Frankfurter Allgemeine Zeitung - 24.02.2020

(Wang) #1

FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG Sport MONTAG,24. FEBRUAR2020·NR.46·SEITE 27


D


ie Wirklichkeit Deutschlands ist
anders,als Rassistenund Ge-
walttäter sie sichwünschen.
Drei Tage nach den MordenvonHanau
sind am Samstag in Leipzig Lisa-Marie
Kwayie und DenizAlmas, siewaschech-
te Berlinerin und er unverkennbar
Schwabe, deutsche Meister im Sprint ge-
worden. Erstaunlichist nicht, dassdie
beiden KindervonEinwandere rn die
schnellsten Deutschen sind.Beeindru-
ckend istdie Normalität, mit der sie
längstinternational ihreHeimatreprä-
sentieren und zu Hause sind in ihrem
Sportund durch ihren Sport. Anders als
Fußballspieler,die nicht seltenvonAn-
hängernder gegnerischen Mannschaft,
manchmalauchvon denen der eigenen,
beleidigt und diffamiertwerden, scheint
Rassismus in der Leichtathletik-Arena
kein Thema. „Man solltefrohsein, dass
es so schön bunt ist“, sagt Lisa-Marie
Kwayie, Kind der Großstadt.„Ichhoffe,
dassdas ir gendwann in dieKöpfe


kommt und wir alleglücklichdamit
sind.“ Die 23 JahrealteStudentinge-
wann, diesmal in7,21Sekunden,zum
zweiten Mal den Titel in der Halle und
wareine HundertstelsekundevorMalai-
ka Mihambo im Ziel, derWeltmeisterin
im Weitsprung. Diese,Kurpfälzerin mit
Vateraus Tansania und Deutschlands
Sportlerin des Jahres, wurde ihrer her-
ausragendenRolle gerecht, indemsie
am Sonntag denWeitsprung mit 6,77
Metergewann. Den Schrecken, der sich
vier Tage zuvor in Hanaugezeigt hat,
kommentierte sie mit den Worten:
„Klar,dassesviele Menschen mit sol-
cherGesinnung gibt, dasgabesauchfrü-
her.Dassesjetzt mehr ausbricht, ister-
schreckend.“ Undforderte:„Wir müs-
sen alle mehr an uns selbstarbeiten,
glücklichereMenschen zu sein, dann
kann man auchandereinRuhe lassen.“
Deniz Almas, 22 Jahrealt, is tzum
Training und zum Studium nach Leipzig
gezogen. „Ichkomme vomDorf. Da
kennt man sich“, sagt er.Rassismus
komme dortnicht vor. Undauchinsei-
ner neuen Heimat Sachsen habe erkei-
ne schlechten Erfahrungen gemacht:
„Alles cool.“In6,60 Sekundengewann
der 22 JahrealteSportstudent am Sams-


tag unterstandesgemäßem Jubel den Ti-
tel. An diesem Montag erwartet er bei
der Bundeswehr,die ihm eineFörder-
stelle bereitgestellt hat, die Beförderung
zum Obergefreiten. Rassismus? „Ich
habe Gott sei Dank mit so einer Scheiße
nichts zu tun.“
Auch Lisa-MarieKwayie,längsteine
Stütze der deutschenStaffel, hatkeine
Erfahrung mitRassismus. „Ich bin in
Neukölln aufgewachsen, da isteskunter-
bunt“, sagt sie, diekurz nach ihrer Ge-
burtinGhana mit ihren ElternnachBer-
lin kam. In Schule,Studium und Sport
werden ihrTalentund ihreLeistungen
anerkannt.Über 100 und 200 Meter will
sie sichfür Olympiaqualifizieren. Ha-
nau hat sie erschreckt.„Ichverste he gar
nicht, dasssoetwas heutzutage noch
existiert“, sagt sie über denTerror.„Ich
finde das ganz, ganz schlimm. Ich
wünschte mir,dasssoetwas 2020gar
kein Themawäre.“
Vorzwanzig Jahren, als er erst in der
Halle und dann imStadionWeltmeister
im Dreisprung wurde, beklagte der Le-
verkusenerCharlesFriedek,dasserfür
einen Asylbewerber gehalten werde,
wenn er imTrainingsanzug durchdie
Stadt laufe, und dasser an den Eingangs-
türen der DiscosvonKöln wegenseiner
Hautfarbeabgewiesen werde. Doch
schon damalswaresbei Wettkämpfen
längstnicht wie imFußball,worassisti-
sche Ausfällegegen über Spielern Nor-
malität warenund sind.Erstjüngst
wehrte sichinMünsterund in Frankfurt
am Maindie Mehrheit des Publikumsge-
genrassistische Krakeeler.Und Natio-
nalspielerLeon Goretzkamachte be-
kannt, dasserübel beschimpftwurde
für seineFeststellung: „Ichbin ein Kind
des Ruhrgebiets. Da antwortetman auf
die Fragenach der Nationalität mit
Schalke, Dortmund oder Bochum.“
„Leichtathletik unterscheidet sichge-
waltig vonandere nSportarten, insbe-
sondereMannschaftssportarten“, sagt
JürgenKessing, der Präsident des Deut-
schen Leichtathletikverbandes (DLV).
„Bei uns gibt eskeineHooligans un dkei-
ne Pyrotechnik,wir sind eineFamilien-
sportart.“ In der ausverkauftenArena
vonLeipzigbejubelten die Zuschauer
diewenigenStars,dieihreSportarthat
und diegekommenwaren, sie teilten die
Freude derAthleten an ihren Leistun-
gen, einerlei,wo auf derWelt sie ihre
Wurzeln haben –eine globalisierte
Sportartmit globalisierterNational-
mannschaft. „Bei uns gibt eskeine
Feindbilder“, sagtKessing, Oberbürger-
meistervonBietigheim-Bissingen in Ba-
den-Württemberg.„Leichtathletik ist
ein Beispiel für einefaireWelt.“ Das
gilt, immerhin,ind en Klubs und für die
Dauer desWettbewerbs inStadion und
Sporthalle.

Lisa-Marie
Kwayie ist
eine waschechte
Berlinerin und
wurde Meisterin
im Sprint.

Foto Imago

 Basketball


Bundesliga, Männer,20. Spieltag: Telekom
BasketsBonn –JobstairsGiessen 46ers112:96.


 Bob


Bob, WM in Altenberg:


Männer,Zweier: 1. Friedrich/Margis (Altenberg/
Halle/Saale) 3:40,44 Min., 2.Weber (Stuttgart/
Winterberg) +1,65 Sek., 3. Kibermanis/Miknis
(Lettland) +1,79.


Frauen, Zweier: 1. Gibbs (USA) 3:45,49 Minuten,



  1. Kalicki/Lipperheide (Wiesbaden/Gladbeck) +
    0,37 Sek., 3. de Bruin/Bujnowski (Kanada) +1,06.


 Biathlon


WeltmeisterschaftinAntholz, Männer,4x
7,5 kmStaffel:
1. Frankreic h1:12:35,9Std./0
Strafrd.+4 Schießf., 2. Norwegen +21,5
Sek./1+12, 3. Deutschland (Lesser/Frankenhain,
Horn/F rankenhain,Peiffer/Clausthal-Zellerfeld,
Doll/Breitnau) +36,2/1+8.
15 km Massenstart: 1. Bö (Norwegen) 38:09,5
Min./0 Schießf., 2. Maillet(Frankreich) +42,0
Sek./3, 3. Jacquelin (Frankreich) +55,0/2, ... 10.
Kühn (Reit imWinkl) +1:25,2/4, ... 12. Doll (Breit-
nau)+1:39,3/4,...21.Peiffer(Clausthal-Zellerfeld)
+2:42,0/5, ... 24. Horn(Frankenhain) +3:20,1/7.


Frauen, 12,5 km Massenstart: 1. Röiseland
(Nor wegen) 39:14,0 M in./2 Schießf., 2.Wierer
(Italien) +20,7 Sek./3, 3. Öberg(Schweden)
+26,1/3, ... 8. Preuß (Haag) +1:00,3/3, ... 12. Herr-
mann (Oberwiesenthal) +1:26,1/7,13. Hor chler
(Clausthal-Zellerfeld) +1:30,9/3, ... 17. Hinz
(Schliersee) +2:02,3/3.


Frauen,4x6kmStaffel: 1. Norwegen
1:07:05,7Std./1 Strafrd.+9 Schießf., 2. Deutsch-
land(Horchler/Clau sthal-Zellerfeld,Hinz/Schlier-
see, Preuß/Haag, Herrmann/Oberwiesenthal)
+10,7 Sek./0+9, 3. Ukraine +18,4/0+8.
 Eishockey
DEL, 48. Spieltag: NürnbergIce Tigers –Eisbä-
renBerlin 5:3, Krefeld Pinguine–StraubingTi-
gers 3:4 n. V.,AugsburgerPanther –Adler Mann-
heim 4:2,RedBull München–DüsseldorferEG
2:3.
 Fußball
England, 27. Spieltag: FC Chelsea–Totten-
ham Hotspur 2:1, FC Burnley–AFC Bourne-
mouth3:0, Cr ystalPalace –Newcastle United
1:0, Sheffield United –Brighton &HoveAlbion
1:1, FC Southampton –Aston Vi lla 2:0, Leicester
City –Manches terCity 0:1,ManchesterUnited –
FC Watfor d3:0, Wolverham pton Wanderers –
NorwichCity 3:0, FC Arsenal–FC Everton3:2.
Italien, 25. Spieltag: Brescia Calcio–SSC Nea-
pel 1:2, FC Bologna–Udinese Calcio 1:1, SPAL
Ferrara–JuventusTurin1:2,ACFlorenz–ACMai-
land 1:1, CFC Genua 1893–Lazio Rom2:3, AS
Rom–USLe cce4:0,HellasVerona–Cagliar iCal-
cioabgesagt, FCTurin–ParmaCalcio abgesagt,
InterMailand–SampdoriaGenuaabgesagt ,Ata-
lantaBergamo –USSassuolo Calcio abgesagt.
Spanien, 25. Spieltag: Betis Sevilla–RCD Mal-
lorca3:3,CeltaVigo–CDLegane s1:0,FCBarcelo-
na –SDEibar 5:0,Real S. San Sebastián–FCVa-
lencia3:0,UDLevante–RealMadrid1:0,CAOsa-
suna –FCGrana da 0:3, CD Alaves–Athletic Bil-

bao2:1,RealValladolid–EspanyolBarcelona2:1,
FC Ge tafe –FCS evilla 0:3.

3. Liga, 25. Spieltag: Viktoria Köln–SGSonnen-
hof Großaspach1:0, 1. FCKaiserslautern–FSV
Zwickau0:0, WürzburgerKickers –Eintracht
Braunschweig 3:1, KFC Uerdingen–Preußen
Münster0:2, HansaRostock–FC Ingolstadt 3:0,
CarlZeissJena–SVM eppen0:2,MSVDuisburg–
Waldhof Mannheim 2:3,TSV1860 München–1.
FCMagdeburg1:1,HallescherFC–SpVgg Unter-
haching 3:5. –Tabelle :1.Duisbur g25Sp./44
Pkt.,2. Unterhaching25/44,3.Mannheim25/42,
4. Ingolstadt 25/41, 5. Meppen 25/38, 6. Braun-
schweig 25/38, 7.Rostock25/38, 8. Würzburg
25/37, 9. 1860 München 25/36, 10. Uerdingen
25/36,11.BayernMünchenII24/35,12.Zwickau
25/32, 13. Halle 25/32, 14.Kaiserslautern25/32,
15. Magdeburg25/30, 16.Viktoria Köln 25/29,
17. Chemnitz24/28 ,18. Münster25/24,19.
Großaspach25/18, 20. Jena 25/17.
Frauen, Bundesliga, 15. Spieltag: VfLWolfsburg
–Turbine Potsdam 5:1, SGS Essen–TSG Hof fen-
heim 3:2, 1. FCKöln –USV Jena abges., 1. FFC
Frankfurt–BayerLeverkusen 3:1, Bayern Mün-
chen –SCSand 3:1, SCFreiburg–MSV Duisburg
2:2. – Tabellenspitze :1.Wolfsbur g15Sp./43
Pkt., 2. München 15/37, 3. Hoffenheim 15/34.
 Handball
Champions League, Gruppenphase, Män-
ner:
HC Brest–THW Kiel 33:30.
EHF-Cup, 3. Spieltag: Liberbank Cuenca/Spa-
nien–Rhein-NeckarLöwen28:33,HBCNantes–
SC Magdeburg28:31.
Bundesliga, 18. Spieltag TVBStuttgar t–Frisch


AufGöppingen29:26, SG Flensburg-Handewitt
–HSG Wetzlar 31:28, Bergischer HC–TSV Ha n-
nover-Burgdorf 28:27, Die EulenLudwigshafen
–MT Melsungen 25:25.
 Leichtathletik
Deutsche Hallen-MeisterschaftinLeipzig:
Männer,200 m: 1.Er ewa(Bochum)20,80Sek.,2.
Straub(Leipzig)20,83,3. Ansah (Hamburg)21,15.
400 m: 1.Joi te(Dresden)47,13Se k.,2.Baumgar-
ten(Baden-Baden) 47,64, 3.Peter(Jena) 48,12.
800 m: 1.Farken(Leipzig)1:50,39Min., 2.Lawnik
(Braunschweig) 1:51,38, 3. Biederbick(Frankfurt)
1:51,39.
1500 m: 1. Benitz (Dornstetten) 3:55,66 Min., 2.
Probs t(Bochum) 3:56,14, 3.Tortell (Karben)
3:56,43.
4x200 m: 1.Ba yer04Leverkusen(Menga,Hoff-
mann, Bulik,Bürckel) 1:24,33 Min., 2.TVWatten-
scheid, 1:24,85, 3.Stadtwer ke München 1:25,69.
Dreisprung: 1. Wenzel (P otsdam) 15,74 m, 2.
Klobasa (Jena) 15,59, 3.Vogel(Chemnitz)15,47.
Stabhochsprung: 1. Baehre(Leverkusen) 5,70
m; 2. Zernikel (Landau) 5,40; 3.Kass (Le verkusen)
5,40.
Weitsprung: 1.Przybylko (Leverkusen) 2,23m,2.
Potye(München)2,20,3.Freitag (Ulm)2,17;
Frauen, 200 m: 1. Wessolly (Mannheim) 23,37
Sek., 2. Lederer (R egensburg) 23,62,3.Grauvo-
gel(Leverkusen) 23,77.
400 m: 1. Schwab (Regensburg) 52,65 Sek., 2.
Müller (Rehlingen-Siersburg)52,92, 3. Mergen-
thaler (Mannheim) 53,39.
800 m: 1. Hering (München) 2:02,14 Min.,2.
Trost(München) 2:02,74,3.K olberg (BadNeuen-

ahr-Ahrweiler) 2:06,27.
1500 m: 1. Klein (Tübingen) 4:22,43 Min., 2.
Granz (Berlin) 4:24,21, 3. Hoffmann (Luxemburg)
4:25,96.
4x200 m: 1. Ba yer04Leverkusen 1(Montag,
Grauvogel, Arndt, Klein) 1:35,40 Min., 2.LG Re-
gensburg1:36,14,3.TVWattenscheid011:36,55.
Weitsprung: 1. Mihambo (Schwetzingen) 6,77
m, 2. Luzolo (Königstein imTaunus) 6,44, 3.
Homeier (Göttingen) 6,41.
Hochsprung: 1. Gröll (München) 1,86 m, 2. Mö-
genburg(Leverkusen) 1,83,3. Stichling (Wein-
heim) 1,83.
 Rodeln
Weltcup inWinterberg, Mixed,Teamstaffel:
1.Russland 2:36,848 Min., 2. Italien +0,494 Sek.,


  1. Lettland +0,599.
    Doppelsitzer: 1. Denisew/Antonow(Russland)
    1:33,622 Min., 2. Gudramovics/Kalnins (Lettland)
    +0,608 Sek., 3. Chmielewski/Komalewski (Polen)
    +0,763.
     Ski alpin
    Damen,Weltcup in Crans Montana/Schweiz,
    Abfahrt:
    1.Gut-Behrami (Schweiz)1:27,73Minu-
    ten, 2. Suter (Schweiz)+0,02 Sek., 3. Ortlieb
    (Österreich)+0,05,...23.Weidle(S tarnberg)+1,57.
    Kombination :1.Brignone (Italien) 1:56,24 Min.,

  2. Gritsch(Österreich) +0,92 Sek., 3. Ledecka
    (Tschechien)+1,82.–Dorsc h(Schellenberg)aus-
    geschieden (1:18,05/-).
     Ski nordisch
    Skispringen,Weltcup in Rasnov/Rumänien,
    Männer,Normalschanze (Samstag):
    1. Kraft


(Österreich) 270,3 Pkt. (103,0 m/97,5 m), 2. Gei-
ger(Oberstdorf) 266,7 (99,5/96,0), 3. Schmid
(Oberaudorf) 260,2 (103,0/95,5), 4.Kubacki (Po-
len) 258,6 (96,0/100,0), 5.Tande (Norwegen)
255,5 (98,0/94,5), 6. Lindvik (Norwegen) 253,8
(93,0/99,0),7.Leyhe(Willingen)252,8(95,5/97,0).
NordischeKombination,Weltcup inTrond-
heim Einzel (Sonntag): 1. Riiber (Norwegen)
24:12,8 Minuten, 2. Oftebro(Norwegen) +29,4
Sek., 3. Björnstad(Norwegen )+35,5, ... 5.Frenzel
(Geyer) +58,6.
Langlauf,Weltcup inTrondheim/Norwegen,
Frauen, 15 kmVerfolgung klassisch: 1. Johaug
(Nor wegen) 41:13,8 Min., 2.Weng (Norwegen)
+3:40,8 Min., 3. Östberg(Norwegen) +3:41,5.
Herren, 30 kmVerfolgung klassisch, 1. Gol-
berg(Norwegen)1:23:51,6Std.,2.Krüger(Norwe-
gen) +28,9 Sek., 3. Holund (Norwegen) +30,1.
 Tennis
WTA-Tour in Doha/Qatar,Damen, Einzel
(3,24 Mio. US-Dollar), 1. Runde: Siegemund
(Metzingen)–Schwedowa (Kasachstan) 6:3, 6:2.
 Gewinnzahlen
Lotto: 6–11 –21–24 –31–32.
Superzahl: 0.
Spiel 77: 8928168.
Super 6: 65053 2.
Eurojackpot: 2–13 –39–45 –47.
Eurozahlen: 4–6.
Glücksspirale: 3gewinnt 10 Euro, 37gewinnt
25, 224 gewi nnt 100, 5171 gewinnt 1000,
41900 gewinnt10000,822473und451627ge-
winnen 100000.

Ergebnisse


G


esicht:angeschwollen. Blick:
glasig. Koordination: einge-
schränkt.Gegen wehr:spora-
disch. Daswarinetwadas
Mängelprotokoll, mitdem der Berufsbo-
xerDeontay Wilderinder Nachtauf
Sonntag in die siebte Rundeseines44.
Kampfesgeschickt wurde. DieMienen
der Betreuer in seiner Ecke drückten
erns te Besorgnisaus, dochdas 34-jährige
Schwergewicht ausAlabamawolltesich
auchnachzweiNiederschlägen(Runden
3und 5) offenbarnochmehr vondem ab-
holen,wasihm längstnicht mehrguttat.
Ein „Warrior“ voneigenen Gnaden,der
aus dem Ohr blutete und wie ein Krakee-
lerauf Autopilot wirkte:weiter streitlus-
tig, doch kaum noch erns tzunehmen.
In einerBar schreitet in solchenMo-
menten ei nresoluterTürsteher ein. Im
Ring des MGM GrandHotels in Las
Vegasist derRingrichter gefragt .Sokam
der sehr erfahrene KennyBaylessend-
lichseiner Verantwortung nach. Erwarte-
te keine drei Minuten mehr,umden
kaum noch wehrha ften amerikanischen
Boxprofivor der eigenen Moral zu schüt-
zen, kreuzteseine Arme zumZeichen
des Abbruchsvorihm –und setztedamit
ein neues Zeitalter imKönigslimit in
Gang. Ab sofor tgiltstatt Wilder,des
„Bronze Bomber“ mitdemgefürchteten
Punch, dessen BezwingerTyson Fury als
das Maßaller Dinge.Fury istnun „the
man who beatthe man“,wie es im
schnörkellosen Slang desShowsports
heißt.
Das Resultat allein dürfteallenfalls die
zweitgrößte Überraschung bei diesemRe-
matchder beiden ungeschlagenen Zwei-
Meter-Kolossegewesen sein. Diegrößte
wareindeutig, wie deutlich der Herausfor-
derer aus Manchester (2,06 Meter) den Ti-
telträger (2,01 Meter) diesmal beherrsch-
te –und wie schnell er ihn zerstörte.14
Monatenach dem ersten Duell in Los An-
geles, das mitRemis endete,wardas hier
ein Triumph mit behördlicherVoranmel-
dung. Der sogerufene „Gypsy King“ hatte

im Vorfeld schließlichbei jeder Gelegen-
heit angekündigt, dassernun einevöllig
andereStrategie anzuwenden beabsichti-
ge.Das legte bereits dieVerpflichtung des
neuen Cheftrainers„SugarHill“Steward
nahe, eines Lehrmeistersaus demrenom-
miertenDetroiter „Kronk Gym“. Sowie
die Tatsache, dassFurynun fast 124 Kilo
„reines britisches Rindfleisch“ auf die
Waagebrachte, wie er sichausdrückte–
und damit siebeneinhalb Kilo mehr als
beim erste nRendezvous. Diese Masse lag
in den wuchtigen Schlägen, mit denen der
Brit eden Weltmeistervom erste nGong
an vonder Ringmitteaus attackierte.Und
in jener Last, dieWilder imverbissenen
Nahkampfwegdrückenmusste. Sokam
dieser eigentlichnie in dierichtigeDis-
tanz für seineexplosiveRechte, auf die er
sichüber zehn Titelverteidigungen mit
neunvorzeitigen Siegen erfolgreichverlas-
sen hatte; auchbeim ersten Tanz mitFury
hattesie ihm zu zwei Niederschlägenver-

holfen.Undwas bleibtvoneinem gefürch-
tete nPuncher,wenn er seiner bestenWaf-
fenberaubt wird? Das,wasvon Wilder
blieb: ein sehr irdischer Athlet, dessen bo-
xerische Mängel deutlich wurden–auch
wenn er sichverzweifeltgegendie er ste
Niederlageals Profiwehrte.
Werden Namen Jewgeni Romanowmit
dem vonWilder in die Suchmaschine ein-
gibt,wirdauf ähnlicheTV-Bilder wie nun
in LasVegasstoßen.Aufihnen wirdder
spät zum Boxenberufene, erst 22 Jahre
alteamerikanische Amateur bei einem
LänderkampfinNowosibirskvonseinem
russischen Gegner quasi für jeden An-
griffsversuchbestraf t–bis ein gnädiger
Unparteiischer ihn im dritten Durchgang
aus demKampfnimmt.Bis zumWochen-
ende istdas die letztevorzeitigeNiederla-
ge des Olympiadrittengeblieben, derkei-
nen PlanBzukennen scheint.
„Es geht mir gut, ichwar bereit“,versi-
cherte der Geschlagene nochimRing, lob-

te seinen Bezwinger undversprach,stär-
kerdenn je zuvor zurückzukommen. Das
Imagedes K.-o.-Schlägers, der früher oder
später jeden erwischt, dürftegleichwohl
Schadengenommen haben. Die 17 000Zu-
schauer hatten zwar ihr Spektakel, als der
Titelverteidiger maskiertindie Arena ein-
lief. Auchindem Punkt jedochhatteihn
der unbesiegteWidersacher (nun 30 Sie-
ge,ein Remis) ausgestoch en. Der allzeit
exzentrischeNachkomme irischerTravel-
ler ließ sichmit Krone undRegentenman-
telauf einem Thron ans Seilgevierttra-
gen. In dem Sinne durfteernachherfest-
stellen, dass„der König“ zurückgekehrt
sei, bevorerz um guten Ende lauthals Don
McLeans„American Pie“ intonierte.
DiepenetranteSelbstdarstellung desge-
borenen Entertainersmag manche
Schmerzgrenze deutlich überschreiten –
vorallem eingedenkregelmäßiger sexisti-
scher undrassistischer Tiraden.Werso-
wohl Wladimir Klitschko(2015) als nun
auchWilder deutlichbesiegenkonnte, hat
sichdennochals bemerkenswerter Cham-
pion profiliert. DerWitz warjedenfalls
auf seinerSeite, als sichder neue Titelträ-
gerund seine EntouragegleichimRing
mitgebrachteT-Shirts mit derAufschrift
„Weltmeister“ überstreiften –während
der Promotervon AnthonyJoshua, demri-
valisierenden Champion der Verbände
WBA, IBF und WBO, über die sozialen
Netzwer ke unbedingteBereitschaftfür ei-
nen rein britischen WM-Gipfel bis Ende
des Jahres herüberschickte.
Also demnächstgegen Joshua? Oder
dochnoch einmalgegen Wilder,mit dem
es offenbar eine Rückkampf-Klausel
gibt? Eine eindeutigeAntwortauf diese
Frageist Furyinder Wüstenmetropole
schuldiggeblieben. SeineKampagne soll
indes so oder sofortgesetzt werden, wie
er auf seiner Pressekonferenzweit nach
Mitternacht im leeren Ring der Arena be-
kanntgab, nicht zuletzt mit Blickauf die
neue, aggressiveAusrichtung:„Wer im-
mer derNächste ist, er fährtdie gleiche Be-
handlung.“

„124 Kilo reines britisches Rindfleisch“: Tyson Fury (rechts)gegenDeontayWilder –das is tdiesmaleine eindeutigeAngelegenheit. FotoAFP

Gestatten: KingFury I. Fotodpa

Ackermann siegt in Dubai


Radprof iPascalAckermann hat sich
zum Auftakt derUAETourimersten
großen Sprinterduell der Saisongegen
die versammelteElitedurchgesetzt .Der
Pfälzer aus demTeam Bora-hansgrohe
gewann die ersteEtappe in Dubai (Ver-
einigteArabische Emirate) nach148 Ki-
lometernvor dem Australier Caleb
Ewan. Der viermaligeTour-de-France-
Sieger ChrisFroomekambei seinem ers-
tenRenneinsatz seitdem schwerwiegen-
den Unfall im Juni 2019 im Hauptfeld
ins Ziel. Der Britehat nachder achtmo-
natigen Zwangspause nochgering eEr-
wartungen. „Ich bin nochweit davon
entfernt,wo ichvor de mSturzwar“, sag-
te der 34-Jährige. sid


Absagenwegen Coronavirus
Das Coronavirus hat fürAbsagenvon
Wettkämpfen im italienischen Sportge-
sorgt .AmSonntagwarenvier Fußball-
spiele der SerieAbetroffen. Damitfolg-
te die LigaVorgaben derRegierung zur
Eindämmung des Coronavirus. Bereits
am Samstag hattedas ViruszuBeein-
trächtigungen im Spielbetrieb der zwei-
tenLigageführt. Eine Serie-B-Begeg-
nung wurde verschoben, nachdem in
Cremona ein positiverCorona-Fallge-
meldetwordenwar. Auch im Amateur-
Fußball,Volleyball, Basketball undRug-
by wurden mehrereSportveranstaltun-
genabgesagt.ImTennis wurde auf der
unterklassigen Challenger-Tour in Ber-
gamo ein Endspiel abgesagt. dpa

Überfall in Las Vegas


InKürze


TysonFurysetzt im


WM-Rückkampf auf


entfesselteAggressivität


undentthront in


verwegenerManier


Weltmeister


Deon tayWilder.


DasSchwergewicht


aus England istnun


das Maß aller Dinge.


VonBertram Job,


Bochum


„Eine Familiensportart“


Keine Rede vonRassismus: Die Leichtathletik ist


„schön bunt“ / VonMichaelReinsch, Leipzig

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