138 reader's digest 08.2019
man nie vergessen, wie stark sie sind.
Wir wussten genau: Aggressiv darf
man sich einem Bären nicht nähern- jedenfalls würde ich es niemandem
raten. Wir gingen daher auch mit Pur
zelchen behutsam um. Ihr Vertrauen
begeisterte Patti täg lich aufs Neue.
Am dritten Tag be schlossen wir, sie
von der Einfahrt weg hinters Haus zu
ließ sich dann auf alle Viere
fallen und näherte sich
vorsichtig dem lockenden
Schüsselchen. Doch selbst
beim Futtern blieb es auf der
Hut und hielt respektvoll ei
nen Meter Abstand.
Wohl eine halbe Stunde
lang verharrten Menschen
frau und Bärenkind auf
ihren Posi tionen, bis vom
Futter nichts mehr übrig
war. Patti füllte nach. Inzwi
schen entdeckten die blut
gierigen MinnesotaMoski
tos ihre Haut – sie musste
sich ins Haus flüchten.
„Hast du das gesehen?“,
rief sie. „Stell dir vor, es ist
ein kleines Mädchen! Fin
dest du sie nicht süß? Wir
müssen einen Namen für
sie finden, was ganz Nied
liches. Was hältst du denn
von Purzelchen?“
Purzelchens
Heimat
Die nächsten Tage war
tete Patti ungeduldig auf
Purzelchens Besuch. Sie rieb sich mit
Insektenspray ein und trug die Futter
schüssel in den Garten. Bald duldete
das Bärchen, dass Patti ihr bei den
Mahlzeiten gegenübersaß.
Im allgemeinen sind Schwarz
bären freundlich, aber scheu. Meist
ziehen sie sich zurück, sobald ihnen
ein Mensch begegnet. Trotzdem darfPurzelchen liebt es, Nüsse und Samen
aus Patti Becklunds Hand zu fressen