Frankfurter Allgemeine Zeitung - 31.08.2019

(Jeff_L) #1

FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG Finanzen SAMSTAG, 31. AUGUST 2019·NR. 202·SEITE 29


Fresenius mit Gegenwind






Schlusslicht im deutschen Aktien-
index Dax waren am Freitag Fre-
senius-Aktien, die nach einem Analys-
tenkommentar zeitweise um 0,76 Pro-
zent nachgaben. Richard Latz, ein Ana-
lyst der britischen Bank HSBC, hatte
seine Kurszielschätzung für den Medi-
zinkonzern in Bad Homburg gesenkt,
da er davon ausgeht, dass die Talsohle
derzeit noch nicht
durchschritten ist,
wie er in einer Stu-
die schrieb. Der
Gegenwind dürfte
vielmehr bis 2020
anhalten.

Deutsche Wohnen profitiert






Gewinner über alle wichtigen In-
dizeshinweg waren am Freitag
die deutschen Immobilienkonzerne. In-
formationen über abgeschwächte Plä-
ne zum Berliner Mietendeckel gaben
den Papieren Auf-
trieb. Besonders steil
ging es für die Anteile
der Unternehmen mit
großen Berlin-Bestän-
den nach oben – na-
mentlich sind das vor
allem die Deutsche Wohnen, die zeit-
weise um gut 10,33 Prozent zulegte,
und Ado Properties, die 7,91 Prozent
dazugewann. Im Laufe der Woche hat-
ten die Immobilienaktien stark ge-
schwankt (siehe „Börsenwoche“).

Die Aufgabe der EZB ist, für


Preisstabilität zu sorgen. Sie


verliert sie aus den Augen.Seite 30


In Indexfonds zu investieren ist


einfach und in fast allen Fällen


auch lukrativ.Seite 31


Es ist angerichtet für die


Post-Hoeneß-Ära beim


FC Bayern München.Seite 35


Toro-Rosso-Pilot Alex Albon


bekommt bei Red Bull


neun Probefahrten.Seite 34


Deutsche Börse legt zu






Am Freitagnachmittag standen
dieAktien der Deutschen Börse
mit einem Plus von 5,59 Prozent weit
vorne im deutschen Aktienindex Dax.
Marktteilnehmer hofften, dass die Pa-
piere des Börsenbetreibers in den Euro
Stoxx 50 aufgenom-
men werden, den Leit-
index der Eurozone.
Dort könnten sie die
Papiere des französi-
schen Immobilienun-
ternehmens Unibail-
Rodamco-Westfield
ersetzen, die im Ge-
genzug verloren.

Tops&Flops


DieSchranken des Mandats


29.8. 30.8.

Dax

F.A.Z.-Index 2184,47 2203,70
Dax 30 11838,88 11939,28
M-Dax 25390,10 25719,96
Tec-Dax 2761,09 2785,22
Euro Stoxx 50 3411,33 3426,76
F.A.Z.-Euro-Index 124,40 125,01
Dow Jones 26362,25 26403,28
Nasdaq Index 7973,39 7962,88
Bund-Future 178,98 179,14
Tagesgeld Frankfurt -0,45 % -0,45 %
Bundesanl.-Rendite 10 J. -0,70 % -0,71 %
F.A.Z.-Renten-Rend. 10 J.-0,35 % -
US-Staatsanl.-Rend. 10 J. 1,50 % 1,50 % *
Gold, Spot ($/Unze) 1528,10 1523,67
Rohöl (London $/barrel) 61,00 58,97**
1 Euro in Dollar 1,1072 1,1036
1 Euro in Pfund 0,9053 0,9057
1 Euro in Schw. Franken 1,0880 1,0909
1 Euro in Yen 117,68 117,28
*) Ortszeit 16.00 Uhr, **) Ortszeit 22.00 Uhr

Bundesanl. R. 10 J.

31.5.2019 30.8.2019 31.5.2019 30.8.2019


Die Vorzüge der ETFs


maf. FRANKFURT, 30. August. Es han-
delt sich um einen der größten Betrugsfäl-
le am grauen Kapitalmarkt: die Insolvenz
des Schiffscontainervermieters P&R. Die
Aufarbeitung des Anlageskandals, in dem
54 000 Anleger in Höhe von rund 3 Milli-
arden Euro geschädigt worden sind, wird
noch Jahre dauern. Nachdem vor kurzem
das Bundesfinanz- und das Bundesjustiz-
ministerium in Reaktion auf den Zusam-
menbruch der Münchner Anlagegesell-
schaft Maßnahmen zum Schutz der Anle-
ger vorgestellt hatten, flattert nun unange-
nehme Post des Insolvenzverwalters Mi-
chael Jaffé in die Briefkästen jener Inves-
toren, die schon vor der P&R-Insolvenz
im März 2018 ausgestiegen sind.
Denn der Insolvenzverwalter muss
Rückzahlungsansprüche auch gegenüber
diesen Anlegern prüfen, deren Beteiligun-
gen schon längst abgewickelt sind. Laut
Insolvenzordnung können die Ansprüche
bis zu vier Jahre vor der Bekanntgabe der
Insolvenz zurückreichen – im Fall von
P&R also bis März 2014. Auf die Insol-
venzverordnung beruft sich auch Jaffé in
seinem der F.A.Z. vorliegenden Schrei-
ben: „Wie Sie aus Presseberichten sicher-
lich wissen, sieht die Insolvenzordnung
unter bestimmten engen Voraussetzun-
gen vor, dass vor der Insolvenz ausgezahl-
te Gelder wieder an die Insolvenzmasse
zurückgezahlt werden müssen, damit die-
se dann an alle Gläubiger verteilt werden
können.“ Wer also rechtzeitig ausgestie-
gen ist – vielleicht auch deshalb, weil er
dem Gebaren der Gesellschaft nicht
mehr vertraut hat –, kann sich also noch
nicht auf der sicheren Seite fühlen.
Die 54000 Anleger, die von der Insol-
venz unmittelbar betroffen sind und von
der Anlagesumme von insgesamt 3,5 Milli-
arden Euro kaum etwas zurückbekommen
dürften, haben schon der sogenannten
„Hemmnisvereinbarung“ zugestimmt.Jaf-
fé fordert nun auch die Altanleger dazu
auf, diese zu unterzeichnen. Darin geht es
letztlich um eine Aufschiebung der Ver-


jährungsfrist um zwei Jahre auf den 31.
Dezember 2023. Der Insolvenzverwalter
geht davon aus, dass eine höchstrichterli-
che Klärung der Rückforderungsansprü-
che für schon geleistete Zahlungen noch
einige Zeit beanspruchen dürfte. Um die
Pilotprozesse ungestört führen zu kön-
nen, will Jaffé also zwei Jahre mehr Zeit
haben. Ansonsten müsste er vor der ge-
setzlichen Verjährung der Anfechtungsan-
sprüche für Auszahlungen am 31. Dezem-
ber 2021 Maßnahmen gegen die Altanle-
ger ergreifen. Dazu gehören Mahnbeschei-
de oder Klagen, um den Eintritt der Ver-
jährung zu verhindern.
Wie hoch die Rückzahlungsansprüche
sind, darüber lässt sich nur mutmaßen.
Schon im Frühjahr hatten die Göddecke
Rechtsanwälte auf die Rückzahlungsforde-
rungen des Insolvenzverwalters hingewie-
sen, wie die F.A.Z. am 10. April berichtet
hatte. Damals stand eine Summe von
mehr als einer halbe Milliarde Euro im

Raum. Doch Jaffé ist sich nicht mal sicher,
ob es dazu tatsächlich kommt: „Ob solche
Anfechtungsansprüche bestehen, steht
noch nicht fest“, schreibt er in seinem
Brief an die Altanleger. Hierzu gebe es kei-
ne einschlägige Rechtssprechung, die sich
ohne weiteres auf die vorliegenden Sach-
verhalte übertragen ließe. Es gibt aber
schon hohe Gerichtsurteile, wonach die
Auszahlung von Scheingewinnen ange-
fochten werden kann.
Doch ob es sich im Fall von P&R um
Scheingewinne handelt, bezweifelt Gödde-
cke-Anwalt Marc Gericke. Zwar hatte der
Insolvenzverwalter eine riesige Lücke zwi-
schen den verkauften 1,6 Millionen Con-
tainern und den tatsächlich nur 600 000
vorhandenen ermittelt. Über die Jahre hin-
weg wurden Investoren, die aussteigen
wollten, durch Einzahlungen neuer Anle-
ger ausbezahlt. Das ist ein Schneeballsys-
tem, mit dem der amerikanische Anlage-
betrüger Charles Ponzi in den zwanziger

Jahren zu trauriger Berühmtheit gelangt
war („Ponzi scheme“). So ging auch Ber-
nard Madoff vor, der im März 2009 zu 150
Jahren Haft verurteilt worden war. Sein
Anlagebetrug soll sich auf 50 Milliarden
Dollar belaufen haben.
Ein Schneeballsystem ist dadurch ge-
kennzeichnet, dass Geld neuer Anleger
auch dafür verwendet wird, um ausstiegs-
bereite Investoren auszuzahlen. Doch das
muss im Fall von P&R durch ein Gericht
noch festgestellt werden, was bislang
nicht geschehen ist. Der Prozess gegen
P&R-Gründer Heinz Roth, in dem es auch
darum gegangen wäre, ob frühere Verträ-
ge auf Scheingeschäften beruht haben, hat-
te das Landgericht München wegen Roths
Krankheit abgesagt. Die Bewertung von
P&R erschweren die tatsächlich vorhande-
nen 600 000 Container. Denn das Gericht
muss nachweisen, dass der Altanleger nur
einen „Schein-Container“ besessen hatte,
was juristisch schwierig sein dürfte. Aller-

dings hält es Göddecke-Anwalt Gericke
für sinnvoll, dass Anleger die Hemmnisver-
einbarung unterzeichnen. Denn die Sache
müsse natürlich gerichtlich geklärt wer-
den. Unterzeichnen die Anleger nicht, dro-
hen Tausende von Einzelverfahren mit un-
gewissem Ausgang.
Die Bundesregierung zieht aus dem
P&R-Skandal Lehren. Sie will den Anle-
gerschutz am grauen Kapitalmarkt, zu
dem Beteiligungen an Schiffscontainern,
Wäldern, Goldminen oder Ähnlichem ge-
zählt werden, deutlich ausbauen. Das Bun-
desfinanzministerium und das Bundesmi-
nisterium der Justiz und für Verbraucher-
schutz wollen mehr Transparenz schaffen
und die Befugnisse der Finanzaufsicht Ba-
fin stärken. So sollen unvollständige Ver-
kaufsprospekte abgeschafft, der Vertrieb
von Vermögensanlagen auf beaufsichtigte
Makler beschränkt und die Mittelverwen-
dungskontrolle durch unabhängige Dritte
verpflichtend werden.

W


as für eine Woche für Immobilien-
aktien! Die Papiere von Vonovia,
Deutsche Wohnen & Co. schwankten ex-
trem im Rhythmus der Politik. Montag
ging es abwärts, Dienstag aufwärts, Mitt-
woch hin und her, Donnerstag abwärts –
und am Freitag dann steil aufwärts. Im
Mittelpunkt stand die Frage, wie stark
und wie erfolgreich die Politik in Berlin
die Mieten in der Hauptstadt deckeln
kann und ob das womöglich noch weitere
Kreise ziehen könnte. Die Nachricht, der
Mietendeckel in Berlin solle aufgeweicht
werden, ließ dann die Aktienkurse am
Freitag sehr deutlich steigen. Kurz vor
Börsenschluss standen deshalb auf Wo-
chensicht viele Immobilienaktien deut-
lich im Plus.
Zu Recht, meint Ulrich Stephan, Chef-
anlagestratege für Privat- und Firmenkun-
den bei der Deutschen Bank. „Die funda-
mentalen Rahmenbedingungen für Immo-
bilienaktien sollten weiterhin gut blei-
ben.“ Wohnungen seien gesucht, beson-
ders in den Ballungsräumen, da unterm
Strich zu wenig gebaut werde. „Und die
Zinsen bleiben niedrig“, hob der Anlage-
fachmann hervor. Alles gut für Investoren
also? Natürlich wirke die politische Dis-
kussion um Enteignungen oder Mietende-

ckelung auf die Aussichten von Immobi-
lienaktien und die Kurse, räumte Stephan
ein. Das habe nicht zuletzt auch die starke
Reaktion der Kurse auf Berichte gezeigt,
dass der Mietpreisdeckel in Berlin ent-
schärft werden solle. „Eine Idee, zu der es
Eckpunkte eines Gesetzentwurfes gibt
und bei der Juristen streiten, ob das Land

überhaupt zuständig ist“, sagte Stephan:
„Das verdeutlicht die Nervosität am
Markt.“ Der extrem niedrige Zins hinge-
gen sei grundsätzlich positiv für Immobi-
lienaktien, führte der Anlagefachmann
aus. Zum einen, weil der Zins ein Faktor
bei der Aktienbewertung sei, und zum an-
deren, weil auch Hypotheken beziehungs-

weise Finanzierungen günstiger zu be-
kommen seien, wenn das Zinsniveau nied-
rig sei. „Ob eine weitere Zinssenkung der
Europäischen Zentralbank den Hypothe-
kenzinsen allerdings noch einen weiteren
Schub nach unten versetzt, bezweifle
ich“, sagte Stephan. Langfristig dürften
Immobilienaktien nach seiner Einschät-
zung gute Aussichten haben. Allerdings
sollten Anleger, wie diese Woche gezeigt
habe, das politische Umfeld beobachten:
„Denn politische Eingriffe können zu er-
heblichen Schwankungen führen.“
Skeptischer klingt Michael Seufert,
Analyst für Immobilienaktien bei der
Nord LB. In letzter Zeit bestimmten die
politischen Diskussionen die Kurse. Dage-
gen sei die Furcht der Anleger vor steigen-
den Zinsen abgeklungen. Die Meinung ge-
winne an Stärke, dass ein langfristig nied-
riges Zinsniveau den Boom an den Immo-
bilienmärkten weiter befeuern und den
Nachfrageüberhang verschlimmern wer-
de, sagt Seufert: „So ist zu befürchten,
dass der gesellschaftspolitische Trend,
weg vom Marktmodell und hin zu sozialis-
tisch planwirtschaftlichen Lösungen, die
deutschen Wohnimmobilien-Unterneh-
men noch länger negativ beeinflussen
wird.“ CHRISTIAN SIEDENBIEDEL

Der perfekte Zeitpunkt


BÖRSENWOCHE


Die Börse


Aufstieg ins A-Team


Aktie 23.8. 30.8. in %
Südzucker 15,73 15,00 -4,64
CTS Eventim 51,45 49,80 -3,21
Ströer & Co. 69,35 67,95 -2,02
Hannover Rückv. 146,30 144,80 -1,03
Axel Springer z. Verk. 63,00 62,50 -0,79
Nemetschek 48,52 48,18 -0,70
Osram Licht NA 36,63 36,50 -0,35
Compugroup Medical 52,00 51,85 -0,29
Talanx NA 37,78 37,68 -0,26

Aktie 23.8. 30.8. in %
Leoni NA 9,43 11,45 21,37
Bilfinger 22,34 24,96 11,73
Sixt St. 81,00 87,25 7,72
thyssenkrupp 10,35 11,12 7,44
Dt. Wohnen Inh. 30,08 32,26 7,25
Lufthansa vNA 13,10 13,98 6,72
SMA Solar Techn. 19,89 21,20 6,59
Aurubis 38,00 40,30 6,05
Lanxess 51,62 54,70 5,97

Gewinner
Kurse1)am Veränd.

D


ie Bundesregierung macht sich
für den Anlegerschutz stark.
Aber nicht jeder Vorschlag ist sinnvoll.
Die Vorstellung einer Art „Vollkasko-
schutz“ am Kapitalmarkt führt in die
Irre, denn Kursverluste gehören dazu,
wenn Risiken eingegangen werden.
Doch es ist richtig, dass die Regierung
nun den Wildwuchs am grauen Kapital-
markt unterbinden will. Der Skandal
um den Containervermieter P&R stellt
mit einer Schadenssumme von 3 Milli-
arden Euro die Spitze eines Eisbergs
dar. Die Liste der Skandale reicht bis
Anfang 2000 mit Flowtex, einem Her-
steller von Horizontalbohrmaschinen,
zurück. In den vergangenen Jahren ka-
men mit dem Windparkbetreiber Pro-
kon und der Immobiliengesellschaft
S&K weitere Skandale hinzu. Natür-
lich müssen sich die Anleger der Risi-
ken am grauen Kapitalmarkt, der von
der Finanzaufsicht Bafin weniger
streng beaufsichtigt wird, bewusst
sein. Die Beteiligung an Schiffscontai-
nern, Wäldern, Goldminen oder Ähnli-
chem ist riskanter als eine Dax-Aktie.
Doch der aufsichtsrechtliche Freiraum
am grauen Kapitalmarkt darf nicht An-
lagebetrug im großen Stil Tür und Tor
öffnen. Davor müssen der Gesetzgeber
und die Aufsicht die Anleger schützen.

Den Anleger schützen


Von Markus Frühauf


Verlierer
Kurse1)am Veränd.

Hafen in Tokio:Der Anlagebetrug mit Schiffscontainern kann für Investoren schmerzhafte Folgen haben. Foto Reuters


Auf und Ab der Immobilienaktien


fne. FRANKFURT, 30. August. Man
hört und sieht es an immer mehr Kassen,
egal ob beim Bäcker oder an der Super-
marktkasse: Die Kunden legen ihre Karte
auf das Terminal, es piept kurz, und der
gesamte Bezahlvorgang ist innerhalb we-
niger Sekunden abgeschlossen. Kleine Be-
träge bis 25 Euro müssen nicht einmal
mit der Pin bestätigt werden, erst darüber
wird die persönliche Geheimzahl fällig.
Das wirbelt den Markt ordentlich durch-
einander. Schon im Mai veröffentlichte
das Einzelhandelsinstitut EHI Zahlen,
dass im stationären Einzelhandel der Um-
satz mit Kartenzahlungen erstmals grö-
ßer als der Bargeldanteil war. Konkret
wurden 48,6 Prozent der Umsätze mit
Karte getätigt, aber lediglich 48,3 Prozent
mit Scheinen und Münzen.
Dieser Trend wird nun von der Deut-
schen Kreditwirtschaft bestätigt. Sie ver-
öffentlicht regelmäßig Daten zur Nut-

zung der Girocard, der wohl beliebtesten
Karte zum Bezahlen in Deutschland. 94
Prozent aller Deutschen besitzen eine. Im
ersten Halbjahr ist demnach die Zahl der
Transaktionen von 1,76 Milliarden auf
2,14 Milliarden angestiegen – ein Plus
von rund 22 Prozent. Dabei stiegen die
Umsätze auf 101 Milliarden Euro, im Vor-
jahreszeitraum waren es 87 Milliarden
Euro. Das kleinere Plus von 16 Prozent
zeigt deutlich, dass immer mehr kleinere
Beträge mit der Girocard beglichen wur-
den. 47,01 Euro waren es im Durch-
schnitt, nachdem es im ersten Halbjahr
des Vorjahres noch 49,49 Euro waren.
Zum Vergleich: Beim Bargeld liegt der
Einkaufsbetrag laut EHI bei 14,34 Euro.
Aber die kontaktlose Technologie könn-
te das noch weiter ändern: Heute sind
rund 44 Prozent der Karten mit der Kon-
taktlos-Technologie ausgerüstet. Mehr als
jede fünfte Bezahlung war dabei kontakt-

los, teilweise war es je nach Bereich sogar
schon jede Dritte. Kontaktlos werden im
Schnitt 33,80 Euro gezahlt, also deutlich
weniger als mit dem normalen Stecken.
Das führt auch dazu, dass immer mehr
Händler Zahlungsterminals anbieten.
Ihre Anzahl stieg innerhalb eines Jahres
um rund 4,3 Prozent auf 856 000 Termi-
nals. Im Vorjahreszeitraum waren es
knapp 40 000 Stück weniger. Die Deut-
sche Kreditwirtschaft schiebt das darauf,
dass bisherige Bargeld-Domänen wie
etwa Bäckereien nun häufiger Kartenzah-
lung anbieten.
Das deckt sich auch mit Zahlen der
Bundesbank: Im Jahr 2014 bezahlten die
Verbraucher 3,4 Milliarden Mal elektro-
nisch – sowohl an Kassen als auch bei Ein-
käufen im Internet und per Telefon. 2018
waren es bereits fast 5,3 Milliarden elek-
tronische Bezahlvorgänge. Dabei gibt es
laut einer aktuellen Allensbach-Umfrage

einen großen Generationenunterschied.
So hat eine Mehrheit der 16- bis 44-Jähri-
gen ihre letzten Einkäufe nach eigener
Aussage meistens mit Karte bezahlt. Ab
45 Jahren werden aber mehr als zwei Drit-
tel aller Einkäufe in bar beglichen.
Europaweit gibt es unterschiedliche
Einschätzungen zum Stand Deutschlands
als Bargeldland. So hieß es in einer von
der Europäischen Zentralbank veröffent-
lichten Studie aus dem Jahr 2017, dass „in
neun Ländern des Eurosystems mehr bar
bezahlt wird als hierzulande, während
weitere neun Länder einen geringeren
Barzahlungsanteil aufweisen als Deutsch-
land“. Damit sei das Zahlungsverhalten
in Deutschland kein Sonderfall in Euro-
pa. Eine andere Studie, ebenfalls der
EZB, kommt dagegen zu dem Ergebnis,
dass 2018 nur in Bulgarien, Griechen-
land, Italien und Rumänien weniger mit
Karte gezahlt wurde.

maf.FRANKFURT, 30. August. Die
Volkswirte des größten Vermögensver-
walters der Welt, Blackrock, schlagen
Helikoptergeld vor, sollte es im Euro-
raum zu einer Rezession kommen.
Doch die Bundesbank hält davon we-
nig. Für sie ist Helikoptergeld, also die
direkte Auszahlung von Geld durch
die Notenbanken an Staat oder Bürger,
eine fiskalische Angelegenheit. Damit
wären die unbefristeten Nullzinskredi-
te, die von der Europäischen Zentral-
bank (EZB) über die Geschäftsbanken
an die Bürger geleitet würden, nicht
durch das geldpolitische Mandat ge-
deckt, weil sie gegen das Verbot der
monetären Staatsfinanzierung verstö-
ßen. Das geht aus einer Antwort der
Bundesbank auf eine Anfrage des Bun-
destagsabgeordneten Fabio De Masi
(Die Linke) hervor. Die Blackrock-
Volkswirte, darunter Elga Bartsch, hat-
ten vor kurzem Vorschläge unterbrei-
tet, wie die Zentralbanken auf die
nächste wirtschaftliche Schwächepha-
se reagieren können, nachdem ihr
Spielraum mit Negativzinsen und An-
leihekäufen schon sehr weit ausge-
schöpft ist. Im Wesentlichen schlagen
sie eine stärkere Zusammenarbeit zwi-
schen Geld- und Fiskalpolitik vor.
Doch das hält die Bundesbank für pro-
blematisch, weil dies die Unabhängig-
keit der Geldpolitik bedrohte.
De Masi kann sich zwar nicht damit
anfreunden, dass Blackrock der EZB
Vorschläge macht: „Vermögensverwal-
ter wie Blackrock sollten der Geldpoli-
tik unterworfen sein und nicht umge-
kehrt.“ Gleichwohl hält er die Vor-
schläge im Kern für richtig: „Geld
kann noch so billig sein – ohne Unter-
stützung der Fiskalpolitik gibt es keine
hinreichenden Investitionen.“ Das
Geld versickere an den Finanzmärkten
und begünstige Vermögenspreisbla-
sen. Deshalb greift seiner Ansicht
nach die Kritik der Bundesbank zu
kurz. Sie hält Wertpapierkäufe, die der
Finanzierung öffentlicher Aufgaben
und Investitionen dienen, für eine mo-
netäre Staatsfinanzierung. Nach An-
sicht von De Masi gibt es diese Interes-
senkonflikte auch schon in den EZB-
Käufen von Unternehmensanleihen.


So zahlen die Deutschen


Mehr als jede fünfte Transaktion ist mittlerweile kontaktlos / Generationenfrage Karte oder Bargeld


Bundesbank weist


Vorschläge von


Blackrock zurück


Ausbezahlten P&R-Anlegern drohen Rückforderungen


1) Nicht bereinigte Originalkurse ohne Kurszusätze; erfasst werden die im F.A.Z.-Index enthaltenen Titel. Aktien mit Kursen von weniger als
1 Euro sind nicht berücksichtigt. Quelle: F.A.Z.

Investoren, die vor der


Insolvenz des Container-


vermieters ausgestiegen


sind, können sich nicht


sicher fühlen. Denn der


Insolvenzverwalter prüft


Rückzahlungsansprüche.

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