. Doch der E-Trans-
porter, der zwischen 30 000 und 45 000
Euro kostet, wird auch an externe Abneh-
mer verkauft – wobei die Verkaufszahl an
Drittkunden nicht genannt wird. Die
Fahrzeuge werden in verschiedenen Vari-
anten angeboten, maßgeschneidert für un-
terschiedliche Nutzungskonzepte. Im Ein-

satz ist der Streetscooter unter anderem
bei städtischen Grünflächenämtern, Bä-
ckereiketten, Fischhändlern und Catering-
unternehmen. Rund 300 Exemplare order-
te der Netzbetreiber Westnetz, eine Toch-
tergesellschaft des Energiekonzerns Inno-
gy. Auch aus dem Ausland kamen Groß-
aufträge: Das britische Unternehmen
Milk & More bestellte 200 Streetscooter
für seine Milchmänner. 500 Fahrzeuge
gingen an den japanischen Logistikdienst-
leister Yamato. Laut Meyer befindet sich
die Post mit einer „breiten Palette“ poten-
tieller Kunden im Gespräch.
Die meisten Streetscooter rollen für die
Post durch Nordrhein-Westfalen – und
zwar 1750. In Bayern sind 1400 Fahrzeu-
ge unterwegs, in Baden-Württemberg
und Niedersachsen je 1200. Im November
2018 waren zwei Streetscooter in Brand
geraten. Personen kamen nicht zu Scha-
den, doch wurden Sendungen zerstört.
Als Auslöser wurden fehlerhafte Ver-
schweißungen an den Batterien ermittelt.

Haniels Treue


Von Jonas Jansen


D


ie Deutsche Post hatte früh den
richtigen Riecher: Für die im
Zuge des Online-Handels wachsende
Paketzustellung insbesondere in den
Innenstädten sollte eine elektrische Al-
ternative zum Dieseltransporter her.
Weil die deutschen Autohersteller sei-
nerzeit keine geeigneten Fahrzeuge an-
bieten konnten, nahm die Post die Sa-
che selbst in die Hand. Sie kaufte das
Aachener Start-up Streetscooter und
entwickelte zusammen mit dessen In-
genieuren ein elektrisches Zustellfahr-
zeug. Für die Weiterentwicklung des
Geschäfts wären in den kommenden
Jahren erhebliche Investitionen nötig.
Die Post aber sieht sich als Logistiker
und will nicht auf Dauer Autos bauen.
Doch die Suche nach einem Partner ge-
staltet sich mühsam, auch wenn die
Post betont, nicht unter Zeitdruck zu
stehen. Die Autokonzerne haben ange-
sichts drohender Fahrverbote in den
Stadtzentren den Bedarf an elektri-
schen Lieferwagen erkannt und trei-
ben das Thema derzeit mit Hochdruck
weiter voran. Eher unwahrscheinlich,
dass sie Interesse am Erwerb von
Streetscooter haben könnten. Stellt
sich die Frage, ob es andere – etwa Fi-
nanzinvestoren – gibt, die es wagen
könnten, sich mit dem Streetscooter-
Kauf in Konkurrenz zu den großen Au-
tomarken zu begeben. Hinzu kommt,
dass die Post viel Geld in den Street-
scooter gesteckt hat. Ihre Preisvorstel-
lungen dürften entsprechend sein.

Seit 2015 hat die Deutsche Bank schon mehrere hundert Filialen aufgegeben. Foto Patricia Kühfuss


DieFrankfurter Volksbankund die be-
nachbarteTaunus Sparkassewollen Fi-
lialen zusammenlegen und ihre bereits
getestete Kooperation ausweiten.Zwar
verschmelzen viele Banken getrieben
vom Kostendruck sogar durch Fusionen,
doch eine Zusammenarbeit zwischen In-
stituten aus so unterschiedlichen Lagern
sieht man selten.Die Konkurrenten
wollen sich laut „Spiegel“ an 50 Stand-
orten, an denen beide vertreten sind,
im Betrieb der Filialen abwechseln.
Die Schalter sollen an vier von fünf Ta-
gen geöffnet sein, wobei an zwei Tagen
nur Kunden der Sparkasse drankom-
men, während an den anderen beiden
Tagen nur Volksbank-Kunden bedient

werden.Auf die Automaten haben Kun-
den beider Institute jederzeit Zugriff.
Klar, es gibt Gemeinsamkeiten zwi-
schen Banken aus beiden Lagern. Sie
kümmern sich vorwiegend um in ihrer
Region ansässige Privat- und Firmen-
kunden, deren Bankkonten sie verwal-
ten und deren Finanzierung sie in
Form von Unternehmens- und Baukre-
diten sicherstellen. Doch die Grundla-
gen der Unternehmensführung unter-
scheiden sich gravierend. Volks- und
Raiffeisenbanken sind genossenschaft-
liche und privatwirtschaftliche Institu-
te, deren Kunden Mitglieder ihrer
Bank sind und Anteile an dieser hal-
ten. Sparkassen dagegen sind in der

Regel öffentlich-rechtliche Institute,
die von Städten oder Gemeinden getra-
gen werden. In den Verwaltungsräten
der Sparkassen sitzen Bürgermeister,
Land- oder Stadträte, die sich bei ihrer
Aufsichtstätigkeit zuweilen auch von
politischen Zielen leiten lassen.
Dass im Rhein-Main-Gebiet eine
Volksbank und eine Sparkasse trotz al-
ler Unterschiede enger kooperieren,
zeigt, wie hoch der Spardruck sein dürf-
te. Die Frankfurter Volksbank ist mit ei-
ner Bilanzsumme von gut 12 Milliarden
Euro eine der größten genossenschaftli-
chen Banken. Ihr Geschäft wächst auch
wegen der steigenden Kreditnachfrage
aufgrund niedriger Zinsen kräftig. Die
Überschüsse stagnieren jedoch. Ähnlich
sieht das bei der mit einer Bilanzsum-
me von 5,5 Milliarden Euro deutlich
kleineren Taunus Sparkasse aus. mfe.

Zähe Partnersuche


Von Christine Scharrenbroch


Für die Post rollen 10 000 Streetscooter durch die Lande


EinFünftel der Flotte fährt elektrisch / Noch ist kein Partner für das Geschäft gefunden / Von Christine Scharrenbroch


Haniel rechnet mit einem schlechteren Jahr


Auch das Kapitel Metro ist für das Familienunternehmen – anders als geplant – noch nicht beendet / Von Jonas Jansen


Andreas Pinkwart Foto dpa


Deutsche Bank stellt viele Filialen auf den Prüfstand


Volksbank und Sparkasse wollen Filialen


gemeinsam betreiben


Jede siebte Zweigstelle


könnte es treffen.


Und BNP Paribas ist


an vielen Teilen


des Aktienhandels-


geschäftes interessiert.


Von Hanno Mußler

Free download pdf