Niederlage gegen die vereinig
ten Truppen Österreichs und
Russlands. 18 000 preußische
Soldaten kommen ums Leben.
•lfm
Dresden. Österreich erobert
Sachsens Hauptstadt. Damit
ist der Preußenkönig in der De
fensive. Nun setzt Friedrich II.
alles daran, sein Territorium
sowie Schlesien zu verteidigen.
Und tatsächlich gewinnt er bis
Jahresende zwei entscheidende
Schlachten bei Liegnitz und
To rgau gegen die Erzherzogin.
Doch in den folgenden Mona
ten werden seine Truppen mehr
und mehr aufgerieben.
••
London. Großbritannien stellt
die Unterstützung Preußens
ein. Nach einem Thronwechsel
im Jahr zuvor will der neue,
kriegsmüde König Georg II I.
den Konflikt in Europa auch
angesichts der hohen Kosten
beenden. Frankreich und
Großbritannien tragen ihren
Kampf inzwischen ohnehin vor
allem in ihren Überseekolo
nien aus. Für Preußen scheint
der Krieg nun verloren.
- IZD
Moskau. Zarin Elisabeth stirbt.
Wenig später kündigt ihr
Nachfolger Zar Peter I II., ein
Bewunderer Preußens, die
Allianz mit Österreich und
verbündet sich mit Friedrich II.
Kurz darauf vermittelt er
auch einen Friedensvertrag
zwischen dem Preußen-
könig und dem kriegsmüden
Herrscher Schwedens.
Daten und Fakten
.um
Warschau. Nach dem Tod
des Sachsenherrschers Fried
rich August II. (als Friedrich
August II I. König von Polen)
wählt der polnische Adel einen
einheimischen Edelmann
zum Monarchen. So verliert
Sachsen auch im Reich dauer
haft an Bedeutung.
Hubertusburg. Im Jagd
schloss des sächsischen Kur
fürsten beenden Preußen und
Österreich den Siebenjährigen
Krieg in Europa (Frankreich
und Großbritannien haben
sich wenige Tage zuvor über
ihre Streitigkeiten in Übersee
geeinigt). ln ganz Deutschland
sind Städte zerstört, Hunderte
Dörfer unbewohnbar, Felder
vernichtet; gut 500 000
Menschen sind durch die
Kämpfe ums Leben gekom
men. Nun verpflichten sich die
Kriegsparteien, alle eroberten
Gebiete wieder zurückzugeben,
Schlesien allerdings bleibt
preußisch. Die wichtigste Kon
seguenz des Siebenjährigen
Krieges ist indes nicht im Frie
densvertrag fixiert: Preußen ist
endgültig zur europäischen
Großmacht aufgestiegen.
•Im
Neiße. ln einem schlesischen
Schloss loten Friedrich II. und
Maria Theresias 1765 zum Kai
ser gewählter Sohn Joseph II.
Möglichkeiten für eine fried-
WILHELMINE VON BAYREUTH
1709-1758
1731 zieht die Lieblingsschwester Friedrichs
des Großen zu ihrem Bräutigam nach Bayreuth - ein
Provinznest, das die Markgräfin bald nach eigenem
Gusto formt. Wilhelmine lässt ein Opernhaus
bauen, gestaltet Schlösser und Parks, holt Künstler an
den Hof- und malt, komponiert und schreibt
Gedichte bis zu ihrem frühen Tod
114 I GEO EPOCHE Deutschland um 1700
liehe Koexistenz aus. Doch ihr
gegenseitiges Misstrauen ist zu
groß. Und so wird die Rivalität
der beiden Großmächte auch
in den folgenden fast 100 Jah
ren die deutsche Geschichte
prägen - bis Preußen 1866
Österreich aus dem Ve rband
deutscher Staaten drängt.
Immerhin: Friedrich II. wird
in den zwei Dekaden bis zu
seinem Tod keinen Krieg mehr
anzetteln. So kann sich
Deutschland von den Folgen
der zwischen 1674 und 1763
ausgefochtenen Konflikte er
holen. ln der jetzt anbrechen
den Friedenszeit sieht der
Preußenkönig seine Aufgabe
darin, Handel und Gewerbe zu
fördern. Ähnlich halten es die
anderen Fürsten, indem sie in
ihren Staaten die Ansiedlung
von Manufakturen unterstüt
zen oder durch bessere Boden
nutzung landwirtschaftliche
Erträge steigern lassen.
Doch der Warenaustausch
im Reich ist weiterhin durch
Zollschranken gehemmt. Über
dies bleiben die Menschen
durch zahlreiche innerdeutsche
Grenzen getrennt. Auch gibt
es nach wie vor weder eine
deutsche Regierung noch ein
gemeinsames stehendes Heer,
weder eine Reichsverwaltung
noch ein einheitliches Finanz
system oder eine überall gel
tende Währung. Vor allem aber
wird die Geschichte des Reiches
ein weiteres Jahrhundert durch
das preußisch-österreichische
Machtringen bestimmt.
So ist Deutschland nach
wie vor "nicht eine Nation",
wie der Poet Christoph Martin
Wieland 1773 bemerkt,
"sondern ein Aggregat von
vielen Nationen". 0