Wieinjeder Krisetrifft einRückschlagan
denBörsenein Segmentjeweils ganzbeso n-
ders:die Banken.
Seit Ja hresbeginn istder Stox xEurope600
Banks mehr alsein Drittel ei ngebrochen.
DerübergeordneteStoxx Europe600 –in-
klusiveder Banktitel–hat derweilrundein
Viertelverloren (vgl.Grafik 1).
Im Schnitthandeln dieimStoxx Europe600
Banks enthaltenen45grössteneuropäischen
Geldhäuser,darunterCreditSuisse, UBSund
Julius Bär, noch zurHälfte desBuchwerts.
DieBewertung dergrossen europäischen
Instituteist imZugder Coronaausbreitung
unterdie bisherigenTiefstaus derFinanz-
undEurokrise gesunken(vgl. Grafik2).
EinGrund fürdas beso ndersschlechte Ab-
schneidender Bankvaloren liegtdarin,dass
jede Krisesie doppelttrifft.
«Die im europäischen
Bankenindex
enthaltenen45Titel
handelnnochzur
Hälftedes Buchwerts»
Erstenssinddie Einnahmender Banken be-
sonderskonjunktursensi tiv: DieEinnahmen
ausdem klassischenZinsdifferen zgeschäft
hängenvomallgemeinen Zinsniveau sowie
vonder Zinsdifferenz über dieverschiede-
nenLaufzeiten ab.Jet ieferdas Niveau sinkt
undjeflacherdie Kurveverläuft,desto enger
werden dieMargender Banken.
Im Firmenkundengeschäft drohen beieinem
Konjunktureinbruc hKreditausfälle. Die
verwaltete nVermögender Privatbanken
hängenam Standder Börsen–und damitdie
Gebührenei nnahmender Banken.Zudem
beei nflusstdie Börsenstim mung dieTrans-
aktionslust derKundschaft.
Börsengänge bleiben aus
Im Investment Bankingfloriert dasHandels-
geschäftzwarüblicherweise beizunehmen-
denSchwankungen. Aufdas Ausmassder
aktuellenVerwerfungensinddie Handels-
strategien derBankenjedochnicht ausge-
richtet, womitihnen unerwarteteVerluste
drohen. Ganz beso nders sti mmungsabhän-
gigist dasKapitalmarktgeschäftder Invest-
mentbanken.HerrschtUnsicherheit, gibt es
kaum Börs engängeoderÜbernahmen und
Fusionen.
Kurz:Selbstbei gutdiversi fizierten Inst itu-
tenleidendie Einnahmen, sobald sich das
Börs enumfeldeintrübt.
ZumherausforderndenUmfeldgesel lt sich
einzweiter,verstärkend er Faktor:Bank-
aktien reagierenjeweils mitüberdurc h-
schnittlichenAusschlägen.Die Investoren
pass en ihre Erwartungnicht nurandie –
im aktuellenFallsinkenden–Gewinne an,
sondernsie messen derdarausabgeleiteten
länger fristigenGewinnkraftjeweils auch
gleich eine neue Bewertung zu.Bewegun-
genimKonjunktur- undimZinsausblicklas-
senBankaktiensovielstärker schwanken.Der Blickauf dieBewertungsentwicklung
seitder Finanzkrisezeigt,dassdiese über-
durc hschnittliche Bewegunginden Bank-
aktien allerdings nichtsymmetrisch abläuft:
Aufjeden Bewertungseinbruch folgtezwar
eine Erholung.Insgesamt istdie Bewertung
über dievergangenenzehn Jahrejedochge-
sunken.De rneueste Tiefstst anddeutetsomitnurauf
denerstenBlick an,dassdie Börs en mitih-
remaktuellen Pessimismusüberschiessen.«Ein Grundfür das
schlechteAbschneiden
derBankenliegt
darin, dass jede Krise
siedoppelt trifft»
Neben demKurs-Bu chwert-Verhältnis zei-
genauchzweiweitere Bewertungskenn-
zahlen extremeAbschläge an:GemässUBS
handelndie europäisch en Banken im Schnitt
zu einemKurs-Gewinn-Verhältnis von6
undversprechen eine Dividendenrendite
von8%. DieseWerte weichenfastein Drit-
telvon ihremlangjährigenSchnittab. Dochhier scheintOptimismusverfrüht. Dennder
langfristige Trendspricht auch ausdieser
Bewertungsperspektive klar gege nBankak-
tien:Gemässden UBS-Anal ystenhaben die
europäischenBankenseit1986insgesamt
fast 40%anWerteingebüsst, währendsich
dieKurse im breitenMarkt über denselben
Zeitraum vervierfacht haben.Dazu kommt,dassdie aktuellenBewer-
tungskennzahlen aufg ebläht sind.Die Kon-
senssch ätzungenfürdie Gewinnehinken
bei einemplötzlich auftretendenEreignis
wieder Coronapandemieden B örsenkursen
jeweilshinterher.Die derze it aufscheinen-
denBewertungskennzahlen werden damit
wenigerzum Indikator fürkünftigesPoten-
zial,sondern zeigen auf, welc he Risikenim
Bankensyst em stecken.DerStresstestwirdzur Realität
DieAnalysten derCreditSuisseillustrieren
diemöglichen Auswir kungen einerCorona-
kriseaufdieBankenanhandeines Vergleichs
mitdem Stresstest,wie ihndie Euro päische
Zentralbank2018durchgeführthatte: Dieses
Szenario unterstellte eine Schrumpfungdes
europäischenBruttoinlandpr odukts über
drei Jahreum2,7%, eine K orrektur derIm-
mobilienpreise um 27,7%sowie kumulativ
einenRückgangder Aktienkurseum30%.Resultatder theoretischenErhebungwar,
dass dieKapitalausstattung derBankenim
Schnitt28% erodierteund knappübereinerQuotedes harten Kernka pitals (CET 1) von
10% verblieb.Die CS-Analystenschliessen
daraus,dassder MarktimHinblickauf die
nundrohenderealeGefahrbei Bankaktien
dieCoron apandemiejetzt weitgehend ein-
gepreist hat.DieAnalysten vonJPMorganhaben dieBan-
kenmit Blickauf dieAuswirkungendes Co-
ronaviruseinem eigenenStresstestunter-
zogen. Auch er orientiert sich an derVorlage
derEuropäischenZentralbank von2018. Im
Schnitterrechnen sieeinen Rückgangder
CET-1-Quoteder europäischenBankenum
2,6 Prozentpunktesowie einenEinbruch
derfür 2020bis2022kumulativgeschätzten
Gewinneumrund60%.Den Hauptgrund
fürdie Gewinnerosi on sehendieAnalysten
vonJPMorganinsteigendenRückstellungen
fürausfa llgefähr dete Kredite.«Die Bewertungen
sind wenigerein
Indikator fürkünftiges
Potenzial, so ndern
zeigen, welc he Risiken
im Bankensyst em
stecken»
AufBasis desvon JPMorgandurchgespiel-
tenSzenarios undunter en tsprechenderAn-
pass ungder Gewinnerwartungenspiegeln
dieaktuellen Börs enkurseimHinblickauf
dasGeschäftsjahr 2022ein Kurs-Gewinn-
Verhältnis vonmehrals 16 –und nichteines
von7,wie es dienochnicht revidiertenKon-
sensschätzungensugge rieren.In dieVerlustzone abrutschen würden ge-
mäss Berechnung vonJPMorgandie spa-
nische Bankia,die deutsche Commerzbank
sowiedie niederländischeABN Amro.Miteinem Kurs-Gewinn-Verhältnis von
rund 11 bis14nachStresserscheinendie
britische Barclays, diefranzösische BNPPa-
ribassowiedieSchweizer PrivatbankJulius
Bärattraktiv. Auch UBSführt JPMorgan
nach demStresstestangesichtseiner voraus-
sichtlichüberdurc hschnittlichenEigenkapi-
talrendite weiterhinauf derEmpfehlungs-
liste. Selbst di eDeutscheBankwäregemäss
JPMorganaus einerreinenKurs-Gewinn-
Perspektiveattraktiv. Angesichts einerdro-
hend en Eigenkapitalklemmewürde bei ihr
allerdings dieDividendeausfa llen undins-
gesamt dasInvestiti onsrisikosteigen.ANALYSE
WasCorona fürdie Ak tien
voneuropäischen Bankenbedeutet
Ein Drittelweniger Wert innerhalb eines Monats: Europäische Bankaktien sind nun tiefer
bewertetals zur Zeit der Finanzkrise. Ertragseinbussen infolge einerAusbreitungdes Coronavirus
sind weitgehend eingepreist.Doch es gibtdarüberhinausgehende Risiken. Von RuediKeller
26 themarket.ch Freitag, 3. April 2020
In Kürze:
y DasBankensystemistdank
mehr Eigenkapital robustery DerAnleihenmarkt rechnet
dennoch mitKreditausfälleny Schweizer Grossbankenund
Julius BärscheinengerüstetQuelle: IIF
320% GlobaleVerschuldungimVerhältnis zurWelt-Wirtschaftsleistung.11010090807060501) Banktitelsinkenschneller
-----StoxxEurope 600 (indexiert) -----StoxxEurope 600 Banks(indexiert)
Quellen:Bloomberg,themarket.ch31.12.19 31.01.20 29.02.202.521.510.502) Be wertungsinkt unterbisherigesKrisenniveau
VerhältnisvonKurszumateriellem Buchwert gemessen am StoxxEurope 600 Banks
Quellen: Bloomberg, themarket.ch2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020