58 reader's digest 08.2019
Steuerbehörde absegnen lassen, sonst
ist eine Geldbuße in Höhe von 5000
Kronen fällig (etwa 477 Euro).
Das Finanzamt kann sogar Namen
ablehnen, die es für anstößig oder un-
sinnig hält. Aus diesem Grund wurden
Allah, Ikea und das unverständliche
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nckssqlbb11116, das ein Elternpaar
aus Protest einreichte, allesamt ab-
geschmettert. Es gibt in Schweden
aber Kinder, die Lego oder Google im
Namen tragen – mit dem Segen der
Steuerbehörde.
Im benachbarten Finnland kann
jeder nachlesen, wie viel Einkom-
men seine Mitbürger versteuern. Am- November jedes Jahres – auch als
„Tag des Neids“ bezeichnet – werden
die Zahlen veröffentlicht. Die Finnen
können dann nicht nur herausfinden,
wie viel beispielsweise Prominente
oder Industrielle verdienen, sondern
auch, ob ihre Nachbarn oder Arbeits-
kollegen höhere Gehälter bekommen
als sie selbst.
Kritiker meinen, dies sorge für
Missgunst. Befürworter dieser Po-
litik behaupten dagegen, es sei da-
durch für Unternehmen schwieriger,
IN BRÜSSEL MÜSSEN
NACHTLOKALE
PRO PERSON AUF DER
TANZFLÄCHE
40 CENT ZAHLENBis vor Kurzem mussten die Spa-
nier eine „Sonnensteuer“ entrichten,
die von jedem erhoben wurde, der ans
Stromnetz angeschlossen war – selbst
wenn er keinen Strom daraus bezog,
weil er seinen Bedarf mit eigenen
Sonnenkollektoren deckte.
Zu den ältesten Abgabenformen
zählen Einfuhrzölle, die auf Waren
anfallen, wenn sie aus einem an-
deren Land importiert werden. Die
Europäische Union legt die Zölle für
ihre Mitgliedstaaten fest, und man-
che davon sind höchst eigenartig. So
wird beispielsweise kein Zoll auf in
die EU eingeführte Mayonnaise er-
hoben, doch importierter Ketchup
wird mit 10,2 Prozent beaufschlagt.
Die EU subventioniert damit Bürger,
die – wie die Belgier – ihre Fritten mit
Mayo essen – auf Kosten all jener, die
ihre Pommes lieber in Tomatensoße
tunken wie die Briten.
Genauso unverständlich ist, dass die
Abgaben für importierte Fahr räder bei
14 Prozent liegen, während Ein räder
mit 15 Prozent zu Buche schlagen.
Ein Zirkusartist zahlt demnach mehr
Zoll als ein normaler Radfahrer. „Man
fragt sich, welcher Clown sich das
ausgedacht hat“, sagt Wirtschaftspro-
fessor Kevin Dowd von der University
of Durham in Großbritannien.
Dabei brauchen die europäischen
Staaten sicher keine Nachhilfe aus
Brüssel, wenn es um ausgefallene
Steuerpolitik geht. In Schweden
müssen die Eltern Neugeborener
die Namen ihrer Kinder von der