148 reader's digest 08.2019
gespielt – und plötzlich stürzte die
Futterkiste durchs Geländer in den
Garten.
Geduldig wie immer machte meine
Frau sich auf den Weg treppabwärts,
um Futter und Kiste einzusammeln.
In dem Augenblick, als sie die Kiste
hochhob, schlich ein Riesenkerl von
einem Bär aus den Büschen heraus.
Nur noch drei Meter stand er hinter
ihr. Sie sah ihn nicht. Sie hörte nur
Purzelchen die Holztreppe herunter
poltern. Sie blickte hoch und wollte
sagen: „He, was ist denn hier los?“
Schon stand Purzelchen vor dem
Eindringling. Sie verpasste ihm breit
seits einen solchen Prankenhieb, dass
er aufbrüllte und das Gleichgewicht
verlor. Verblüfft rappelte er sich hoch
und wollte den Hang hinunter flüch
ten. Aber Purzel biss sich in seiner
Schulter fest.
Brutal aufeinander einschlagend,
kämpften sie sich an Patti vorbei. Der
Eindringling versuchte mit wirbeln
den Pranken die zornige Bärin abzu
schütteln, doch Purzelchen ließ nicht
locker. Noch unten am Bach hatte der
Bär ihre Zähne in den Hüften. Mit ei
nem Sprung ins Wasser rettete er sich
und verschwand dann im Gestrüpp
am anderen Ufer.
Eine Weile stand Purzelchen noch
im Bach, bis sie wieder bei Atem war,
dann stapfte sie schwerfällig den
Hang herauf. Patti erwartete sie mit
offenen Armen, und geduldig ließ
sich die Bärin auf Pranken und Biß
wunden untersuchen. Aber ihr fehlte
nichts – nur ein paar Haarbüschel
im Fell.
„Purzelchen“, sagte Patti, „über dich
kann man nur staunen.“Die letzten Tage
Der September war uns gnädig und
brachte endlich Regen. An einem
stillen Abend ohne Moskitos ließ
Purzel sich im Vorgarten bei der Lär
che nieder. Wir zogen unsere Jacken
über und setzten uns zu ihr ins Gras.
Schweigend saßen wir beieinander, in
jener Stille, die nur unter Freunden
möglich ist. Winnie und Pooh rangel
ten in unserer Nähe.
Mit der Dämmerung leuchteten die
Gartenlampen auf und hüllten uns in
ihren grünen Schein. Pooh, bald vom
Spiel müde, kuschelte sich ins Fell der
Mutter, Winnie stöberte noch jenseits
des Rasens in den Büschen. Der Tag
war sonnig, aber schon ein wenig
kühl gewesen. Und leicht hatten sich
die Bachforellen fangen lassen. Es war
einer jener Tage, die wir „geborgte
Tage“ nannten – zu schön, um wahr
zu sein. Irgendwann muss man wohl
irgendwie dafür bezahlen.
Langsam kam Purzelchen auf die
Beine und schritt aus dem Lichtkreis
ins Dunkel der Wälder. Die Jungen
schlossen sich an, bald verloren sich
ihre Schatten in der Nacht. Einige
Tage später, am 28. September, sahen
wir sie alle noch einmal auf unserer
Veranda. Purzelchen hatte Spuren von
rostfarbenem Erdreich auf der Nase,
oben auf dem Kopf und an den Tatzen.