Neue Zürcher Zeitung - 18.02.2020

(Darren Dugan) #1

22 WIRTSCHAFT Dienstag, 18. Februar 2020


ZerstörteTrauben in Adelaide Hills inAustralien. STEFICA NICOL BIKES / REUTERS

Weinlese im Jahr der Buschfeuer


(dpa)· Weinliebhaber in allerWelt müs-
sen sich beim gegenwärtigenJahrgang
auf Überraschungen einstellen. Einen
Monat vor Eröffnung derFachmesse
ProWein inDüsseldorfstehen im Süden
der Erdhalbkugel viele Produzenten der
edlenTr opfen arg unter Druck. Busch-
feuer inAustralien, Proteste in Chile,
Dürre und chronische Stromausfälle in
Südafrika machen denWinzern dort das
Leben schwer. Sie sorgen für ein ver-
knapptes Angebot – damit drohen auch
leicht steigendeVerbraucherpreise. So
zumindest lautet eine erstePrognose der
Winzer in Südafrika nach demAuftakt
derTr aubenlese. Die Erntemenge dürfte
dort laut dem BranchenverbandVin-
pro unter dem Schnitt der vergangenen

fünfJahre liegen.Wegen langanhalten-
derTr ockenheit und jüngst vieler Strom-
ausfälle war der Export bereits 20 19 um
24% auf 320 Mio. Liter gesunken.
Auch in dem von monatelangen Pro-
testen geprägten Chile war es jüngst sehr
trocken, dasFrühjahrrecht kühl. «Es gibt
ein grossesWasserdefizit. Aber bisher
haben wir nochkeine negativenAuswir-
kungen bemerkt», sagte jedoch der Chef-
önologe desWeinguts Santa Carolina. In
Australien dagegen grassiert die Sorge,
dass die starkeRauchentwicklung durch
die Buschbrände die Aromen derReben
negativ beeinflusst habenkönnte. Direkt
von den Bränden betroffen war dagegen
kaum ein Prozent der150 000 Hektaren
grossen Anbaufläche.

Vifor Pharma


zahlt für schnellere


Zulassungsprüfung


df.· Im Geschäft mit neuen Medikamen-
tenkönnen einzelne Monate entschei-
dend sein.Wer als erster Anbieter einen
neuartigenWirkstoff gegen eine bis an-
hin nicht oder nur schwer behandelbare
Krankheit auf den Markt bringt, geniesst
einen grossenVorteil.Auch wenn an-
schliessend weitere Präparate erhältlich
sein werden, bleiben Ärzte bei derVer-
schreibung oft dem ersten Produkt treu.
Das Schweizer Pharmaunternehmen
Vifor steht bei derLancierung eines neuen
Medikaments namensVadadustat gegen
Blutarmut bei von chronischen Nieren-
krankheiten Betroffenen in einem harten
Wettbewerb mit AstraZeneca. Der briti-
sche Anbieter hat für sein PräparatRoxa-
dustat in den USA bereits ein Zulassungs-
gesuch gestellt und kann mit einem Ent-
scheid der Gesundheitsbehörde FDA bis


  1. Dezemberrechnen. DieFirmaVifor
    dürfte ihr Dossier frühestens Ende die-
    sesJahres oder Anfang 2021 einreichen.
    Um dennoch nicht zu stark inRück-
    stand zu geraten, hat das Unternehmen
    von einer namentlich nicht genannten
    kleinen US-Pharmagesellschaft einen
    Priority-Review-Gutschein erworben.
    Dieser ermöglicht, dass die FDA ein Zu-
    lassungsgesuch in einem beschleunigten
    Verfahren von sechs stattder üblichen
    zehn Monate prüft.Für diesen Zeitgewinn
    von vier Monaten greiftVifor tief in die
    Tasche. Man habe dafür rund 100 Mio. $
    bezahlt und werde denVoucher «wahr-
    scheinlich» fürVadadustat einsetzen, be-
    stätigte eine Unternehmenssprecherin
    gegenüber der NZZ einen entsprechen-
    den Bericht von Analytikern der ZKB.


IN KÜRZE


GM verlässt Thailand,
Australien und Neuseeland
(dpa)· Der US-Autobauer General
Motors (GM) hat seinenRückzug aus
Thailand,Australien und Neuseeland
angekündigt.Das Unternehmen werde
seineFabrik inThailand an den chinesi-
schenAutobauer GreatWall Motors ver-
äussern und dortkeineAutos der Marke
Chevrolet mehr verkaufen, teilte GM
am Montag mit. Die Entscheidung stehe
im Einklang mit der globalen Strategie
desAutobauers und seinem finanziellen
Spielraum. InAustralien und Neusee-
land wird GM denVerkauf vonAutos
der160 Jahre alten MarkeHolden ein-
stellen, wie derAutobauer in Melbourne
ankündigte. Nach eingehender Prüfung
müsse GM feststellen, dass man die nö-

Automesse Peking wegen
Coronavirus verschoben
(Reuters)· Die um sich greifende
Coronavirus-Infektion in China trifft
dieWirtschaft desLandes immer stärker.
Die für Ende April geplanteAutomesse
inPeking werde verschoben, teilte der
Veranstalter am Montag mit. Die Messe
ist fürdiedeutschenAutobauer ein wich-
tigerTermin, weil China fürVolkswagen,
BMW oderDaimler der weltweit grösste
Einzelmarkt ist. Nach einer Umfrage der
US-Handelskammer ist fast jedes zweite
Unternehmen in denRegionen Schang-

Grönland will
Schmelzwasser verkaufen
(afp)· Grönland will das durch den
Klimawandel hervorgebrachte Schmelz-
wasser ankommerzielle Unternehmen

hai, Suzhou, Nanjing und imJangtse-
Delta von Beeinträchtigungen durch feh-
lendesPersonal im eigenen Betrieb oder
bei Lieferanten betroffen. Befragt wur-
denvon der American Chamber of Com-
merce (AmCham) gut hundert amerika-
nische Unternehmen.Knapp die Hälfte
gab an, Betriebsschliessungen in China
hätten sich auf ihre globalen Lieferketten
ausgewirkt. Es fehlten die Arbeitskräfte,
weil sie nichtreisen dürften oder unter
Quarantäne stünden, erklärte der Am-
Cham-PräsidentKer Gibbs. «Das wird
schwerwiegendeFolgen für die globa-
len Lieferketten haben.» So verschob
Volkswagen den Produktionsstart sei-
nes chinesischen Gemeinschaftsunter-
nehmens mit demPartnerSAIC auf den
24. Februar. Eigentlich sollte der Betrieb
amMontag anlaufen.

HERAUSGEGRIFFEN


Als Brasiliens Putzfrauen


nach Disneyland strömten


Alexander Busch, Sal vador· Für Investoren und Unternehmer
war die Arbeitsteilung in derRegierung von PräsidentJair
Bolsonaro klar: DerRechtspopulist würde mit seinenTiraden
in den sozialen Netzwerken seine Anhänger beiLaune halten.
Der liberaleWirtschaftsminister und InvestmentbankerPaulo
Guedes sollte – imWindschatten des Präsidenten – diskret die
notwendigenReformen umsetzen. Also das Staatsbudget zu-
sammenstreichen, das Steuersystem vereinfachen, viel privati-
sieren und die Bürokratie auf Effizienz trimmen.
Doch jetzt haben Bolsonaro und Guedes dieRollen ge-
tauscht. Der Präsident hältsich seitWochen mit polemischen
Äusserungen zurück und gibtsich als Pragmatiker. Dafür dreht
Guedes jetzt richtig auf: Gerade beschimpfte er die Beamten
alsParasiten, die denWirt, den Staatsapparat, so lange ausge-
saugt hätten, bis sie ihn getötet hätten.Das war ungeschickt.
NächsteWoche will Guedes die Bürokratiereform vorlegen.
Seit September liegt sie auf Eis, weil derWiderstand imKon-
gress gross sein wird. Die Hälfte der Abgeordneten zählt zur
Beamtenlobby. Diese zu beschimpfen, bevor man ihre Stim-
men braucht, ist nicht zielführend.
Nun hat sich Guedes auch zur Abwertung desReal geäus-
sert. Man solle sich doch nicht so aufregen, erklärte er. Der
Real sei jetztrealistisch bewertet. Die starkeWährung der letz-
tenJahre habe doch zu solchen Absurditäten geführt, dass so-
gar Putzfrauen ins Disneyland nach Florida gereistseien,er-
klärte er indigniert. Die Empörung war gross. Vor allem bei
der Mittelschicht, die sich jetztkeineReise mehr nach Orlando
leisten kann. Putzfrauenkonnten sich das freilich noch nie.
Nach Guedes’Kommentar stürzte derReal weiter ab. Die
Zentralbank musste eingreifen, um ihn zu stützen.
Inzwischen war die Beamtenlobby nicht untätig: Es kam
heraus, dass der schwerreiche Guedes als Minister ein Spitzen-
gehalt bezieht, plusWohngeldzuschuss und Essensgutscheine.
Immer schon donnerstags fliegt er von Brasilia nach Rio –
natürlich auf Staatskosten. Genauso wie die von ihm alsPara-
siten beschimpfte Beamtenelite.

Bayer und BASF


zu Millionenstrafe verurteilt


(dpa)· Ein US-Geschworenengericht
hat den Agrarchemie- und Pharma-
konzernBayer sowie den Chemiekon-
zernBASF imRechtsstreit um den Un-
krautvernichter Dicamba zu millionen-
schwerem Schadenersatz verurteilt. Ins-
gesamt sollen die beiden Unternehmen
dem Pfirsichbauern BillBader aus Mis-
souri 265 Mio. $ zahlen. Dies teilt sich in
15 Mio.Schadenersatz sowie zusätzlich
250 Mio. $ Strafschadenersatz auf. Die
Entscheidung derJury fiel am Samstag.
Bader beschuldigtBayer undBASF, dass
er durch den Einsatz von Dicamba auf
benachbartenFeldern Ernteverluste er-
litten habe, daTeiledes Unkrautvernich-
ters aufseinePlantagen geweht worden
sein sollen. Den Schaden bezifferte er
auf 21 Mio. $. Dicamba wurde von Mon-
santoentwickelt, der US-Konzern sieht
sich wegen des Mittelsseit 2015 Klagen


ausgesetzt.Das jetzt in Missouri gefällte
Urteil ist das erste in einerReihe lau-
fenderVerfahren. Ein US-Sprecher für
Bayer kündigte an, derKonzern werde
Berufung gegen das Urteil einlegen.
AuchBASF kündigteRechtsmittel an.

tigen Investitionen für eine langfristig
erfolgreiche Entwicklung von Holden
nicht überandere globale Projekte der
Gruppe stellenkönne, sagteJulian Blis-
sett, GM-Vizepräsident für das interna-
tionale Geschäft. Bereits 20 17 hatte GM
die Produktion von Holden-Autos in
Australien eingestellt, derVerkauf von
importiertenWagen inAustralien und
Neuseeland ging aber weiter. 600 von
800 Stellen dürften nun wegfallen.

verkaufen. Bis jetzt gibt es laut Grön-
lands EnergieministerJessSvane neun
Projekte, dieLizenzen zum Export von
Wasser erhalten haben. «Aber wir wol-
len expandieren und unserWasser mit
demRest derWelt teilen», sagteSvane.
Insgesamt seien 16 Lizenzen zurWasser-
gewinnung ausgeschrieben worden.In
welche Märkte das grönländischeWa s-
ser exportiert wird, ist lautSvane Sache
der Unternehmen.

Milliardenspende für Kampf
gegenKlimawandel
(dpa)·Der Gründer und Chef des Inter-
netkonzernsAmazon, Jeff Bezos, will 10
Mrd. $ für die Bekämpfung des Klima-
wandels spenden.Das schrieb Bezos am
Montag auf seinem Instagram-Konto.
«Der Klimawandel ist diegrösste Be-
drohung für unseren Planeten», mahnte
Bezos dort.Er gründedaher den «Bezos
Earth Fund», mit dem Wissenschaf-
ter und Nichtregierungsorganisationen
beim Kampf gegen den Klimawandel
finanziell unterstützt werdensollen.

http://www.novomind.com

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